Internationalisierung, Globalisierung, Relokalisierung.

Modelle für eine Wirtschaft nach Corona: länderübergreifend und mehrsprachig.

Die Welt hat sich in den letzten Monaten merklich verändert. Das betrifft unseren Alltag vom Einkaufen bis zur Urlaubsreise, und noch mehr natürlich die Wirtschaft. Die Pandemie hat nicht nur Gewohnheiten durcheinandergebracht, neue Lebens- und Arbeitsrhythmen geschaffen, sondern uns auch vor neue wirtschaftliche Tatsachen gestellt und viele Fragen aufgeworfen. Wir sind so sehr in den Strudel der Ereignisse geraten, so sehr damit beschäftigt gewesen, Tag für Tag und nach Dringlichkeiten Abläufe und Rentabilität sicherzustellen, dass langfristige Entwicklungen auch rückblickend nicht mehr so einfach einzuschätzen sind. Mit diesem Artikel möchten wir unseren Kunden helfen, zum einen in Ruhe Bilanz zu ziehen, zum anderen Aussichten, Gelegenheiten und Einschätzungen für ihr internationales Geschäft wahrzunehmen und einzuordnen.

Wie die Wirtschaft ausgebremst wurde – und was es bedeutet

Was ist passiert?

Stellen Sie sich vor, Sie reisen mit dem Zug. Ob es sich dabei um eine kleine verträumte Bergbahn, die Sie zu Ihrem Urlaubsort in ein Schweizer Dörfchen bringt, oder um eine Geschäftsreise quer durch Japan mit dem schicken Shinkansen handelt, spielt keine Rolle. Während Sie sich entspannt Ihrer Reiselektüre widmen, Musik hören, Selfies posten, noch einmal Ihre Unterlagen für Ihre Besprechung durchgehen oder einfach den Blick aus dem Fenster genießen, führt der Zugführer seine üblichen Routineaufgaben durch.

In einer schlecht einsehbaren Kurve jedoch liegt unvermittelt ein Baumstamm auf den Gleisen. Vielleicht wurde er von Aktivisten oder Terroristen gefällt, um eine Entgleisung zu verursachen; vielleicht sind Borkenkäfer, Altersschwäche und der Zufall eines ungünstigen Windstoßes verantwortlich. Für das, was nun geschieht, spielt es vorerst tatsächlich keine Rolle. Eine Vollbremsung wird ausgelöst, und die Lage in den Wagons wird ungemütlich: Gepäckstücke fallen von den Ablagen, Menschen werden auf die gegenüberliegenden Sitze geschleudert oder stürzen.

Nach einer ersten Schreckminute gibt es viel zu tun: Die Gleise müssen freigeräumt, verletzte Passagiere versorgt und gegebenenfalls abtransportiert werden. Nachdem klar ist, dass die Situation nicht ganz so schlimm ist wie befürchtet, kann die Fahrt endlich fortgesetzt werden, wenn auch im gemäßigten Tempo, da zuerst geprüft werden muss, ob die Lok die Begegnung mit dem Hindernis wirklich so gut überstanden hat, wie es zunächst scheint, und zudem Rücksicht auf den restlichen Zugverkehr auf dieser Strecke genommen werden muss, der durch den Unfall und die entstandenen Verspätungen erheblich durcheinandergebracht wurde. Schließlich soll auch den Fahrgästen wieder Vertrauen, Sicherheit und Normalität vermittelt werden, und sie sollen, so effizient die Umstände es zulassen, ihr Ziel erreichen, wenn auch über Umwege.

Dies in etwa erlebte die Wirtschaft in den letzten Monaten infolge von Covid-19. Ganz ohne Blessuren und einen gewaltigen Schreck ging diese Zeit nicht an uns vorbei, und ein wenig wackelig auf den Beinen fühlen wir uns noch, aber nun wird wieder Fahrt aufgenommen und, wenn auch auf Sicht und mit vorsichtigem Tempo, dem Ziel entgegengestrebt – für die kleinsten Unternehmen im „Regionalverkehr“ ebenso wie für die Geschäftsreisenden der Großunternehmen und Konzerne auf den „Langstrecken“. Doch in welche Richtung wird die Reise nun gehen?

Wie geht es weiter?

Was uns erwartet, können wir nur bis zu einem gewissen Grad beeinflussen. Wir wissen nicht, wann ein Impfstoff zur Verfügung stehen wird und mit welcher Art von „Normalität“ wir uns auseinandersetzen müssen. Im Moment sind Think Tanks, Ökonomen und Soziologen damit beschäftigt, in die berühmte Kristallkugel zu schauen und Vermutungen über mögliche Entwicklungen anzustellen. Ihre Ergebnisse sind vielfältig, zuweilen widersprüchlich, und spiegeln in dieser Hinsicht die Meinungen und Wünsche wider, die auch in den Sozialen Medien zu lesen sind: Wird es eine Abkehr von den bisherigen Wegen geben? Werden neue Werte an ihre Stelle treten? Werden Umwelt und soziales Denken eine größere Rolle spielen? Wird Home Office endgültig zum Arbeitsumfeld der Zukunft? Wollen wir im Gegenteil so schnell wie möglich zu dem zurückkehren, was wir kennen und bisher funktionierte, den Wohlstand unserer westlichen Gesellschaften sicherte? Hat Just-In-Time ausgedient? Ein Füllhorn voller Fragen steht im Raum, und mit ihm Begriffe, die im Übersetzungsgeschäft längst Alltag sind.

Globalisierung, Internationalisierung, (Re‑)Lokalisierung …

Viele Begriffe, viele Irrtümer

Globalisierung eurolanguage Fachübersetzungen

Globalisierung: Hat sie ausgedient?

Nach dem Zusammenbruch der Logistikketten in diesem Frühjahr wurde Vieles kritisch hinterfragt. Die Globalisierung, die bereits zuvor ohnehin nicht ganz widerspruchslos beäugt wurde, wurde schnell als Teil, ja wichtigste Ursache des Problems an den Pranger gestellt, und manche sahen die Krise als Symptom und Warnung zugleich.

Der Begriff „Globalisierung“ ist an sich keine ursprünglich wirtschaftliche oder sozialwissenschaftliche Größe. Das Wort leitet sich von „Globus“ ab und bezeichnet die gesteuerte und gezielt aufgebaute weltweite Verflechtung von Menschen und all ihren Aktivitäten, ob im privaten, kulturellen, wirtschaftlichen oder politischen Bereich. Kolumbus, Cook, Vasco da Gama gehörten wohl zu den ersten, die sich um solche Vorgänge bemüht haben.

Mit der Intensivierung dieses Bestrebens, die Welt kleiner zu machen, wirtschaftlich überall präsent zu sein und aus jedem Land das Beste „mitzunehmen“, wurden in den letzten Jahren Lieferketten auf alle Kontinente verteilt, Produktionsstätten gewinnorientiert verlegt und Absatzmärkte in weiter Ferne erschlossen. Globalisierung wurde nun von den einen als Heilsbringer der Wirtschaft und des Wachstums gepriesen, von den anderen als sozial fragwürdigste Ausformung eines maßlosen und menschenverachtenden Kapitalismus’ verteufelt.

Unabhängig von diesen gegensätzlichen Meinungen erwies sich diese Strategie nach der pandemiebedingten Schließung der Grenzen als fragileres Konstrukt als bisher angenommen.

Zurück zu nationalen Wirtschaften und Produktionen? Was Relokalisierung bedeutet

Eine Überlegung, die sich aus diesen Beobachtungen entwickelte, war die Rückverlegung wichtiger Produktionsvorgänge ins eigene Land. Nach der Vollbremsung und dem unerfreulichen Kontakt mit dem Baumstamm, der sich auf die Gleise gelegt hatte, war manchem eher danach, das Zugfahren sozusagen ganz zu lassen und auf Wanderwege umzusteigen, die wesentlich weniger riskant schienen. Ob dies tatsächlich eine Option für die Zukunft sein wird, kann zur Zeit niemand voraussagen. Auch wenn die Versuchung groß sein mag und in einigen Branchen durchaus eine größere Differenzierung in solchen Entscheidungen stattfinden könnte, erscheint es objektiv wenig wahrscheinlich, dass – um bei unserem Bild zu bleiben – das ganze Schienennetz, das unsere Wirtschaft seit Jahrzehnten trägt, wegen eines zwar beeindruckenden, aber bisher einmaligen Vorfalls von heute auf morgen komplett abgebaut und vernichtet wird.

