…von Gemeinplätzen und falschen Vorstellungen im Übersetzungsauftrag.

Es ist ein Gemeinplatz: In der internationalen Kommunikation sind es die inneren Werte, die zählen. Ein gut übersetzter Text, der der Zielgruppe kulturell und sprachlich entspricht und sie in Inhalt und Form anspricht, ist alles, was man braucht, scheint es. Doch in einigen Fällen bleibt es nicht so einfach, und die Länge spielt in Wirklichkeit eine erhebliche Rolle.

Die Wurzel des Problems? Eine weitere Binsenweisheit! Sprache ist nicht Sprache.

Jede hat neben den offensichtlichen Merkmalen wie Wortschatz und Grammatik auch ihren eigenen Charakter. Manche Sprachen können mit sehr wenigen Wörtern ausdrücken, wofür andere mehrere Zeilen benötigen. Dies ist nicht nur ein Faktor bei der Berechnung der Kosten einer Übersetzung, sondern ist auch für die Arbeit des Übersetzers und die Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber relevant und zuweilen sogar entscheidend.

Wann es auf die Länge ankommt: Software, Datenbanken, Layouts

Einige Texte, die zur Übersetzung in Auftrag gegeben werden, sollen in einem sehr eng festgelegten Rahmen verwendet werden.
Das ist zum Beispiel für die Übersetzung von Bildschirm-Masken der Fall.
Verwaltungs- und Buchhaltungsprogramme, Warenbestandssoftware, aber auch SPS-Programme, Eingabefelder, Formulare, ob online oder analog, müssen in ein „Korsett“ gepresst werden können: Der Raum, der für die Beschriftung von Feldern und Spaltenüberschriften zur Verfügung steht, ist durch die Bildschirmgröße und die Anordnung, die die Informationen haben müssen, um eine logische und zeitsparende Bearbeitung zu ermöglichen, begrenzt, und das ist nicht zu ändern.
Des Weiteren kann eine – mitunter überzogen ausgelegte – Auffassung des Begriffs der Corporate Identity für diese Problematik verantwortlich sein, wenn zum Beispiel das Layout einer Publikation sprachenunabhängig identisch sein soll – der Text aber bereits in der kürzeren Sprache den Platz vollständig ausfüllt.

Was dies für die Übersetzungsarbeit bedeutet

Für die Übertragung von Bildschirm- und Eingabemasken oder Buchhaltungstabellen haben sich zum Teil gängige Abkürzungen oder die Verwendung englischer oder internationaler Begriffe eingebürgert, zum Teil muss der Übersetzer aber in Handarbeit seinen Text der Schablone anpassen.
Es ist eine durchaus schwierige und zeitraubende Arbeit.
Der Übersetzer muss in vier Schritten vorgehen: die zur Verfügung stehende Zeichenzahl ermitteln, den Text übersetzen, die Zeichenzahl seiner Übersetzung ermitteln, seinen Text ggfs. kürzen und anpassen, so dass er auch in der kürzesten Form eindeutig verständlich bleibt – und sollte dies nicht möglich sein, Rücksprache mit dem Kunden halten und mit ihm gemeinsam einen Lösungsweg entwickeln.

Lösungsansätze für ein schnelleres, kostengünstigeres und gelungeneres Ergebnis

Wenn es auf die Länge ankommt, ist es hilfreich, dem Übersetzer vorab zu sagen, wie viel Platz ihm für seinen Zieltext zur Verfügung steht. So wird ihm viel Aufwand für das mühsame Abzählen von Zeichen erspart, und er kann sich auf die tatsächliche Aufgabe konzentrieren. Für den Kunden bedeutet es wiederum eine schnellere und preiswertere Lieferung, denn ein umständlicher und bei guter Vorbereitung genau genommen überflüssiger Arbeitsschritt entfällt.
Soll der Text einer Firmenzeitschrift etwa in allen Konzernsprachen einem identischen Layout folgen, sind Zugeständnisse sinnvoll: Wenn das Layout als in keiner Weise verhandelbar betrachtet wird, sollte der Auftraggeber vorschlagen, an welchen Stellen notfalls gekürzt werden dürfte oder auf welche Inhalte er zu verzichten eher bereit ist, damit diese Quadratur des Kreises erreicht werden kann. Ein anderer Ansatz ist es, vorsorglich genügend Raum freizulassen, damit sich längere Sprachen ohne Einbußen entfalten können. Auch eine minimale, mit dem bloßen Auge nicht einmal wahrnehmbare Änderung der Schriftgröße oder des Zeilen- und Wortabstands durch den Setzer kann Wunder wirken.

