Puzzle blau und rot

Geld sparen bei Übersetzungen mit Puzzle und Patchwork? Keine gute Idee … wir sagen warum

Übersetzungen sind in vielen Unternehmen ein besonders unbeliebter Kostenfaktor. Während die Ausgaben für Marketingkampagnen, Webdesign, Drucksorten und Meetings ihren festen Platz im Budgetplan haben, stehen Übersetzungen oft als das Stiefkind im Fokus von Sparmaßnahmen. Die Challenge lautet: Hier kann man doch Geld einsparen, nur wie?

Die Idee liegt nahe, aus alten oder fremden Übersetzungen, oder einem Patchwork in Kombination mit kostenlosen maschinellen Übersetzungen, via Copy and Paste, neue fremdsprachige Texte zusammenzustellen. Oder sollten wir sagen ‚zusammenzuschustern‘? Sehr verlockend, doch hier ist erhöhte Vorsicht geboten, wir sagen Ihnen hier warum.

Warum Puzzle und Patchwork bei Übersetzungen keine gute Idee ist und ‚Copy and Paste‘ nur in den seltensten Fällen funktioniert

1. Fehlerquelle: Kontext

Auch ganz kurze Texte haben einen Kontext und eine Bestimmung: Texte etwa, die als Beschriftung von Verpackungen übersetzt wurden, sind genau dafür gedacht und eignen sich nicht notwendigerweise und in den meisten Sprachen sogar absolut gar nicht, um als beschreibende Texte in einem Produktkatalog eingesetzt zu werden. Selbst bestimmte technische Daten müssen in einem Katalogfließtext anders aufgeführt werden als im Telegrammstil einer Verpackung, der noch dazu layoutbedingt auf eine gewisse Zeichenanzahl beschränkt war. Übersetzungen sind keinesfalls eine Art Allzweckreiniger und für jeden erdenklichen Einsatz geeignet, denn immer ist der Kontext – wir können es nicht oft genug betonen – entscheidend. Die Texte müssen genau zu dem Zweck verwendet werden, für den sie ursprünglich geplant waren, und dürfen nicht zweckentfremdet und mittels Copy and Paste ungeprüft in einen anderen Kontext eingefügt werden.

2. Fehlerquelle: Agenturhopping

Werden Texte eines Unternehmens von mehreren Übersetzungsagenturen übersetzt, die nicht in Kontakt zueinander stehen, und erfolgt im Unternehmen selbst keine zentrale Terminologieverwaltung, kocht eine jede Agentur ihr eigenes ‚Terminologiesüppchen‘. Konsequenz: die Texte werden zwangsläufig uneinheitlich. Schlimm genug, wenn dasselbe Produkt von Broschüre zu Broschüre anders genannt wird, aber werden dann auch noch Texte aus verschiedenen Quellen zusammen verwendet, etwa in einem Gesamtkatalog, entsteht ein heilloses Durcheinander, das entweder dem Image des Unternehmens nachhaltig schadet, oder eine aufwändige und wiederum kostspielige Nacharbeit zur Vereinheitlichung erfordert.

Zudem hat jede/r Übersetzer/in einen eigenen Schreibstil und Übersetzungsgewohnheiten, und Texte/Artikel von mehreren Autoren können nicht ohne Weiteres zu einem qualitativ akzeptablen Text einfach zusammengeklebt werden. In einer langfristigen Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Übersetzungsagentur wird in der Regel der Styleguide eines Unternehmens erstellt – ein Codex, der dann jeder Übersetzung zugrunde liegt, alle internationalen Auftritte vereinheitlicht und zum Markenimage einen unschätzbaren Beitrag leistet.

3. Fehlerquelle: Zeitgeist

Patchworkdecken aus alten geliebten Schätzen mögen ganz nett und ein rührender Anblick sein, aber als Text sind zusammengeflickte Übersetzungen aus mehreren Jahrzehnten nicht geeignet. Sprache ändert sich, und das tut sie im Zuge der Globalisierung immer schneller – manchmal auf natürliche Weise, manchmal durch neue Normen oder Normanpassungen, die Begrifflichkeiten oder Schreibweisen von bestimmten technischen Daten neu definieren. Auch Sprachgewohnheiten ändern sich, was gestern noch trendy und chic war, kann heute schon altväterisch wirken. Übersetzungen müssen regelmäßig aktualisiert und angepasst werden. Neue und alte Übersetzungen zu mischen mag zwar auf den ersten Blick Kosten sparen, doch der Schein trügt. Dem Adressaten könnten die Unzulänglichkeiten auffallen und solche ‚faux pas‘ wirken sich negativ auf das Vertrauensverhältnis zwischen Unternehmen und Kunden aus.

 

Patchwork Blau

4. Fehlerquelle: fehlende Datenbankpflege

Führt das Unternehmen eine Terminologie-Datenbank, muss sie auch gepflegt werden – idealerweise mit den richtigen Werkzeugen. Begriffe in eine Excel-Datei hinzuzufügen, ohne alte, nicht mehr relevante Begriffe zu entfernen, ist keine Datenbank- bzw. Terminologiepflege. Die aktualisierte überarbeitete Version eines Produktkatalogs darf nur Bezeichnungen enthalten, die dem aktuellen Stand entsprechen – Ladenhüter müssen im wahrsten Sinne des Wortes ausrangiert werden. Auch können Begriffe nicht ungeprüft vom Singular in den Plural gesetzt werden, denn das Schloss wird zu Schlösser und das Fenster bleibt auch im Plural Fenster.