Denkbar ist allerdings, dass einige Märkte und Geschäftsbeziehungen auf kleinere Größen zurückgeführt werden: auf EU-Ebene anstatt auf Weltebene etwa, auf Kontinent-Ebene vielleicht in anderen Teilen der Welt. Relokalisierung würde hier also eine Rückführung auf einen geographisch überschaubareren und beherrschbareren Maßstab bedeuten.

Ein Begriff schafft den Konsens: Digitalisierung

Ein kluges Modell als Chance und Auftrag?

Wer trotz Einbruch der Gesamtwirtschaft in den letzten Monaten dennoch wenig zu beklagen hatte, hatte nicht nur Glück, sondern hatte es vor allem verstanden, sein Angebot und die meisten seiner Geschäftsabläufe, ob im B2B oder im B2C, zu digitalisieren. Selbst in der besonders getroffenen Gastronomie hatten jene Restaurants eine bessere Überlebenschance, die übers Internet einen Lieferservice oder Abholbuchungstermine per App hatten einrichten können. Freiberufliche Lehrer, Personal Coaches, Psychologen, die rechtzeitig ein Online-Angebot hatten aufbauen können, konnten zumindest einen Teil ihres Einkommens über die Krise retten. Die Digitalisierung, die bereits in aller Munde als Zukunftsmodell ohne Wenn und Aber gehandelt wurde, ist seitdem im Mittelpunkt des Interesses und der Investitionsüberlegungen.

Doch welche Konsequenzen hat dies für Unternehmen wirklich?

Digitalisierung im B2C – wirtschaftlich und krisensicher

Digitalisierung ist im B2C ein erster Schritt, um eine Unabhängigkeit vom Ladengeschäft herzustellen – sei es als zweites Standbein oder als komplette Umstellung des Geschäftskonzepts. Neben der Möglichkeit, auch in Zukunft Geschäftsschließungen auf diese Weise umgehen zu können, können Mieten und Verkaufspersonal eingespart werden, was gerade für sehr kleine Geschäfte zu einer deutlicheren Rentabilität führen kann.

Digitalisierung im B2B – Lean Management

Im B2B kann die Digitalisierung vieler Produktions- und administrativen Prozesse zu einer Verschlankung der Abläufe führen, was die betriebliche Flexibilität und Geschwindigkeit erhöht, die Kosten senkt und die Wettbewerbsfähigkeit unterstützt.

Digitalisierung als Rettung?

Was die Abkehr vom Direktgeschäft bedeutet

Sieht man von Unternehmen aus der Stand-Gastronomie ab, denen Lieferdienst-Plattformen ermöglichen, ihr Geschäft weiter lokal zu führen, jedoch parallel neue Vertriebswege zu erschließen, lässt sich das Modell allerdings nicht ohne zusätzliche Überlegungen auf alle Branchen übertragen.

Die Unabhängigkeit vom Ladengeschäft im B2C, vom Unterrichtsraum, oder von der physikalischen Kanzlei oder Praxis und die Verlegung aller Aktivitäten in die virtuelle Welt durch Online-Shops, Online-Sprechstunden, Online-Beratung oder Online-Kurse implizieren aber auch eine größere Vergleichbarkeit der Angebote, und somit eine wesentlich höhere Konkurrenz. Auch im B2B kann der Umstieg auf das Internet der Dinge in der Produktion und auf rein virtuelle Dienstleistungsangebote zu einem Verblassen von Image und Positionierung führen. Die Gefahr, sich zu Dumping-Preisen verführen zu lassen, die zwar den Absatz sichern, aber keinen ausreichenden Umsatz ermöglichen, um langfristig zu überleben, ist groß.

Durch den Verlust des persönlich-menschlichen Aspekts muss die Kundenbindung auf anderen Wegen erreicht werden. Es wird eine viel intensivere Branding-Arbeit erforderlich, die wiederum eine hohe Zeitinvestition, aber auch Kapital erfordert – idealerweise beides.

Wie Internationalisierung eine lebensfähige Digitalisierung erst ermöglicht

Eine bessere Möglichkeit besteht darin, die Kundenansprache zu streuen, indem sie internationalisiert wird. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es werden sofort und mit relativ geringem Aufwand mehr potentielle Kunden erreicht. Es ist auch die Gelegenheit, neue Zielgruppen zu integrieren und bestehende Zielgruppen zu verschieben: von der Kundschaft, die Wert auf den persönlichen menschlichen Kontakt legt, auf eine Kundschaft, die gern direkt entscheidet und sich von der Attraktivität der Produkte, ihrer Präsentation, des Brandings und der Qualität des Online-Services leiten lässt.

How to Internationalisieren? Gute Übersetzungen sind der Schlüssel

Internationalisierung bedeutet aber nicht nur, Produkte irgendwie für den Auslandsverkauf anzubieten. Um überzeugen zu können, muss die Qualität der Vorstellung herausragend und perfekt auf die Zielgruppen angepasst sein.

Um dies wiederum zu erreichen, sind stilistisch perfekte Texte und eine konkrete, gezielte Ansprache unerlässlich, die der Mentalität des jeweiligen Ziellandes entspricht und ihr Rechnung trägt. Die bloße sprachliche Übertragung einer Website reicht nicht aus. Hier können erfahrene Übersetzer beratend helfen, die Elemente herauszuarbeiten, die den kleinen, aber wichtigen Unterschied machen. Maschinelle Übersetzungen, die für den privaten Gebrauch als halbzulängliches Hilfsmittel durchaus hilfreich sein können, werden hierfür eine qualifizierte, dezidierte und hochwertige Arbeit nicht ersetzen können.
Ob – in welcher Form auch immer – Globalisierung oder Relokalisierung die Welt von morgen prägen, ob unsere Märkte wieder größer werden oder kontinental-regional zu suchen sein werden: Der internationale Austausch wird an qualitativer Bedeutung gewinnen.

Sie möchten den digitalen Weg gehen und so Ihr Geschäft auf die Welt von morgen vorbereiten? Wir beraten Sie und helfen Ihnen. E-Mail:  office@eurolanguage.net

Wir erklären Ihnen, wie viele Sprachen Ihre Website braucht, welche Texte Sie am dringendsten in der Übersetzung benötigen und welche Sie zurückstellen können, wie Sie Ihre Übersetzungskosten steuern können und vieles mehr.

Globalisierung, Internationalisierung, Relokalisierung, Digitalisierung - nach Corona

Fotos: @canva

Was Begriffe in der Corona-Krise über die Länder Ihrer Geschäftspartner verraten.

Die Pandemie, die die Welt nun seit Monaten heimsucht, hat nicht nur unseren Alltag, unser Privat-, Arbeits- und Geschäftsleben schlagartig verändert, sondern auch die Art, wie wir miteinander reden. Dies betrifft sowohl die Kommunikationswege, die vermehrt die digitalen Optionen von Videotelefonie und Online-Konferenzen nutzen, als auch unser Vokabular. Wir haben nicht nur neue Begriffe gelernt und schon so verinnerlicht, dass sie uns in einer aus sprachgeschichtlicher Sicht verblüffend kurzen Zeit als selbstverständlich vorkommen. Aus dieser Tatsache lässt sich außerdem gewissermaßen im Zeitraffer ablesen, wie Sprache lebt, sich entwickelt und anpasst, aber auch wie unterschiedliche Sprachkulturen, der jeweiligen Mentalität entsprechend, mit den Ereignissen umgehen.