Außerdem sollte bewusst bleiben, was Corporate Identity bedeutet:

Wenn in einer Mitarbeiterzeitschrift für eine Sprache eine Überschrift um einen halben Punkt verkleinert werden muss, stellt dies weder das Grundformat, noch die typischen Farben und Fonts des Unternehmens in Frage – erst recht nicht die Corporate Identity im Sinne einer bedingungslosen Wiedererkennbarkeit und eindeutigen, international gültigen Darstellung des Brandings.
Eine schlechte Idee ist es wiederum, den Übersetzer mit der eigenmächtigen Kürzung des Textes zu beauftragen und sich desinteressiert von der Längenproblematik abzuwenden. Dies kostet Zeit, muss in Rechnung gestellt werden, und es besteht die Gefahr, dass Übersetzer und Kunden durch ein unterschiedliches Empfinden nicht einer Meinung sind, was Entbehrliches und Streichbares betrifft.

Selbstverständlich ist die starre Anpassung eines Textes an eine bestimmte Länge nie der Idealfall der Übersetzungsarbeit.

Mit einer systematischen Vorbereitung des Übersetzungsauftrags und einem konstruktiven Dialog aber kann diese Problematik so behandelt werden, dass dennoch nichts der Perfektion der Übersetzung im Wege steht und – wie im Leben – auch Länge und innere Werte so ideal harmonieren, wie sie es sollten.

Bild: Unsplash.com – Oli Dale – Thank You – Merci – Gracias – Grazie

3 einfache Wege für mehr Effizienz im Übersetzungsauftrag.

Übersetzungen werden oft als notwendiges Übel betrachtet: Sie kosten Geld, Zeit, zuweilen auch Nerven – ein Grund mehr, sich über Mittel und Wege Gedanken zu machen, um sie effizienter zu gestalten. In unserem letzten Blogeintrag haben wir bereits die verschiedenen Elemente angesprochen, die für einen gelungenen Übersetzungsauftrag unerlässlich sind und qualitativ eine entscheidende Rolle spielen. Neben diesen „Zutaten“ gibt es aber auch eine Reihe weiterer nützlicher Routinen und Utensilien, die den Arbeitsvorgang deutlich vereinfachen und beschleunigen können.

1. Bevor es zu spät ist: Sprechen kann helfen

Nicht nur Seelsorger und Therapeuten sind dieser Meinung. Der Dialog zwischen Kunden und Agentur im Vorfeld des Auftrags sollte mehr umfassen als die bloße kaufmännische Verständigung über Preis und Lieferzeit. Nicht zuletzt deshalb ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit einer Agentur, die nicht bloß aus einer Internet-Adresse und einem Antwort-Algorithmus zur Berechnung eines Kostenvoranschlags besteht, sondern mit einem persönlichen Ansprechpartner auf Ihre Anforderungen und Bedürfnisse eingehen und Sie im richtigen Augenblick konkret und kompetent beraten kann, ein erster Schritt zu einem gelungenen und effizienten Ergebnis. Die Aufgabe der Agentur ist es nicht nur, den für Ihr Projekt optimalen Übersetzer auszusuchen: Sie übernimmt für Sie in der wichtigen Vorbereitungsphase sozusagen das Denken. Sie teilt Ihnen mit, welches Material Sie in welcher Form und welchem Format zur Verfügung stellen könnten, damit Ihr Text schnell, reibungslos und kostengünstig übersetzt werden kann. Sie nimmt eventuelle Probleme vorweg, die erfahrungsgemäß zu erwarten sein könnten, und trägt so dazu bei, dass sie gar nicht erst entstehen. Es spart Zeit, Geld und Nerven.

2. Bevor die Arbeit beginnt: Datei ist nicht Datei

Dass der Ausgangstext dem Übersetzer als Datei zur Verfügung gestellt wird, ist im 21. Jahrhundert längst eine Selbstverständlichkeit. Doch können Dateityp und -qualität einen großen Einfluss auf die Bearbeitung des Übersetzungsauftrags haben.

