Kontext für Übersetzungen

KONTEXT – warum ist er so wichtig?

„Könnten Sie uns bitte noch ein paar Angaben zum Kontext schicken?“

Diese Bitte richten wir oft an unsere Kunden*innen, nachdem sie uns ihren Auftrag zugesandt haben. Warum ist der Kontext für eine gute Übersetzung so wichtig und was genau meinen wir damit? Und warum müssen wir unsere Kunden*innen damit nerven?

Ohne Kontext gibt es keine gute Übersetzung

Kontext ist für die Arbeit von Übersetzern*innen eine enorm wichtige Komponente. Denn um die Zusammenhänge zu erfassen, einzuordnen und schließlich in den gewünschten Nuancen wiederzugeben, ist das ‚Umfeld‘ des Textes für einen gelungenen und wirksamen Zieltext unerlässlich. Dieser Aspekt wird von Auftraggebern*innen oftmals unterschätzt. Aber für ein perfektes Übersetzungsergebnis ist er genauso wichtig wie die Kenntnis der Fachterminologie und das stilistische Können der Sprachmittler*innen. Kontext ist das, was wir als Sprachexperten*innen brauchen, um ein Übersetzungsprojekt zielführend und zur vollsten Zufriedenheit der Kunden*innen durchführen zu können. Warum das so ist, erläutern wir Ihnen hier.

Kontext oder Rätselraten?

Oft bekommen wir in unserer Übersetzungsagentur recht kurze Texte zur Übersetzung geschickt. Kleine Abschnitte, manchmal nur eine Folge von einzelnen Wörtern oder isolierten Sätze, die ganz offensichtlich zu einem längeren Text gehören, an dem im Nachhinein Änderungen vorgenommen wurden und der nun um die fehlenden Textpassagen ergänzt werden soll. Den Auftraggeber*innen liegt es als Insidern verständlicherweise fern, dass diese Aufgabe für Übersetzer*innen einem Rätselraten gleichkommt, denn uns fehlen hier wichtige Informationen. Dann fragen wir nach dem Kontext.

1. Kontext = Hintergrund

Schriftwechsel, Memos, Besprechungsunterlagen, Verhandlungsprotokolle, Kostenvoranschläge, juristische Schriftsätze – um nur einige typische Unterlagen des täglichen Business zu nennen –, entstehen als Kettenglieder innerhalb eines eigenständigen, oft längeren und zuweilen komplexen Kommunikationsvorgangs. Sie können nur durch den Bezug auf den bisherigen mündlichen und schriftlichen Austausch in ihrer Gesamtheit wirklich einwandfrei verstanden werden. Mit anderen Worten: Wer weiß, worum es geht, weiß ja, worum es geht … Und genau dazu sollten bestimmte Informationen für eine perfekte und schlüssige Übersetzung aller Details und die Wahl eines angemessenen Sprachduktus vorweg der Übersetzungsagentur übermittelt werden. Aber keine Angst: Sie müssen uns nicht einen dicken Ordner mit dem Schriftverkehr der letzten Jahre übermitteln, ein paar Dokumente zur Ansicht reichen aus, um Ihre Tonalität, Corporate Language und Firmenterminologie zu erfassen und dann in der Übersetzung umzusetzen.

2. Kontext = Textabsicht

Auch die Bestimmung der Zielgruppe, dieses ach so strapazierte Wort, gehört zum Kontext.

Wichtigste Frage:

Wer ist der Empfänger, wer wird oder soll den Text, Ihre Botschaft lesen?

Richtet sich Ihre Marketingkampagne an die Generation Z oder wollen Sie die Generation Silver -Ager ansprechen? Es gilt hier nicht nur zwischen dem ‚Du‘ und dem ‚Sie‘ im Sprachduktus zu unterscheiden, sondern ein völlig anderer Sprachstil kommt zur Anwendung. ‚Hey Du‘ – für eine Brillenkampagne für Pensionisten geht vollkommen an der Zielgruppe vorbei, ebenso wie ein ‚Werter Kunde‘ Jugendliche nicht wirklich ansprechen wird. Ein paar kurze Angaben reichen aus, um aufzuzeigen, wohin die Reise gehen soll.

Wie ist Ihre bisherige Kommunikationslinie in punkto gegenderte Sprache? Wie wollen Sie sich als Unternehmen positionieren? Auch das ist für den Übersetzer*in wichtig zu wissen. Eine einheitliche Form sollte vereinbart werden.

Wir sollen für Sie die technische Beschreibung eines Gerätes übersetzen? Gerne, aber auch hier ist die Information zur Zielgruppe entscheidend: wendet sich der Text an den industriellen Nutzer oder ist er für Heimwerker und Laien gedacht.

All dies sind Informationen, die dazu beitragen, dass der übersetzte Text beim Leser die erwartete Wirkung erzielt. Auch wenn es Ihnen als Insider so erscheint, lassen sich diese Infos oft nicht direkt aus dem Ausgangstext erschließen. Dann fragen wir von eurolanguage Fachübersetzungen nach – denn die adäquate Sprachebene, die geeignete Semantik und die gewünschte Tonart ist entscheidend für die Wahl der Worte in der Übersetzung.

3. Kontext = Optik

„Ein paar Worte oder Zeilen zum Übersetzen…“ – auch hier sind oft Zusatzinformationen wichtig. Es ist aus stilistischer, grammatikalischer und typographischer Sicht sehr relevant, ob eine Zeile als Überschrift, Bildbeschriftung oder Teil einer Aufzählung dienen soll. Wir sehen anhand der Struktur eines Textes, an Hervorhebungen und Schrifttypen, wie der Auftraggeber*in seinen Text empfunden wissen möchte. Ohne Zusammenhang und die dazugehörigen Bilder sehen wir nicht, ob es sich um eine Headline, einen Slogan oder um eine Bildunterschrift handelt. Jegliches Bildmaterial ist für uns mit dem Ziel einer optimalen Übersetzung hilfreich. Zudem ist es wichtig zu wissen, ob die Texte online oder als Print-Texte eingesetzt werden. Auch das hat einen Einfluss auf die Wortwahl und die semantische Struktur der Übersetzung.

4. Kontext = kontinuierliche Zusammenarbeit

‚Last but not least‘ ein weiterer wichtiger Faktor ist eine kontinuierliche Zusammenarbeit. Wir von eurolanguage Fachübersetzungen machen uns ausführliche Listen, Notizen und Anmerkungen zu den Texten jedes einzelnen unserer Firmenkunden. Damit wir bei jeder neuerlichen Übersetzung das Wording, die Tonalität, den Sprachstil und Sprachduktus einheitlich und stimmig wiedergeben. Kleinigkeiten werden notiert, wie zum Beispiel die Bezeichnung der Position eines Mitarbeiters, die durchgängig gleich sein sollte, ebenso wie die Schreibweise von Firmennamen, denn auch hier sind die Ausgangstexte oft nicht kohärent.

Sie haben jetzt hoffentlich einen kleinen Einblick erhalten, warum wir Sie leider manchmal mit Rückfragen nerven müssen. Unser Ziel ist immer, einen übersetzten Text an Sie zu liefern, der in jeder Hinsicht passt wie der Schlüssel ins Schloß.

Schlüssel im Schloss

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