Die Pandemie bekämpfen: Kriegsvokabular

Kriegsvokabular in Zeiten von Corona

Regierungsrhetoriken und globaler PR-Trend

Besonders in der ersten Phase des Ausbruchs galt es für Regierungen, den Ernst der Lage zu vermitteln, gleichzeitig die Bevölkerungen von den notwendigen Maßnahmen zu überzeugen, sie zur freiwilligen Beteiligung anzuregen, ein Gemeinschaftsgefühl heraufzubeschwören und Zuversicht zu verbreiten – kurzum: zu mobilisieren …
Der französische Staatschef Emmanuel Macron ließ in seinen Ansprachen, ob im Fernsehen oder vor Ort, keine Gelegenheit aus, sich eines bewusst sehr scharfen militärischen Vokabulars zu bedienen. Er verkündete nicht nur in einer seiner ersten Reden, Frankreich und die Welt befänden sich im Krieg, sondern blieb auch dieser Linie treu, als er zum ersten Mal vermelden musste, dass ein Krankenhausmitarbeiter dem Virus erlegen war. Mit einem Anzug in Tarnmuster gekleidet sprach er in Mühlhausen an jenem Abend einen unvergesslichen Satz: „Aujourd’hui, le premier soignant est tombé“ – heute ist die erste Pflegekraft gefallen.
Ähnlich verhielt es sich in Italien, wo Regierungschef Conte Begriffe wie „combattere“, „battaglia“, „difendere“ (kämpfen – Schlacht – verteidigen) verwendete und auch die Pressekonferenzen von Präsident Trump strotzen nur so vor Wörtern wie „enemy“, „war“ und „weapon“.

Den Dingen einen Namen geben – die Sprache der Vergangenheit

Manche ältere Menschen in aller Welt fühlten sich sodann im Alltag an den Zweiten Weltkrieg erinnert, und die Lebensmittel- und Toilettenpapierknappheit war nicht der einzige Grund dafür. Begriffe wie „Ausgangssperre“, „Ausgangsbeschränkungen“ in breiten Teilen des deutschsprachigen Raums, „couvre-feu“ in Frankreich und das ihm angelehnte „curfew“ im Englischen hatten für viele von ihnen einen traurigen und beunruhigenden Beigeschmack.

Akzeptanz schaffen: im Schutz der Sprache

Hatte vielerorts das wenig medizinisch-sachliche Vokabular erfolgreich das Ausmaß der Gefahr in greifbare und für alle verständliche Größen übertragen (ja übersetzt!), so musste auch deutlich werden, wie Schutz aussehen könnte.

„Lockdown“: textpsychologisch durchdacht und effizient

Der Begriff „Lockdown“, der über die englischen Medien um die Welt ging und in der zweisprachigen internationalen Kommunikation weitgehend übernommen wird, kommt ursprünglich aus der Schiffs- und U-Boot-Sprache. Wird er undifferenziert für Ausgangssperren und Geschäftsschließungen verwendet, so bietet er jedoch den Vorteil, durch seine Bildhaftigkeit ein Sicherheitsgefühl zu vermitteln, und sagt nichts anderes aus, als dass es möglich sei, eine Luke, eine eiserne dichte Tür, einen schweren Rollladen herunterzulassen und sich in einem kleinen, aber dichten, geschützten und sicheren Raum aufzuhalten, bis die Gefahr vorüber ist oder Rettung naht. Dies ist eine kluge sprachliche Taktik, die zum einen ein einfaches, leicht verständliches Wort nutzt, zum anderen die beruhigende Geborgenheit eines unüberwindbaren Panic-Rooms oder eines Prepper-Bunkers suggeriert. Eine solche Sprachebene ist auch wirtschaftlich hilfreich, weil der Eindruck entsteht, dass hinter dem sicher verschlossenen gepanzerten Vorhang eine relativ große Normalität möglich ist.

In den sozialen Netzwerken ist in der Tat zu beobachten, dass in Neuseeland und England etwa insbesondere bei Kleinselbständigen und Bildenden Künstlern produktivere Arbeit aufrechterhalten blieb und bleibt, als es in anderen Ländern der Fall ist. Hier zeigt die unterbewusste Wirkung von Sprache – ein Thema, das Übersetzer vornehmlich im Marketing- und PR-Bereich besonders gut kennen und beherrschen –, wie wichtig die Wahl der richtigen Worte sein kann.

„Confinement“ – Frankreichs Liebe zu Kultur und Form

Mona Lisa mit Corona-Schutzmaske

„Confinement“ beschreibt in Frankreich die überaus beeindruckende Bandbreite von Maßnahmen, die vom kompletten Ausgangsverbot bis hin zu Betriebsschließungen reichen und insgesamt für ein Land, das „Liberté“, also Freiheit, als erstes Wort des Staatsmottos über alles stellt, überraschend strenge Verbote und enggefasste Vorschriften beinhalten. Doch Frankreich wäre nicht Frankreich, wenn nicht auch jetzt humanistische Bildung und Kultur die Rhetorik prägen würden.
„Confinement“ ist ein äußerst interessantes Wort und bedeutet eigentlich „Abgeschiedenheit“, „Abgeschlossenheit von der Welt“, „Abkapselung“. „Se confiner“ heißt im normalen Sprachgebrauch „sich in die Einsamkeit zurückziehen, sich absondern“, „se confiner chez soi“ „sich von der übrigen Welt abkapseln“, „se confiner dans quelque chose“ „sich auf etwas beschränken oder festlegen“ und „se confiner dans ses études/dans son travail“ „sich in seine Studien/seine Arbeit vergraben“. Diese Begriffsfamilie suggeriert also in erster Line ehrenhafte und gelehrte Weisheit – aus Verboten wird das freiwillige, intellektuell fördernde Dasein eines Eremiten. Zudem hat das Wort einen leicht altmodischen, „verstaubten“ Anklang, der es einer zu scharfen Eingrenzung entzieht.
Ebenso sprachkulturtypisch ist die „Attestation de déplacement“, die es ermöglicht, für unvermeidbare Besorgungen das Haus zu verlassen … und den Stellenwert präziser und für Nichtmuttersprachler nicht immer nachvollziehbarer Formulierungskunst einmal mehr offenbart.

Auch Spanien bezeichnet – ähnlich wie Frankreich – die strengen Maßnahmen zur Regulierung des Gesellschafts- und Wirtschaftsleben in Zeiten der Covid-19-Pandemie mit dem Wort „confinamiento“. Daraus haben sich Neologismen entwickelt wie „desconfinamiento“, die wohl allmähliche Beendigung der Maßnahmen in vier Phasen, und das Verb „desconfinar“ / „desconfinarse“. So sagt eine Frau, die auf den Kanaren lebt, zu ihren Geschwistern auf dem Festland: „Parece que me voy a poder desconfinar antes que vosotros“.

Schnell fand auch das Akronym EPI (equipo de protección individual), der einfache Schutzanzug des Personals im Medizin- und Pflegebereich, seinen Eingang in die Alltagssprache und Mediensprache und bildet inzwischen den Plural wie ein Substantiv („los EPIs“, „muchos EPIs“). Das Oxymoron „volver a la nueva normalidad“ (zurückkehren zur neuen Normalität) birgt die ganze Hoffnung auf ein halbwegs glückliches Ende der Pandemie und des „confinamiento“ und zugleich große Ungewissheit über das Leben danach.

„Kontaktsperre“ – das deutsche Wort schränkt ein und gibt gleichzeitig Hoffnung

Der Begriff ‚Kontaktsperre‘, der in Deutschland gewählt und medial verbreitet wurde, ist im internationalen Vergleich ein Kuriosum und wurde von der Presse im Ausland als solches bestaunt. Die Kontaktsperre stammt ursprünglich aus der Rechtssprache und wird als Vorsichtsmaßnahme zum Schutz vor gewalttätigen Ehepartnern, Stalkern und bedrohlichen Mitmenschen verhängt.

Was meint das Wort ‚Kontaktsperre‘ aktuell in Zeiten von Corona?

Aufgrund seiner juristischen Herkunft vermittelt der Begriff Autorität und flößt selbstredend Respekt ein. Auch lautmalerisch kommt das Wort eher wie ein knapper Peitschenhieb daher, verglichen mit dem doch wesentlich geschmeidigeren Wort „Ausgangsbeschränkungen“ in Österreich. Es verwundert also nicht, dass der eine oder andere Deutsche sich in seinen Grundrechten beschnitten fühlte, während in Österreich die Maßnahmen von Beginn an eine breite Zustimmung in der Bevölkerung fanden (die Gründe hierfür sind natürlich nicht ausschließlich in der Begrifflichkeit zu suchen).