5. Fehlerquelle: Arbeitsteilung

Ähnlich wie beim Agenturhopping verhält es sich, wenn Mensch und Maschine getrennt voneinander mit Übersetzungsaufgaben betraut werden, und maschinell übersetzte Textteile ohne Prüfung und Anpassung von Menschenhand zusammengefügt werden. Ein gut lesbarer, ansprechender Text, und sei er noch so kurz, sollte eine Gesamtkomposition sein. Oder wie bei einem guten Cocktail: Die Ingredienzien können von bester Qualität sein, müssen jedoch sorgfältig aufeinander abgestimmt werden.

6. Fehlerquelle: Zwangsanpassung und Wörtlichkeit

Manchmal kann der Wunsch, im Namen der Corporate Identity oder des Corporate Wordings Begriffe terminologisch partout zu vereinheitlichen, zu einem verheerenden Puzzle führen. Wenn ein Begriff in der Ausgangssprache zwar nur einen, es aber in der Zielsprache eine Differenzierung gibt (oder umgekehrt), führt das zu einem wörtlichen Text in allen Sprachen, der aber nicht lesbar und nicht idiomatisch ist. Ein Beispiel: im Deutschen ein ‚Tritt“ kann im Französischen sowohl ein ‚marchepied‘ also auch ein ‚escabeau‘ sein. Hier differenziert das Französische genauer – natürlich kann ein Tritt auch noch ganz etwas anderes sein, das führt aber jetzt zu weit, denn auch Leitern können noch ganz etwas anderes sein! (Halbleiter, Räuberleitern etc.) Ohne die profunde Prüfung eines Sprachprofis ist das Puzzle hier nicht passend zusammenzusetzen.

7. Fehlerquelle: Verwechslung von Anfang und Ende

Terminologie als Vokabelliste ist nicht das Ende einer Übersetzung, sondern der Anfang. Zu glauben, dass jedes Wort nur „ersetzt“ werden muss, und dann ist schon alles richtig? Nein, das ist eine Milchmädchenrechnung (Geld sparen?) und genau für den richtigen Umgang mit Worten im kulturellen Kontext  gibt es qualifizierte Übersetzer/innen. Es ist nicht zielführend, den/die Übersetzer/in um die Übersetzung von Datenbanklisten zu bitten, und diese dann als Laie zu einem Text zusammenzufügen. Selbst wenn ein Terminus in absoluten Werten richtig ist, heißt es nicht, dass er blind in jeden Text eingefügt werden kann und darf und dass er kontextuell noch das Richtige aussagen wird.

8. Fehlerquelle: firmeninterne Terminologie und/oder mangelnde Kommunikation

Haben sich in einem Unternehmen sprachliche Gepflogenheiten (ganz gleich ob in der Ausgangssprache oder in Ausgangs- und Zielsprachen) eingebürgert, sollte dies den Übersetzern/innen vorweg mitgeteilt werden. Sonst entsteht ein alles andere als ästhetisches Flickwerk, denn viele Köche verderben bekanntlich den Brei. Aufgabe einer guten Übersetzungsagentur ist es, wenn aus Gründen des Volumens mehrere Übersetzer/innen eingebunden werden müssen, die Koordination und Vereinheitlichung zu übernehmen. Doch die grundlegenden Informationen müssen vorweg im Dialog, schriftlich oder mündlich, mit den Auftraggebern/innen erarbeitet und definiert werden.

9. Fehlerquelle: Skalierung

Ist eine Terminologie für ein bestimmtes Produkt schlüssig und wurde innerhalb einer Produktbroschüre auf sprachliche und optische Konsistenz geachtet, bedeutet das nicht, dass mehrere Broschüren unbesehen etwa zu einem Gesamtkatalog zusammengeklebt werden dürfen und das Ergebnis noch immer schlüssig ist. Werden zum Beispiel zwei Broschüren über unterschiedliche Leitern geschrieben, die in einer Zielsprache aufgrund der Beschaffenheit der jeweiligen Leiter terminologisch korrekt sind, bedeutet dies nicht, dass sie im Vergleich zueinander noch stimmig sind. [Man bedenke die Vielzahl der Begriffe wie: Anlegeleiter, Trittleiter, Malerleiter, Stufenstehleiter, Klapptrittleiter, Treppenleiter, Schiebeleiter etc.]

Auch hier sollte im Dialog zwischen Übersetzungsagentur und Unternehmen geklärt werden, welche Prioritäten zu setzen sind: Ob die Stimmigkeit innerhalb eines Produkts wichtiger ist, damit die Beschreibung in der Broschüre und im Gesamtkatalog einen jeweils einheitlichen Eindruck macht oder ob im Gesamtkatalog die Terminologie aus den Einzelbroschüren nebensächlich wird und übergreifend vereinheitlicht werden soll. Manchmal ist hier eine Rücksprache mit einer dritten Partei, nämlich der Vertretung oder dem Außendienst im Zielland nötig.

Wenngleich der Trend ‚aus alt mach neu‘ in vielen Bereichen des heutigen Lebens seine volle Berechtigung hat, ist beim ‚Re- und Upcycling‘ von Übersetzungen Vorsicht geboten. Ohne die kompetente Bearbeitung durch Sprachexperten kann schnell ein Imageschaden entstehen, der weit größer ist, als die Kosten einer guten Übersetzung.

Sprechen Sie mit uns, wir beraten Sie gerne:

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