Blumige Sprache Übersetzungsbüro eurolanguage

Es ist Valentinstag. Dieser Tag polarisiert.

Die einen verachten ihn als unerfreulichen Auswuchs hemmungsloser Kommerzialisierung und unkritischer Übernahme unnötiger amerikanischer Traditionen, die anderen sehnen ihn herbei und feiern überschwänglich ihre Zweisamkeit; weitere wiederum bezweifeln, ob sie das Richtige tun werden und ob dies überhaupt möglich ist. Schließlich wird es für einige die Gelegenheit sein, ihre Bildung wortreich zu demonstrieren und ihrer vermutlich gar nicht so aufmerksamkeitswilligen Umgebung die ganze Geschichte eines Römers namens Valentinus zu erzählen, der der Heilige Valentin werden sollte. Feiern oder nicht feiern, das ist hier die Frage. Wie auch immer: Liebe ist in der Luft, Karten und Pralinen werden gekauft, verschickt, überreicht … In Comics und Cartoons florieren nun von kandierten Früchten umrandete Sprechblasen. Doch die wichtigste Sprache dieses Tages ist diejenige der Blumen.

Sind Blumen die besseren Übersetzer?

Botschaften in Worte zu kleiden – erst recht, wenn es um Gefühle geht – fällt nicht jedem leicht. Schließlich sollen sie nicht zu kitschig sein und auf keinen Fall dürfen sie peinlich werden. Es muss genug gesagt werden, aber nicht zu viel. Gewisse Dinge sollen ausgedrückt werden, aber maßvoll und angemessen, und so, wie die geliebte Person es sich wünscht. Richtig verstanden zu werden, ist wichtig.
Übersetzern kommen diese Vorgaben bekannt vor, sind doch Inhalt, Stil und Zielgruppe ihr ganzes Dasein …
Aber heute werden sie nicht gebraucht: Blumen werden ihre Aufgabe übernehmen.
Rote Rosen werden von Leidenschaft dichten, zarte Sträußchen und helle Frühlingsblüten den schüchternen, unsicheren oder heimlichen Bewunderern die schwierige Aufgabe abnehmen, überdimensionale Gestecke werden um eine zweite Chance flehen, und unverfängliche Primelchen oder Topfhyazinthen den goldenen Mittelweg gespielter Unbeteiligtheit zwischen Freundschaft und mehr öffnen.

Warum Übersetzer auf Blumen nicht immer gut zu sprechen sind

Dass am Valentinstag Blumen die Tätigkeit des Übersetzers überflüssig zu machen drohen, sieht man in unserer Branche eher gelassen. Darüber besteht Konsens.
Nicht ganz so einstimmig fällt das Urteil, wenn es um Texte geht.
Tatsächlich kann es durchaus vorkommen, dass ein Übersetzer einen Auftrag mit der Begründung ablehnt, der Text sei ihm „zu blumig“.

Doch was bedeutet das?

Wann ist ein Text „blumig“?

Es gibt drei Arten von „blumigen“ Texten.

Dichtung kann mitunter als blumig bezeichnet werden, wenn sie sich besonders adjektiv- und assoziationsreich und damit opulent und bildhaft gibt.

Aber auch Texte, die keinerlei literarischen Anspruch haben, können als „blumig“, ja „zu blumig“ empfunden werden. Gemeint ist zumeist, dass sie, wie ein zu schweres blumiges Parfüm eben, schwülstig und überladen wirken. Hier muss zwischen objektiver Textrezeption und subjektiver Textbeurteilung unterschieden werden.