Und das Wort ‚Sperre‘, es hat auch Potential für die Zukunft: eine Sperre ist an sich etwas Vorübergehendes. Eine Sperre wird in absehbarer Zeit – wann das sein wird, steht im Vorfeld nicht fest – aufgehoben und alles geht erwartungsgemäß wieder seinen gewohnten Gang. Man denke nur an die Sperre eines Fußballspielers nachdem er eine rote Karte erhalten hat. Es geht irgendwann wieder weiter – Hoffnung für die Zeit nach Corona.

Humor und gute Laune auch in der Coronakrise – am Beispiel der Niederlande und Österreich

Unsere holländischen Nachbarn beweisen in diesen Wochen eine ungewöhnliche Disziplin und werden ihrem Ruf gerecht, die Dinge anders, in vielen Fällen positiver zu sehen. Über 700 Wörter stellten sie in einem speziellen Wörterbuch zusammen. Darin finden sich so lustige Ausdrücke wie ‚Corona-Frisur‘, ‚Snotterschaamte‘,  ‚Schniefscham‘ oder auch ‚Händeschüttelverbot‘ oder ‚Lockdown-Kilos‘.

Und die Wiener werden natürlich ganz in der Helmut Qualtinger Tradition (wir erinnern uns an den legendären Herrn Karl) ganz besonders treffsicher, mit sarkastisch-ironischen Wortschöpfungen: Für die Schutzmasken zum Beispiel ‚Papp’n-Deckerl‘, ‚Goscherl-Vorhang‚, ‚Goscherlfetzn‘ bis hin zur degutanten ‚Schlaatzbremse‚ oder dem ‚Fotznfetzn‚. Na Servas! Gereimt wird auch der Spruch der Müllmänner der MA 48 und folgendermaßen abgewandelt: ‚Nimm ein Sackerl fürs Gackerl und bind ein Kapperl vors Papperl‘. (Brauchen Sie hierfür etwa eine Übersetzung? :-)

Andere Länder, andere Sitten

Die Art, wie einzelne Länder sprachlich mit der Pandemie umgehen, ist bei weitem nicht nur für interessierte Laien oder Linguisten relevant, sondern sie zeigt vor allem, wie wichtig, ja unerlässlich sprachkulturelles Verständnis – auch in Form von Kommunikationsberatung und hochwertiger differenzierter Übersetzungsarbeit durch Muttersprachler – für einen zielgerichteten und zielführenden internationalen Austausch ist. Auch in einer globalisierten Welt und angesichts der Gefahr bleibt die jeweilige sprachliche Interpretation jeder Situation das individuelle Abbild der Werte und der gesamtgesellschaftlichen Muster, die nicht nur „auch“, sondern „gerade“ für erfolgreiche geschäftliche internationale Beziehungen entscheidend sind.

Fotos: @canva

++++Aktualisiert: Aufgrund der Corona-Pandemie versenden wir zur Zeit alle beglaubigten Übersetzungen Ihrer Dokumente ausschließlich per Post – sie brauchen nicht in unser Büro zu kommen, um Ihre Dokumente abzuholen. Die Übersetzungen werden mit der Kopie Ihres Dokumentes, das Sie uns zuvor per E-mail zugeschickt haben, zusammengeheftet und sind ebenso gültig wie die Originale. Die Bezahlung für die beglaubigte Übersetzung Ihrer Dokumente können Sie sicher & safe per Überweisung von zuhause aus tätigen.

Für besonders dringende Dokumente haben wir einen Abholbriefkasten im Außenbereich unseres Office eingerichtet. Hier können Sie, ähnlich wie bei den Abholstationen der Post, ihr Dokument kontaktlos übernehmen. ++++

#StayAtHome #Bleibzuhause #RestezAlaMaison #QuedateEnLaCasa #RimaneteACasa

Das Übersetzungsbüro eurolanguage liefert tagtäglich Übersetzungen in allen Sprachen aus, die der Internationalisierung dienen, grenzüberschreitende Geschäftsbeziehungen anbahnen oder vertiefen, die Globalisierung vorantreiben und vieles mehr. Wir kreieren mit größter Sorgfalt und Hingabe Texte, deren Intention es ist, Produkte und Dienstleistungen auf den von unseren Kunden angepeilten Zielmärkten optimal zu positionieren. Stets haben wir das große Ganze im Blick, jonglieren mit professionellen Fachbegriffen und beweisen routiniert in vielen Bereichen des Wirtschaftslebens und des Marketings unsere Sprach- und Fachkenntnis ebenso wie unsere interkulturelle Kompetenz.

Die Abwicklung unserer Aufträge erfolgt in der Regel per E-Mail, ab und an gibt es ein klärendes Telefonat, in den meisten Fällen jedoch lernen wir unsere geschätzten Auftraggeber nicht persönlich kennen.

Anders verhält es sich bei beglaubigten Übersetzungen (beeideten Übersetzungen) für Privatkunden.

Privatkunden bei eurolanguage Fachübersetzungen

Besondere menschliche Augenblicke mit emotionaler Dimension

Die Anfragen an unsere Übersetzungsagentur für beglaubigte Übersetzungen sind naturgemäß sehr unterschiedlich: ein Maturazeugnis, ein Führerschein, ein Leumundszeugnis, eine Geburtsurkunde, ein Strafregisterauszug, ein Taufschein, ein Scheidungsvergleich… die Liste der Dokumente, die zur Vorlage bei Behörden beglaubigt übersetzt werden müssen, ist lang und immer von Zweck und Anlass abhängig.

Wir sehen die junge Maturantin, die für einen 1-jährigen Sprachaufenthalt nach Südamerika gehen möchte – und sie braucht noch die beglaubigte Übersetzung ihres Maturazeugnisses und ihrer Personaldokumente für die Einreise nach Ecuador.

Wir sehen das verliebte Brautpaar aus den USA, das eine romantische Hochzeit in Wien geplant hat: es fehlen für die hiesigen Behörden aber noch die beglaubigten Übersetzungen ihrer ‚personal documents‘ und für den feierlichen Akt auf dem Standesamt auch noch ein beeideter Dolmetscher/in für die Trauung. (Ein Dolmetscher/in muss bei der Zeremonie anwesend sein, so ist es Vorschrift.) Beim reibungslosen Ablauf einer standesamtlichen Hochzeit und der perfekten Dolmetschung durch unsere Sprachmittler wurden übrigens auch schon einige schöne Freundschaften geschlossen!

Sie hatten Ihren Hochzeitstermin auf dem Standesamt schon seit langem festgesetzt? Und jetzt? Auch in der Coronakrise kann geheiratet werden. Es gelten folgende Beschränkungen: Grundsätzlich dürfen zur Zeit neben dem Standesbeamten/in NUR die Brautleute an der Eheschließung teilnehmen: Trauzeugen, Familienangehörige und Freunde dürfen nicht dabei sein. Ist für die Hochzeit ein Dolmetscher nötig, so ist das weiterhin, selbstverständlich mit dem erforderlichen Sicherheitsabstand, möglich. Aufgrund der Verschiebung von vielen Hochzeitsterminen in den vergangenen Monaten der  Coronakrise wird es in den nächsten Monaten und auch im nächsten Frühjahr zu einem ‚Boom‘ kommen. Reservieren Sie daher Ihren Dolmetscher/in rechtzeitig.

Wir sehen den Zahntechniker aus Italien, der sich in Wien verliebt hat und jetzt dauerhaft hier bleiben möchte und eine adäquate Anstellung sucht. Er benötigt die dringende, offizielle Übersetzung seiner bisherigen Arbeitszeugnisse, um möglichst schnell eine passende Stelle zu finden.

Wir sehen die Kanadierin, die bei der UNO in Wien ihre große Berufschance wahrnehmen möchte und deshalb all ihre Zeugnisse und Arbeitsbescheinigungen übersetzen lassen muss. Auch hier ist Eile geboten.

Wir sehen aber auch sehr traurige Anlässe: Polizeiberichte von Diebstählen, Testamente, Krankenakten, Sterbeurkunden und nicht zuletzt Scheidungsdokumente, Sorgerechts- und Unterhaltsstreitigkeiten.

Der persönliche Kontakt – zur Zeit von Corona leider nicht möglich!

In der Regel bringen unsere Privatkunden ihre Dokumente persönlich im Übersetzungsbüro eurolanguage vorbei. Und dabei erzählen sie ihre kleine oder große Geschichte. Ob es traurige, erwartungsvolle oder freudige Anlässe sind, die Privatkunden zu uns führen – die Leben und Schicksale, denen wir auf diese Weise begegnen, berühren uns.

