Übersetzungsprogramme im Jahr 2021

Übersetzungen von Texten jeglicher Art in alle erdenklichen Sprachen per Mausklick – ganz einfach, ratzfatz, sekundenschnell und im besten Fall absolut kostenlos. So sähe – wir verwenden absichtlich den Konjunktiv  – das linguistische Schlaraffenland im Jahr 2021 aus. Einfach an der Wunderlampe, die GoogleTranslate, Microsoft Translator oder Deepl heißt, kurz reiben und schon ist der menschliche Übersetzer, der leider in der Vergangenheit Geld kostete, überflüssig.

Eine herrliche, sehr verlockende Vorstellung: Die Übersetzung von Websites, Verträgen, Marketingbroschüren, der moderne Übersetzungs-Aladin erledigt alles schnell und unkompliziert, er stellt keine lästigen Fragen nach Kontext oder Zielgruppe und macht den menschlichen Übersetzer schlagartig zum Fossil, zum Überbleibsel aus einer anderen Zeit, als Fotos noch schwarz-weiß waren.

Ganz so ist es nicht, denn der Schein der Lampe trügt …

Die derzeit meistgenutzten Übersetzungsprogramme, die kostenlos im Web oder auch als App zur Verfügung stehen, sind:

  1. Microsoft Translator

Bereits im Jahr 2000 wurde die erste Version dieses maschinellen Übersetzungssystems aus der für Microsoft Word entwickelten Grammatikkorrektur weiterentwickelt. Zunächst rein datengesteuert wurde 2018 ein Update eingeführt: die neue Version basiert auf neuronalem maschinellen Lernen, umfasst eine Transliteration (buchstabengetreue Umschrift von zum Beispiel cyrillischer Schrift in lateinische Schrift) und ein integriertes zweisprachiges Wörterbuch, das ermöglicht, einzelne Wörter nachzuschlagen und alternative Übersetzungen zu finden.

  1. Google Translate

Das wohl bekannteste Übersetzungstool wurde 2006 online gestellt. Waren es zunächst nur einzelne Wörter, sind es dank neuronaler Netzwerke seit 2016 in vielen Sprachen ganze Sätze, die erfasst und übersetzt werden. Mittlerweile sind 108 Sprachen verfügbar, als letztes sind die Sprachen Kinyarwanda (Ruanda), Odia (Indien), Tatar, Turkmenisch und Uigurisch hinzugekommen. Auch die Übersetzung von Bildern in Echtzeit ist in der App-Version verfügbar.

  1. DeepL

Der jüngste Onlineübersetzungsdienst der Deepl GmbH in Köln, der seit 2017 ins Netz gestellt wurde. Derzeit – und das erst seit kurzem – kann Deepl in 24 Sprachen übersetzen: Zunächst waren es Chinesisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Niederländisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch und Spanisch. Jetzt sind weitere 13 neue Sprachen hinzugekommen, nämlich: Bulgarisch, Dänisch, Estnisch, Finnisch, Griechisch, Lettisch, Litauisch, Rumänisch, Schwedisch, Slowakisch, Slowenisch, Tschechisch und Ungarisch. Nicht nur die Eingabe von Textzeilen, sondern auch komplette .docx- oder pptx.- Dateien können eingelesen und übersetzt werden. In der Gratisversion ist die Zeichenanzahl auf 5.000 Zeichen beschränkt, die Übersetzung längerer Texte ist kostenpflichtig. Die Ergebnisse, basierend auf DEEP Learning, sind beeindruckend und werden im Vergleich zu anderen Übersetzungsprogrammen gar als Revolution in der Sprachübersetzung gehandelt.

Die Frage des Datenschutzes

Den genannten Übersetzungsprogrammen ist gemeinsam, dass Nutzer die Möglichkeit haben, die vorgeschlagenen Übersetzungen online zu korrigieren und neue, bessere Übersetzungen einzugeben. Diese Funktion soll dazu dienen, die Qualität der automatischen Übersetzung zu erhöhen, indem die Korrekturvorschläge vom Programm übernommen und für zukünftige Übersetzungen eingespeichert werden. Damit sind aber auch alle Verbesserungen und kreativen Ideen zum Allgemeingut geworden. Zudem ist bei der Eingabe eines Textes in ein Gratis-Online-Übersetzungstool kein Datenschutz mehr gegeben, all die eingegebenen Texte sind mehr oder weniger öffentlich, ab dem Zeitpunkt an dem sie in den Browser hochgeladen werden. Aus diesem Grund blockieren viele Unternehmen ihren Mitarbeitern die Verwendung öffentlicher Übersetzungsprogramme und viele Übersetzungsagenturen untersagen es ihren Freelancer-Übersetzern.

