Post-Editing

In unserem letzten Blogartikel haben wir erläutert, was Post-Editing bedeutet, und wir haben die derzeitigen Tücken und Fehlerquellen grob umrissen. Der Schlüsselbegriff ist hier allerdings „derzeitig“, denn wie sich die maschinell neuronalen Übersetzungsprogramme in den nächsten Jahren weiterentwickeln werden und was dies für diese Art der Übersetzungsbearbeitung bedeuten kann, muss abgewartet werden. Die Technologie ändert sich rasant – und mit ihr die Aufgaben von Übersetzern und Übersetzungsagenturen.

State-of-the-art möchten wir Ihnen daher nun aufzeigen, in welchen Bereichen Post-Editing mit den heutigen Übersetzungs-Tools durchaus sinnvoll und für Sie als Kunden auch kostensparend ist.

Ab wann bedeutet maschinelle Übersetzung plus Post-Editing einen Vorteil für den Kunden?

⇒ Wenn Sie nur wissen wollen, was drinsteht

Durchaus berechtigt, Sie benötigen eine reine Informationsübersetzung. Sie haben den Text in das entsprechende Übersetzungstool kopiert und stellen fest, dass einige Ungereimtheiten und Verständnislücken bleiben. Im besten Fall beherrschen Sie die Zielsprache auf einem gewissen Niveau und wissen, worum es geht, aber das ein oder andere sollte abgeklärt werden. Es geht zum Beispiel um eine erste Orientierung: Ist der neue Kontakt wirklich geschäftlich interessant oder kann ich mir die Mühe sparen? Dann reicht ein Post-Editing und Sie wissen, wie es weiter gehen könnte und Sie können nach einem kurzen Briefing entscheiden und aussortieren.

⇒ Bei großen, wirklich großen Textmengen

Der Katalog, der Internetauftritt mit tausenden Produkten soll innerhalb kürzester Zeit online gehen, Termindruck auf allen Ebenen. Zudem wird an den Produktbeschreibungen der letzten Jahre nur geringfügig etwas geändert, Liefertermine werden aktualisiert, aber grundsätzlich bleibt der Inhalt bis auf ein paar Umformulierungen und Musteränderungen gleich. Die Abbildungen stehen im Vordergrund, der Kunde schaut in erster Linie mit dem Auge und erst in zweiter Linie liest er die Produktbeschreibungen. Ob dann Polyester oder Cashmere, Acryl oder Alpaka, die einzelnen Bestandteile Duden-konform richtig geschrieben sind oder nicht, ist erst einmal für den Leser nicht so wichtig.

⇒ Wenn die Zeit davonläuft

Und hier sind wir wieder bei der Masse: Sie haben viel, sehr viel zu übersetzen und eine knappe Deadline. Ein Team von Übersetzern zusammenstellen, ja, das wäre gut, aber es bleibt keine Zeit. Die Maschine ist schneller und Sie denken, wir können ja anschließend noch sichten und kontrollieren, bei welchen Passagen eine Nachbesserung unbedingt notwendig ist. In Frankreich hat man dafür die wunderbare Redewendung: ‚A la guerre comme à la guerre‘ – was so viel heißt wie: ‚Wir machen es der Nähe nach, passen wir uns den Umständen an.‘ Die Machart, das Handling, die Ausführung, ist der Situation verpflichtet. Jeder wird es verstehen und es ist vollkommen gerechtfertigt, das sagen selbst wir als Sprachprofis.

⇒ Kein Geld oder sehr geringes Budget

Na ja, dieses Argument lassen wir nicht unumstritten gelten. Professionelle Übersetzungen kosten Geld, Post-Editing auch. Hinzu kommt, dass die Qualität des Ergebnisses beim Post-Editing ad hoc nicht messbar ist, die Akzeptanzschwelle kann individuell von einer Person zur anderen sehr unterschiedlich sein. Der eine Kunde sagt über den posteditierten Text ‚das reicht schon so, klingt ganz ordentlich‘ und ein anderer Kunde urteilt ‚mir kommt das alles spanisch vor‘. Wieviel Nachbesserung dann noch nötig ist, lässt sich zeit- und kostenmäßig schwer abschätzen.

Immer sollte man das Ziel im Auge behalten – wollen wir den Mantel nur für ein Event tragen oder soll er über mehrere Winter hinweg warmhalten?

Schwierigkeiten bei der Kalkulation von Post-Editing-Aufträgen

Während die Fortschritte der maschinellen Übersetzungen allseits euphorisch gelobt und bejubelt werden, findet die Arbeit der Post-Editoren nur kaum wertschätzende Erwähnungen. Dieser wichtige Arbeitsschritt zur Fehlerbehebung, zur Anpassung und Glättung eines Textes genießt bislang noch wenig Reputation, obwohl er hohes sprachliches Können, Konzentration und geradezu detektivische Fähigkeiten erfordert, auch eine enorme Schnelligkeit wird selbstredend vorausgesetzt. Die übliche Kalkulation in der Übersetzungsbranche basiert auf der Wort- oder Zeilenberechnung, beim Post-Editing birgt diese Berechnungsform jedoch große Tücken. Ist der maschinelle Output mit wenigen, gezielten Korrekturen für den Auftraggeber brauchbar oder müssen ganze Passagen neu übersetzt werden? Muss ein direkter Vergleich mit dem Ausgangstext durchgeführt werden, um inhaltliche Ungereimtheiten zu prüfen und zu adaptieren? Der zeitliche Aufwand ist oft erst im Zuge der Bearbeitung zu evaluieren, daher ist eine Vergütung nach Stunden zu empfehlen, der Kostenvoranschlag kann zunächst nur der Orientierung dienen. Bei einer längerfristigen Zusammenarbeit, unter Einsatz der immer gleichen Übersetzungs-Engine und in Kombination mit einer aktuellen, immer wieder gepflegten Translation Memory lässt sich jedoch auch in diesem Bereich eine skalierbare Kostenschätzung erzielen.

Maschinelle Übersetzung plus Post-Editing kann durchaus sinnvoll sein, je nachdem, wofür Sie die Übersetzungen verwenden wollen.

Zur besseren Lesbarkeit wurde in diesem Artikel das generische Maskulinum verwendet, selbstverständlich sind alle Geschlechter miteingeschlossen.