Die emotionale Dimension, die aus dem Auftrag eines Privatkunden entsteht, aus der Begegnung mit seiner Geschichte, erinnert uns wieder einmal daran – fern der virtuellen Welt – nämlich von Angesicht zu Angesicht, dass Sprachmittler/innen eine ganz entscheidende und wunderbare Rolle im Miteinander ausüben.

Die Arbeiten eines Übersetzers/in lassen sich eben nicht nur in Mehrwert und Umsatz messen, sondern sie sind auch menschlich ungemein wichtig und wertvoll.

Und wir freuen uns darüber, immer wieder unseren Beitrag leisten zu können, auch in dieser für uns alle so schwierigen Zeit. Und irgendwann dann sieht es wieder so aus:

Privatkunden beglaubigte Übersetzungen

Sprechen Sie mit uns – wir beraten Sie gerne:

Fotos: www.unsplash.com

Merci, Danke, Gracias, Thank you.

 

Was hatte ich mir nur dabei gedacht?

Nach einem erfolgreich abgeschlossenen Sprachstudium war ich nicht nur aller elterlichen Sorge trotzend und mit der Zuversicht, die allein der Jugend eigen ist, ziemlich ohne Plan B nach Wien gezogen, sondern hielt nun, an jenem kalten verregneten 6. März 1995, nach einer langen Warterei im Vorzimmer des Magistrats, meinen Gewerbeschein in Händen. 700 Schilling in Stempelmarken, das entsprach ca. 100,- DM, hatte er gekostet. Sicher, es war ein gewagtes, vielleicht sogar nicht ganz überlegtes Unterfangen, aber wenn ich heute zurückblicke, sehe ich in dieser Anekdote in erster Linie das, was eurolanguage Fachübersetzungen bis heute auszeichnen sollte und was ich in den jungen Gründern und ihren Start-ups erkenne: bedingungslose Leidenschaft und Enthusiasmus.

Ein wenig Zufall und viel Leichtigkeit

Zugegeben – alles war damals anders.

In der Dienstleistungsbranche herrschte Aufbruchstimmung. Vielmehr noch: Dienstleistung war „das ganz große Ding“ dieser Jahre, regelrecht ein Modewort, und auch wenn es heute sicher lächerlich klingt, Dienstleister zu sein war gewissermaßen „cool“ und hatte eine beinah glamouröse Aura. Es zeigte, dass man die Zeichen der Zeit erkannt hatte, dass man sich bewusst für die neue Richtung entschied, die sich in der Wirtschaft als zukunftsträchtig und gewinnbringend abzeichnete. Service sollte nicht mehr eine leere Worthülse sein, der Kunde sollte endlich wirklich König werden; ihm zu dienen und alles, aber auch alles für ihn tun zu wollen, sich Tag und Nacht für ihn einzusetzen, schien Ehre und Gebot zugleich. Teil an dem Hype zu haben, machte einen so wahnsinnig stolz. Die junge Romanistin, die in der Wiener Linzerstraße ihren ersten Firmensitz haben sollte, dachte da nicht anders. Wie Sie vermutlich gerade, muss auch ich in diesem Augenblick darüber schmunzeln.

Hindernisse gab es kaum, Vorschriften nur wenige. Von DSGVO, Impressumspflicht, UWG, UrhG, Abmahnungen und Co. war nicht die Rede. Diese Aussicht, durch das eigene Geschäft auch das eigene Leben frei gestalten zu können, war allgegenwärtig und fühlte sich leicht und gut an.

Der Bedarf an Übersetzungen war zudem enorm. Die EWG war im Grunde kürzlich erst zur EG geworden, und aus den neuen Bestimmungen, Regelwerken und Verpflichtungen, die sich aus dieser Umgestaltung ergaben, erwuchs für die Übersetzungsbranche ein weit geöffneter Horizont unendlicher Möglichkeiten.

Eine Prise Glück

Die ersten Aufträge ließen nicht lange auf sich warten: Ein guter Studienfreund hatte meine neu gegründete Übersetzungsagentur empfohlen (es hieß noch nicht „Networking“ oder „Empfehlungsmarketing“ …), und so gewann ich schnell erste, erfreulicherweise sehr gute Kunden. Mit einigen von ihnen arbeite ich tatsächlich heute noch zusammen, was mich an diesem Jubiläumstag mit großer Dankbarkeit und ein wenig Rührung erfüllt.

Rasant ging es weiter

Mein Startkapital bestand aus einem bescheidenen Sparbuch, das eigentlich für den Erwerb eines gebrauchten Kleinwagens gedacht war. Aber mit einem Auto kann man nicht übersetzen und auch keine Aufträge verwalten, und nur das hatte ich im Sinn. Ich investierte also kurzerhand den gesamten Betrag in einen „Zauberkasten“, einen gebrauchten Computer mit einem aus heutiger Sicht lächerlich winzigen Speicher.

Nun blickte mir das kleine viereckige Apple-Gesichtchen lächelnd von einem kleinen Bildschirmchen entgegen, und ich konnte tatsächlich anders als mit der Schreibmaschine ganze Zeilen und Textabschnitte korrigieren, komplett löschen, neu formatieren und mehrfach ausdrucken … Der Kleine machte mich so stolz und euphorisch, wie der ursprünglich geplante VW-Käfer es niemals vermocht hätte.

Bald kam das Internet. Wurden unsere Übersetzungsarbeiten bislang per Schneckenpost oder Fax ausgeliefert, so änderte sich auf einmal alles: Es begann die zeitnahe, direkte Kommunikation mit den Kunden. Die Taktung wechselte von SLOW auf ULTRASPEED. Dienstleistung war nunmehr weniger Inhalt als zeitliche Dimension: Die Aufträge wurden nicht mehr „bis Ende dieser Woche, Anfang nächster Woche“ erwartet, sondern „heute um 14:30 Uhr“, auf die Minute genau.

Auf in Richtung Zukunft

Internationalisierung, Globalisierung, Kommunikation ohne Grenzen – dazu haben Übersetzer/innen im zurückliegenden Vierteljahrhundert einen wesentlichen und großartigen Beitrag geleistet.

Und heute?

Die Branche befindet sich (wieder einmal) im Wandel: CAT-Tools haben uns die Arbeit erleichtert, Künstliche Intelligenz und neuronale Übersetzungssoftware werden als das nächste „ganz große Ding“ gehandelt. Solange aber maschinelle Übersetzungen Komik, Ironie und Humor nicht treffend wiedergeben, juristische Texte nicht rechtssicher in eine andere Sprache übertragen können, idiomatische Ausdrücke gar nicht erst verstehen und interkulturelle Kompetenz für sie ein buntes Fragezeichen bleibt, wird es das Übersetzungsbüro eurolanguage geben.

Einige ganz persönliche Zeilen

Zur Schau getragene Emotionalität ist meine Sache nicht. An einem solchen Tag aber, an dem sich doch Nostalgie und private Erinnerungen mit geschäftlicher Bilanz ein wenig vermischen, bitte ich um Nachsicht, wenn ich eine Ausnahme mache.

Ihnen allen gebührt für diesen langen Weg mein Dank: Ihnen, meinen Kunden, natürlich, aber auch den vielen Übersetzern/innen aus und in allen Ecken der Welt. Ohne Ihre Kompetenz, Ihre Zuverlässigkeit und Ihre Loyalität gäbe es eurolanguage nicht. Ich verlange von Ihnen allen sehr viel, und manches Mal mag ich überkritisch sein, aber ich hoffe, Ihnen allen dennoch eine gute Auftraggeberin und Kollegin zu sein.

Nein, ich hatte mir wirklich nicht viel dabei gedacht an jenem 6. März 1995 und mich einfach kopflos in ein Abenteuer gestürzt. Dass es allerdings so spannend und erfüllend werden würde, hätte ich mir niemals träumen lassen. Und ich würde nichts ändern wollen. In diesem Sinne:

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10 Kriterien für mehr Transparenz in der Wahl Ihres Übersetzungspartners

Klar, wir loben uns selbst: auf der Website, auf Facebook, auf Twitter, im Blog, im persönlichen Gespräch mit Interessenten. Immer wieder bezeichnen wir uns selbst als „gute Übersetzungsagentur“. Doch was bedeutet das überhaupt? Verbirgt sich dahinter mehr als eine floskelhafte Behauptung aus reinen Gründen des Marketings?