Affektiertheit und Preziosität können ein gewolltes Stilmittel und eine Stilabsicht sein. Dies ist in einigen Fach- und Textbereichen durchaus der Fall. In der geschäftlichen Korrespondenz wiederum muss der textpsychologische Faktor hinterfragt werden: Eine manierierte Ausdrucksweise kann als Einschüchterung und demonstrative, ja theatralische Überheblichkeit eingesetzt werden und muss dann auch als Teil der Botschaft in der Zielsprache sorgsam erhalten bleiben.
In der privaten Korrespondenz kann eine gezierte Sprache schlicht Ausdruck der Persönlichkeit des Autors sein und somit ein Stück Authentizität, persönliches Statement oder ein wichtiges Charaktermerkmal darstellen.

Selbstverständlich kann ein gewundener und umständlicher Stil Symptom stilistischen Unvermögens sein.

Oft jedoch sind „blumige“ Texte einfach floskelüberladene oder jargonhafte Texte, bei denen die Diskrepanz zwischen einem übermäßig komplizierten Schreibstil und einem quantitativ und qualitativ recht übersichtlichen Inhalt allzu auffällig ist. Es kann sich um Texte aus Fachbereichen handeln, die sich immer einer sehr unnötig künstlichen Sprache bedienen, um einen Stilmangel, oder um den gezielten, wenn auch wenig geschickten Versuch, einer sehr dünnen Materie etwas mehr Konsistenz zu verleihen.

Wenn aus Blumen keine Liebe wird …

Grundsätzlich sollte ein guter Übersetzer in der Lage sein, jede Art von Text in seinem Fachgebiet zu übersetzen. Auch eine blumenreiche Sprache und eine affektierte Ausdrucksweise muss er stilistisch umsetzen können, und dies ist auch unbedingt notwendig, wenn in privaten, literarischen Texten oder Korrespondenz der vermeintliche Stilmangel Absicht, Charakterzug oder Symptom ist. Diese Wandelbarkeit gehört zu den fundamentalen stilistischen Fähigkeiten, die Kunde und Agentur von ihm erwarten dürfen.
Ebenso muss eine gute Agentur für diese eher schwierigen Texte den passenden Übersetzer zu vermitteln wissen, der einer solchen Aufgabe gewachsen ist bzw. sie sogar bevorzugt übernimmt.

Wenn ein Übersetzer aber einen Auftrag mit der Begründung ablehnt, der Ausgangstext sei ihm zu blumig, meint er in der Regel etwas anderes.

Soll der Zieltext zum Beispiel im Marketing verwendet werden, ist die Übernahme von stilistischen Schwächen nicht wünschenswert. Natürlich obliegt es dem Übersetzer, den Text bis zu einem gewissen Grad zu adaptieren, aber eben da liegt das Problem: Ist der Text allzu gekünstelt oder so umständlich geschrieben, dass er nicht mehr immer eindeutig verständlich ist, wird diese Adaption nicht ohne Weiteres möglich sein. Schlimmstenfalls klingt der Text so unnatürlich, dass sich der Sinn nicht mehr flüssig erschließt und Tausende von Rückfragen nötig wären, um daraus eine übersetzbare Grundlage zu machen. Es ist dann durchaus sinnvoll, mit dem Kunden Rücksprache zu halten und über die Möglichkeit einer Komplettredaktion des Ausgangstextes zu sprechen. Dies gilt auch, wenn eine jargonbetonte Corporate Language die Übertragung der Corporate Identity in bestimmte Zielländer unmöglich macht, weil diese Sprachebene abschreckend und somit kontraproduktiv wäre.

Und doch: Jeder Mensch liebt Blumen, und wir in der Übersetzungsbranche sind keine Ausnahme. Wenn uns ein zufriedener Kunde nach einem gemeinsamen Projekt als Dank einen Blumenstrauß zukommen lässt, dann freut uns das unendlich – und wir fühlen uns regelrecht wie am Valentinstag. Aber das ist eine andere Geschichte …

Übrigens übersetzen wir auch gern Ihre Liebesbriefe, denn Liebe kennt keine (Sprach)Grenzen. Heirats- und Geburtsurkunden übersetzen wir auch ;-)

Foto: www.unsplash.com