Die Tücken der maschinellen Übersetzung

Automatisierte, maschinelle Übersetzung, es klingt so einfach: Nur den Text der Ausgangssprache in die entsprechende Spalte des Übersetzungstools eingeben und es erscheint in Sekundenschnelle, Simsalabim, die Übersetzung in der gewünschten Zielsprache. Die Wunderlampe funktioniert auf den ersten Blick absolut perfekt, es liest sich durchaus brauchbar und im besten Falle flüssig, in manchen Fällen richtig geschmeidig. Doch abhängig von der gewünschten Sprachkombination sehen die Ergebnisse qualitativ sehr unterschiedlich aus. Oftmals jedoch tanzt der Sprachfehlerteufel wahre Freudentänze: Er pfeift auf Kontext und die daraus resultierenden Bedeutungen, und freut sich, dass man ihn trotz der ach so schlauen Künstlichen Intelligenz nicht erwischt hat.

Sprachteufelchen - Übersetzungsprogramm

Sprache besteht aus Worten mit Mehrfach-Bedeutungen

Denken wir im Deutschen an das klassische Beispiel des Schlosses, es bietet viel Spielraum für den Sprachteufel, entweder er ist im Schlüsselloch gefangen oder er tanzt im Ballsaal. Auch hat er eine besondere Vorliebe für die Groß- und Kleinschreibung, diese gibt ihm immer wieder Gelegenheit zu wahren Freudensprüngen. Und der kleine Teufel bleibt, weil das so seine Natur ist, im Detail sitzen, er schaut nicht über einen Satz hinaus. Wie sollte er auch?

Oftmals erntet er mit seinen diabolischen Stilblüten auf Speisekarten, Schildern und Plakaten auf Facebook, Twitter oder Instagram enorme Aufmerksamkeit und im besten Falle Lacher. So kommt die Entführung als ‚duck leadership‘ oder die Barzahlung als ‚night club payment‘ daher. Wir haben in einem anderen Artikel schon einmal darüber geschrieben, wie wichtig der Kontext für eine Übersetzung ist. Es ist ein bisschen ähnlich wie der traditionelle Umgang mit Wörterbüchern vor vielen Jahren: Auch da musste man, wenn man seine übersetzerische Aufgabe ernst nahm, den ganzen Textabschnitt und die unterschiedlichen Verwendungsweisen eines Wortes im Kontext lesen, genau abwägen, um es für die ‚richtige‘ Übersetzung in diesem bestimmten Kontext zu prüfen. Und das konnte man nur mit einer gewissen Basis an Sprachkenntnis.

Übersetzungsprogramme und ihre Handhabung

Ein faszinierendes Werkzeug, dessen Verwendung allerdings nicht mit warnenden Aufklebern versehen ist, wie das bei jedem Akkuschrauber der Fall ist. Aladins Wunderlampe in den Händen von Laien kann, wie wir als professionelle Übersetzer wissen, zu zahlreichen unerwünschten Nebenwirkungen führen, im besten Fall ist es ein Lacher auf Social Media, im schlimmsten Fall verlieren Sie Ihren Kunden oder verursachen gar einen Schaden.

Übersetzungsprogramme sind im Jahr 2021 ein enorm hilfreiches Werkzeug in mannigfaltigen Bereichen und für viele Zwecke durchaus ausreichend und sinnvoll. Aber auch heute noch ist bei der Übersetzung von anspruchsvollen, sensiblen Fachtexten, ebenso wie im Marketingbereich, oder für juristische, beglaubigte Übersetzungen, die Handarbeit bei der Übersetzung durch einen menschlichen Fachübersetzer ein Investment, das sich in jedem Falle lohnt.

Sprache ist in ihrer Komplexität bei allem Fortschritt der Künstlichen Intelligenz [noch nicht] in allen Facetten erfassbar. Und sie wird es mancher Hoffnung zum Trotz auch in absehbarer Zeit nicht sein. Differenziertes Sprachgefühl, landeskundliche Skills und stilistischer Feinschliff liegen noch immer in den Händen und Köpfen von Übersetzern.

Übersetzungsprogramme sind großartig – das steht außer Frage. Die Wunderlampe des Aladin sind sie [derzeit noch] nicht.

Lesen Sie weiterführend das Interview mit dem Computerlinguisten Samuel Läubli, der zusammenfasst: „Egal was noch passieren wird, Maschinen werden nie zu Menschen werden – und Menschen auch nicht zu Maschinen.“

https://www.looren.net/de/blog/klar-kann-ein-maschinelles-uebersetzungssystem-lyrik-uebersetzen

Zur besseren Lesbarkeit wurde in diesem Artikel das generische Maskulinum verwendet, selbstverständlich sind alle Geschlechter miteingeschlossen.

Foto: @canva.com