Wann eine Übersetzungsagentur eine gute Übersetzungsagentur ist, und woran Sie als Auftraggeber den Unterschied erkennen können, erklären wir in diesem Artikel.

1. Eine gute Übersetzungsagentur hört zu

Nicht nur Texte und Themenbereiche unterscheiden sich: Jeder Übersetzungskunde ist anders, d.h. er hat andere Bedürfnisse.
Die Bearbeitung Ihres Projekts darf sich nicht darauf beschränken, Ihren Ausgangstext stumm entgegenzunehmen und an einen Übersetzer weiterzuleiten. Denn nur Sie kennen die Situation, aus der heraus Sie Ihren Auftrag erteilen. Jede Information und jeder Wunsch, die Sie einbringen möchten, sind wichtig. Ob Sie beschließen, eine lange Arbeitsanweisung zu schreiben, in der für Sie wichtige Angaben wie Zielgruppe, Verwendung, Kontext, besondere Empfindlichkeiten des Lesers, beabsichtigte Textwirkung oder zu berücksichtigende Formate minutiös aufgezählt werden, oder nur in aller Kürze am Telefon zusammenfassen, was unbedingt in die Umsetzung einfließen muss, spielt keine Rolle: In jedem Fall darf nichts von diesen Informationen verloren gehen, und sie müssen einbezogen werden.

An diesem Punkt übrigens unterscheiden sich virtuelle und menschengeführte Übersetzungsbüros erheblich. Auch wenn Künstliche Intelligenz eines Tages möglicherweise weitere Fähigkeiten entwickeln wird, sind digitale Agenturen ohne die Möglichkeit eines persönlichen Kontakts kaum etwas anderes als ein toter Briefkasten oder eine zeitgenössische Version eines Rohrpostsystems, und wirklicher Dialog ist hier nicht möglich.

Dass Ihnen zugehört wird, zeigt nicht nur, dass Ihr Anliegen ernstgenommen wird, sondern sichert auch die individuelle, maßgeschneiderte Bearbeitung Ihres Übersetzungsauftrags.

2. Eine gute Übersetzungsagentur interessiert sich wirklich für Ihren Erfolg

Ein Übersetzungsauftrag kann auf vielfältige Weise bearbeitet werden.

Für eine gute Übersetzungsagentur geht es nicht darum, Textzeilen in der Fremdsprache nach dem „Dienst nach Vorschrift“-Prinzip gegen einen Geldbetrag zu tauschen. Vielmehr ist das Ziel eines jeden Projekts, dass der Kunde sich nicht nur oberflächlich betrachtet gut bedient fühlt, sondern messbar und spürbar von der Übersetzungsarbeit profitiert, einen eindeutigen Mehrwert für sein Geschäft registriert.

Konkret bedeutet das, dass ein Übersetzungsprojekt mehr als die Übertragung des Textes selbst impliziert. Eine gute Übersetzungsagentur macht Sie gegebenenfalls aktiv auf Probleme aufmerksam, die sich aufgrund von kulturellen Unterschieden ergeben könnten, unterstützt Sie bei der Umsetzung von Claims, Wortspielen und Corporate Identity, berät Sie und ist lebender Teil Ihrer internationalen Strategie.

3. Eine gute Übersetzungsagentur lebt Dienstleistung

Arbeit erfordert heute in allen Branchen die größte Flexibilität, und Sie können es sich nicht leisten, dem Tempo nicht zu folgen. Ein gute Übersetzungsagentur weiß das und ist immer erreichbar, wenn Sie sie brauchen. Aufträge am Wochenende oder Express-Übersetzungen über Nacht müssen selbstverständlicher Teil des Angebots sein. Ganz unmerklich das Unmögliche möglich zu machen gehört dazu. Als Partner Ihres Berufsalltags sieht eine gute Übersetzungsagentur auch eine ihrer essentiellen Aufgaben darin, Sie durch eine ganzheitliche Leistung zu entlasten, damit Sie sich auf den Kern Ihres Geschäfts konzentrieren und Ihre Internationalisierungsaufgaben vertrauensvoll delegieren können.

4. Eine gute Übersetzungsagentur ist mit Leidenschaft, Energie und Einsatz dabei

Qualität entsteht nicht von allein. Ständige Fortbildung ist nicht nur ein Schlagwort unserer Zeit, sie ist Bedingung und Ausdruck eines wahrhaftig professionellen Verhaltens.

Eine gute Übersetzungsagentur begnügt sich nicht damit, auf Ihre Aufträge zu warten und sie nach dem immer gleichen Ablauf zu bearbeiten. Die Ausrüstung in Soft- und Hardware muss zwingend dem neuesten Stand der Technik entsprechen, damit Sie als Kunde von allen Entwicklungen nahtlos profitieren können und Ihre Internationalisierung mit der Schnelllebigkeit unserer Welt Schritt halten kann.

Auch die Kartei einer Übersetzungsagentur muss permanent um die besten Übersetzer erweitert werden, denn es entstehen immer neue Themenbereiche, die Fachkompetenzen auf höchstem Niveau erfordern. Klimaschutz ist nur eines von zahlreichen Beispielen dieser neueren Wirtschaftsfaktoren, die noch vor einigen Jahren keine zentrale Rolle gespielt haben, doch zunehmend an quantitativer Relevanz gewinnen. Eine Agentur, die nicht in der Lage ist, schnell auf solche Entwicklungen zu reagieren, kann Ihnen nicht die Unterstützung zukommen lassen, die Sie in Ihrer ganz speziellen Branche benötigen. Sich täglich fortzubilden, diese Informationen unmittelbar und aktiv aufzugreifen, um hinter den Kulissen die besten Voraussetzungen für Ihren nächsten Auftrag zu schaffen, ist nur möglich, wenn die Agentur mit Herz und Überzeugung den Beruf lebt.

5. Eine gute Übersetzungsagentur versteht etwas von Sprachen

Was wie ein Gemeinplatz klingt, ist alles andere als selbstverständlich. Viele Agenturen werden von Personen geleitet, deren Ausbildung fremdsprachenfern ist: Sie haben einen betriebswirtschaftlichen oder juristischen Hintergrund und können nicht wirklich nachvollziehen, was das Besondere am Umgang mit Sprachen, Kulturen und Geschäftspraktiken auf internationaler Ebene ausmacht. Bei den größeren Agenturen auf dem Markt sind auch die sogenannten Projektmanager oft eher kaufmännisch ausgebildet als textkulturell kundig oder gar interessiert.

Eine gute Übersetzungsagentur wird von Menschen geführt, die wissen, was Internationalisierung bedeutet und welche Stolpersteine sich für ihre Kunden daraus ergeben können. Nur so können sie Sie effektiv beraten und den für Ihr Projekt geeigneten Übersetzer auswählen.

6. Eine gute Übersetzungsagentur schont Ihr Budget

Jedes Unternehmen möchte „verkaufen“. Doch einem Kunden nutzlose Produkte ohne Rücksicht und Verstand aufzudrängen, ist wenig seriös.

Eine gute Übersetzungsagentur wird niemals versuchen, Sie zu Aufträgen zu überreden, die Sie im Grunde gar nicht brauchen. Sie wird Sie im Gegenteil immer sehr konkret beraten und Ihnen helfen, herauszufinden, welche Texte Sie dringend benötigen, und welche später übersetzt werden können, bzw. ob ein Text komplett übersetzt werden muss oder eine andere, finanziell schonendere Lösung gefunden werden kann, wie viele Sprachen Ihre Website braucht… Eine gute Übersetzungsagentur wird Ihnen aufzeigen, wie Sie Ihr Übersetzungsbudget richtig planen, und worauf Sie beim Kostenvoranschlag für Ihren Übersetzungsauftrag achten sollten.

7. Eine gute Übersetzungsagentur hat für jeden Auftrag den passenden Übersetzer

Die Kartei einer guten Übersetzungsagentur ist fundiert zusammengestellt, vielseitig, differenziert und immer aktuell gehalten. Zu wissen, wer für ein Übersetzungsprojekt am besten geeignet ist, wer welche Skills umsetzen kann, erfordert die Berücksichtigung vieler Faktoren und ist nicht immer eine einfache Aufgabe. Langjährige Erfahrung, Menschenkenntnis und eine eigene sprachliche Ausbildung sind dabei von zentraler Bedeutung. Die Qualitäten, die Übersetzer mitbringen müssen, sind vielfältig, und doch ist auch zu entscheiden, wann Teamarbeit notwendig sein könnte oder demografische Kriterien eine Rolle spielen müssen: Dass ein Übersetzer kurz vor dem Rentenalter sich aktiv und gern mit den neuesten Phänomenen der Jugendsprache beschäftigt, ist zwar nicht unmöglich, jedoch nicht sehr wahrscheinlich.

8. Eine gute Übersetzungsagentur zahlt ihren Übersetzern faire Preise

Neben der Fähigkeit, die Qualifikation, die Kompetenz und das Können eines Übersetzers richtig einzuordnen, muss eine gute Agentur auch dafür sorgen, dass die besten der Branche den Wunsch haben, dauerhaft für sie zu arbeiten. Angemessene Honorare und pünktliche Bezahlung sind wichtig, um talentierte und engagierte Mitarbeiter zu binden, die sich ganz und gar, d. h. gern, leidenschaftlich und flexibel in den Dienst Ihrer Projekte stellen, die – wir haben es in unserem vorherigen Artikel erwähnt – bereit sind, die sogenannte Extrameile zu gehen und sich Ihrem Erfolg verpflichtet fühlen.

9. Eine gute Übersetzungsagentur arbeitet konsequent und systematisch

Eine einheitlich gute Übersetzungsqualität ist die Summe vieler kleiner Mosaiksteine. Zwei von ihnen allerdings nehmen eine besondere Bedeutung ein.

Dazu gehört, dass Ihre Projekte immer von derselben Person verwaltet und bearbeitet werden. Dies verkürzt nicht nur zeitlich die auftragsbedingte Kommunikation, sondern erhöht auch die Qualität der Zusammenarbeit insgesamt. Ihr persönlicher Ansprechpartner muss jeden Tag für Sie erreichbar sein. Ständig wechselnde Projektmanager, die bestenfalls halbtags, auf Minijob-Basis oder schlimmstenfalls nur bis zum Ende ihres Praktikums für Sie da sind, sind nicht zielführend. Sie sollten zudem darauf achten, dass nicht während eines Projekts mehrere oder wechselnde Freelancer mit der Betreuung Ihrer Übersetzung betraut werden. So kann nur ein Kommunikationschaos entstehen, das qualitativ und terminlich Ihr Geschäft gefährdet.

Eine zentrale und effiziente inhaltliche Projektverwaltung, die über die bloße Auftragsannahme hinaus geht, ist ebenfalls unerlässlich.

10. Eine gute Übersetzungsagentur führt ein informatives Blog

Möglicherweise betrachten Sie diesen Punkt als nebensächlich. Es gehört, nun ja, einfach zum heutigen Marketing dazu, ein Blog zu führen. Ob dies für den Kunden relevant ist, steht vielleicht an zweiter Stelle.

Wenn Sie eine gute Übersetzungsagentur aussuchen möchten, ist dies aber nicht ganz so zweitrangig, wie Sie es glauben.
Achten Sie bei der Beauftragung einer Übersetzungsagentur nicht nur darauf, ob ein Blog betrieben wird, sondern auch wie. Das Blog sollte regelmäßig gepflegt werden und einen erkennbaren Mehrwert bieten, d.h. für die Verwaltung Ihrer Übersetzungsprojekte sinnvolle, aktuelle sowie langfristig hilfreiche Informationen bereitstellen. Dies zeugt von Dialogbereitschaft, Engagement und Interesse jenseits der Minimalanforderungen des Geschäfts und von dem Willen, den Kunden aktiv und in allen zur Verfügung stehenden Formen zu unterstützen.

Wir hoffen, Ihnen mit diesem Überblick ein handliches und praktisches Werkzeug für die Wahl Ihres künftigen Übersetzungspartners gegeben zu haben. Vielleicht erkennen Sie in diesem stichpunktartigen Porträt bereits die Agentur Ihres Vertrauens. Vielleicht fühlen Sie sich nun in Ihrer Überlegung bestärkt, sich neu zu orientieren. Wenn wir Ihnen heute den Weg ein wenig ebnen konnten, freuen wir uns sehr.

Foto: @canva

Sprache im Allgemeinen und speziell die Interaktion von Sprechern verschiedener Sprachen war von Beginn an ein Gebiet, auf das die, damals schlicht als „Informatik“ bezeichnete Wissenschaft, ein ganz besonderes Augenmerk legte. Die unglaublich verlockende Vorstellung, eine Maschine könnte irgendwann einmal das menschliche Denken perfekt imitieren und sich autonom verständigen, faszinierte die Denker vom ersten Tag an. Sie war Utopie und Ansporn zugleich. Und ja, heute ist der Traum in vielen Bereichen Wirklichkeit geworden, der Begriff „Künstliche Intelligenz“ ist das Zauberwort der Neuzeit. Was bedeutet er für das internationale Business? Schwer zu überblicken? Mit diesem kleinen Abriss möchten wir unseren Kunden helfen, Tatsachen von Vermutungen und Gerüchten –Pardon: Fake News natürlich! – zu unterscheiden.

Künstliche Intelligenz und Übersetzung – von gestern bis heute

Sprachen als Spiel- und Übungsplatz der 60er und 70er Jahre

Als in Japan das erste sprechende „Elektronengehirn“, das brav grüßen und auf ein paar Grundfragen scheinbar selbständig antworten konnte, enthüllt wurde, keimte in der Presse bereits die Überlegung auf, ob in absehbarer Zeit Roboter als Dolmetscher fungieren könnten, und die Antwort der Ingenieure war ein klares optimistisches „Ja“. Gerade Übersetzer vermochten dies nicht zu glauben, zu komplex seien Sprachstrukturen und -nuancen, zu wichtig die interkulturelle Kompetenz, als dass eine Maschine sie beherrschen könne. Auch das Versprechen, mit immer größeren Computern immer mehr Daten und somit Wortschatz und Grammatik implementieren zu können, wusste die Skepsis nicht ganz zu vertreiben. Zumindest herrschte in unserer Branche darüber Konsens, dass es, wenn überhaupt jemals, nicht ganz so bald sein könne.

Von den netten Spielzeugen der 80er Jahre zu den Übersetzungshilfen der 90er

Angesichts der freundlichen kleinen weißen zweibeinigen Blechfreunde mit den lustigen blauen Augen, die auf Industriemessen mit hölzernen Sätzen und erheblicher Sprechverzögerung eher durch ihre Niedlichkeit punkteten, schien das Thema jedoch nicht im engen Sinne vorrangig.
Mitte der 90er Jahre allerdings kamen erste Programme auf, die für die Übersetzer zunächst eine große Arbeitserleichterung darstellen sollten. „CAT-Tools“ in Form von Translation Memory-Software schienen das Gebot der Stunde.

Wie das Übersetzungswerkzeug im neuen Jahrtausend zum double-edged tool wurde

Ein zweischneidiges Schwert spaltete von nun an nach und nach die Übersetzergemeinde – demographisch und kaufmännisch. Während die Mehrheit der Übersetzer darüber erfreut war, sich nicht mehr nur auf das eigene Gedächtnis verlassen zu müssen und dadurch Zeit zu gewinnen, die sie bisher für die Suche in ihrem Archiv nach bestimmten Textabschnitten, internen Firmenfachterminologien oder Formulierungen aufgewendet hatten, blickten einige mit Zurückhaltung und Misstrauen auf die neuen Arbeitshelfer. Tatsächlich sind die Pflege der Datenbanken oder die Vorbereitung von Dateiformaten auf den zweiten Blick nicht viel weniger zeitraubend als die bisherigen Prozesse; bereits übertragene Sätze können je nach Kontext nicht blind übernommen werden, wie die Werbung es versprach, sondern müssen ohnehin per Hand angepasst und redigiert werden; die benötigten materiellen und finanziellen Ressourcen sind erheblich. Erfahrene Übersetzer vor allem monierten, dass dadurch die Qualität von Übersetzungen zu sinken drohe, wenn nicht eine sehr beachtliche Mehrarbeit investiert würde, für die kein geldwerter Ausgleich angeboten würde.

Licht und Schatten: CAT-Tools im Dienste der Internationalisierung und Globalisierung

Wie immer im Leben haben Medaillen und Werkzeuge immer zwei Seiten.

CAT-Tools sind ein Segen für den Übersetzungskunden im B2B

Für Geschäftskunden sind CAT-Tools ein Segen: Sie bekommen ihre Übersetzungen schneller; sie können sicher sein, dass ihre Fachterminologie in allen Texten beachtet und systematisch verwendet wurde; sie sparen Geld, denn zu einem früheren Zeitpunkt bereits bearbeitete Textteile werden rechnungsmindernd berücksichtigt; sie können ihre Übersetzungsbudgets besser steuern, da die Berechnung oft nach der Wortzahl des Ausgangstextes erfolgt und Kostenvoranschläge in vielen Fällen überflüssig macht. Es ist Dienstleistung in Vollendung.

Es ist nicht alles Gold …

Vereinfacht ausgedrückt: Die Vorstellung auf der Bühne der Übersetzung wirkt müheloser und ist sehr viel kundenorientierter, effizienter und perfekter geworden. Dies ist nicht zu bestreiten, und Künstliche Intelligenz hat daran einen großen Anteil.
Wie im Theater oder im Ballett auch steckt hinter dieser Leichtigkeit allerdings eine große Menge sehr harter Arbeit … die hinter den Kulissen geschieht, sie wird nicht gesehen, und somit auch nicht (mehr) entlohnt wird. Es ist kein Geheimnis, dass sich die Übersetzungshonorare im deutschen Sprachraum in den letzten zehn Jahren halbiert haben. Die Übersetzer müssen also, um ihre Existenz zu sichern, mehr Kunden finden und Aufträge annehmen, während ihre Leistung immer kleiner geredet wird.
Diese brancheninterne Situation bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass der Kunde mehr denn je wirklich sicher sein muss, dass er es mit einem zuverlässigen, kompromisslos seriösen Übersetzungspartner zu tun hat, der bereit ist, trotz nicht mehr uneingeschränkt blühender Arbeitslandschaft höchste Qualität zu liefern. Ein Übersetzer, der nicht die Meinung vertritt, er müsse nur das tun, wofür er tatsächlich bezahlt würde, sondern von sich aus willens ist, zusammen mit dem Kunden die sogenannte Extrameile zu gehen, der sich dem Erfolg des Kunden verpflichtet fühlt.

In unserem nächsten Blogartikel im Februar werden wir Ihnen daher genau erklären, woran Sie eine gute Übersetzungsagentur und ein seriöses Geschäftsgebaren in der Übersetzungsbranche erkennen können.

Bei allen Vor- und Nachteilen: Natürlich tragen CAT-Tools auf sehr wirksame Weise zur Internationalisierung und zur Globalisierung bei, denn sie unterstützen einen in Corporate Language und Corporate Wording einheitlichen internationalen Auftritt. Damit sind sie allerdings nicht mehr allein.

Internationalisierung auf Knopfdruck – ein Traum der 2010er Jahre?

Automatische Übersetzung und neuronale automatische Übersetzung sind die neuen Stichwörter der letzten Jahre und lassen das Thema CAT-Tools beinahe obsolet erscheinen: Ist es möglich, ganz ohne Übersetzer auszukommen? Auf allgemein (sogar mitunter kostenfrei) verfügbare Software zurückzugreifen und Texte ganz ohne den Menschen zu übersetzen? Kann KI Sprachstrukturen mittlerweile so gut erkennen und in eine andere Sprache übertragen, dass MI entbehrlich ist?
Eine Antwort auf diese Frage kann nur seriös sein, wenn sie absolut objektiv ist – und wir haben sie an anderer Stelle in diesem Blog gegeben.

Grenzen der KI im internationalen Geschäft: Suchmaschinen verweigern die Globalisierung

Alle Kontinente sind einen Tastenklick entfernt

Das Internet als Netzwerk verbindet uns mit der ganzen Welt. Die Grenzen unserer Mikrokosmen und Universen scheinen verschwunden. Europa feiert nicht nur Thanksgiving und Halloween, sondern auch Black Friday und Cyberweek. Unsere Geschäftspartner müssen sich nicht mehr zu uns bemühen, Videokonferenzen ermöglichen die simultane Unterzeichnung von Verträgen über Tausende von Kilometern hinweg. Ob dies eher kritisch oder als beispielloser Fortschritt zu betrachten ist, spielt keine Rolle: Es ist die Realität, in der wir leben.
Doch wie international ist diese Realität wirklich? Wie nah sind unsere Geschäftspartner wirklich?

Ernüchternde Erkenntnis: KI versteht die Globalisierung nicht

Im internationalen Geschäft – und dies betrifft gleichermaßen das B2B und das B2C – zeigt sich, dass wir nicht annähernd so weit gekommen sind, wie wir es glauben möchten. Einige Fakten machen deutlich, dass KI Internationalisierung und Globalisierung weniger fördert als behindert.

Regionale Werkzeuge täuschen die große weite Welt vor

Suchmaschinen etwa sind entgegen der geläufigen Meinung keineswegs global ausgerichtet. Die in Europa bekannteste von ihnen ist in Asien oder Russland kein Wirtschaftsfaktor, was die Automatisierung von SEO-Arbeit zunichtemachen kann.

Des Weiteren zeigen die sogenannten „Filterblasen“, wie regelrecht provinziell Künstliche Intelligenz sein kann: Grundsätzlich werden bei der organischen Suche nur Ergebnisse aus der eigenen geografischen Zone angezeigt, auch wenn die Frage in einer Fremdsprache formuliert und in Anführungsstriche gesetzt wird. Um dies zu umgehen, müssen sowohl die Zielsprache als auch das Zielland unter „Einstellungen“ speziell angekreuzt werden.
Bei diesem Schritt wiederum sind die Optionen begrenzt. Es ist nicht möglich, nach Zulieferern in allen französischsprachigen Ländern oder im gesamten hispanischen Bereich zu suchen oder mehrere Länder gleichzeitig auszuwählen. Diese Parameter müssen außerdem nach einem Sitzungsabbruch (also Schließen der Suchmaschine) neu eingegeben werden. Suchmaschinen gehen davon aus, dass der Nutzer etwas in seiner Nähe finden möchte. Die Welt da draußen bleibt für sie offenbar fern und fremd.

Social Media – liken und versinken

Gleiches ist beispielsweise auf Twitter zu beobachten. Wurde zwei oder drei Konten etwa von englischen Kulturinstitutionen gefolgt, schlägt Twitter in der Spalte „Wem folgen?“ konsequent ausschließlich Nutzer aus Großbritannien vor. Auf die Idee, dass das Interesse vielleicht dem Thema in aller Welt und nicht dem geographischen Bereich gilt, kommt das System keine Sekunde – Internationalisierung und Globalisierung … Fehlanzeige.

Andere Denkmuster sind nicht vorgesehen, und hier enthüllt KI genau die Unflexibilität und den Gespürmangel, die sie zum heutigen Stand der Technik je nach Textkategorie und Anspruch noch immer zum Übersetzer dritter, vierter und fünfter Klasse degradiert.

Künstliche Intelligenz spielt in der Globalisierung dahingehend eine Rolle, dass sie den Business-Akteuren mitunter eine schnellere, effizientere und stimmigere Umsetzung der Internationalisierungsstrategie eröffnen kann. Sie bleibt allerdings ein Werkzeug, das die Menschenhand noch braucht, und ist noch sehr weit davon entfernt, uns die Welt objektiv und kulturell angemessen zu Füßen zu legen oder Internationalität selbst und autonom zu gestalten.
Ob Chancen oder Grenzen überwiegen, könnte Gegenstand langer Diskussionen sein.

Gerne laden wir Sie dazu ein, uns Ihre Meinung zu diesem Artikel und zu den zwei Seiten der KI im internationalen Geschäft zukommen zu lassen, die wir gern unter Einhaltung eines strengen und nach Ihren Vorstellungen steuerbaren Datenschutzes in diesem Blog veröffentlichen, wenn Sie es wünschen.

Foto: @canva