Die Datei, die Sie dem Übersetzer zur Verfügung stellen, sollte idealerweise ohne weitere Vorarbeiten überschreibbar sein. Alle Texte, die in einem gängigen Textverarbeitungs- oder Präsentationssystem (.docx, .xlsx, .ppt, .rtf) entstehen, entsprechen diesem Kriterium. Die heutigen Programme, die gemeinhin als CAT-Tools bezeichnet werden, können zudem eine Vielzahl von Dateiformaten wie IDML lesen. Wird der Text aber aus einem anderen Format heraus (etwa aus einer PDF-Datei) in ein Textverarbeitungsprogramm – gewissermaßen gewaltsam – hineinkopiert, ist nur bedingt von einer überschreibbaren Datei die Rede: Verbleiben wie zu Schreibmaschinenzeiten Absatzmarken am Ende einer jeden Zeile und wird der Text- und Schreibfluss so unterbrochen, geht Zeit unnötig verloren – nicht nur für den Übersetzer, sondern auch, wenn Sie in mühevoller Handarbeit den Text wieder in sein ursprüngliches Format zurückbringen müssen.

Gescannte Seiten oder Textfotografien sind wiederum keine überschreibbaren Dateien – sie setzen voraus, dass der Übersetzer anhand eines Ausdrucks arbeitet oder eine Texterkennungs- und -umwandlungssoftware verwendet, um einen überschreibbaren Text zu erhalten. In beiden Fällen bedeutet dies mindestens zwei und oft mehr zusätzliche Arbeitsschritte, die Ihrem Projekt schlicht im Wege stehen.

3. Bevor jemand fragt: Übersetzer haben keine Kristallkugel

Wenn Sie über eine firmenintern festgelegte Terminologie, ein Corporate Wording oder über viele Aktenschränke voller Fachmaterial oder bisheriger Übersetzungen verfügen, teilen Sie es vorab dem Übersetzer mit, denn ahnen oder gar wissen kann er es nicht. Selbstverständlich gehört es zu seinen Aufgaben, alle Rückfragen zu stellen, die für seine Arbeit notwendig sind. Jede Rückfrage aber unterbricht – oft unnötig – den Bearbeitungsprozess und kann schlimmstenfalls die Deadline gefährden. Teilen Sie Agentur und Übersetzer alles mit, was für Ihr Projekt von Bedeutung sein könnte, kann die Arbeit entspannter, schneller und gezielter erfolgen.

Letztlich lässt sich das, was die Effizienz eines Übersetzungsauftrags ausmacht, mit einem einfachen Mittel entscheidend verbessern – das interessanterweise auch inhaltlich jeder Übersetzung innewohnt: Kommunikation. Reden Sie mit Ihrer Übersetzungsagentur. Fragen Sie nach den Formaten, die Ihnen und dem Übersetzer gleichermaßen eine schnelle und einwandfreie Umsetzung ermöglichen. Erzählen Sie von Besonderheiten Ihres Anliegens, Vorgaben und Wünschen. Bringen Sie in Erfahrung, was zu einer optimalen Abwicklung Ihres Projekts beitragen könnte.

Damit Sie Ihre Übersetzungsaufträge künftig als konstruktiven und lohnenden Teil Ihrer Arbeit empfinden, und nicht mehr als lästiges Übel betrachten müssen.

Mit guter Kommunikation zu gutem Gelingen.

Bild: Unsplash.com – Matthew Fournier – Thank You – Merci – Gracias

Auf die Zutaten kommt es an.

Wenn Sie in der Küche stehen und zu einem wichtigen Anlass ein aufwändiges Mahl oder ein kompliziertes Gericht zubereiten wollen und nichts schiefgehen darf, zum Beispiel weil die kritische Erbtante zum Essen kommt oder der Chef seinen Besuch angekündigt hat, kochen Sie nicht ohne Plan und Rezept drauflos. Sie denken ausführlich über eine harmonische Speisenfolge nach, berücksichtigen bei der Auswahl Vorlieben, Abneigungen und Allergien der Gäste, lesen die Rezepte mehrmals durch, stellen eine Zutatenliste zusammen, gehen rechtzeitig einkaufen, um sicherzustellen, dass nichts fehlen wird und alles in der gewünschten Qualität zu bekommen ist. Am Tag X stellen Sie griffbereit hin, was an Utensilien und Gefäßen benötigt wird, schneiden vor und folgen dem Kochbuch.

Diese Routinen, die in der Küche selbstverständlich sind, sind ein gutes Muster, um auch berufliche Projekte und ganz besonders Übersetzungen anzugehen. Soll ein Übersetzungsauftrag reibungslos ablaufen, empfiehlt es sich, genau so systematisch vorzugehen und die wichtigsten Zutaten und Utensilien zur rechten Zeit zu besorgen, vorzubereiten und bereitzustellen.

Hauptgericht des geschäftlichen Mahls ist natürlich der Text.

Ob knackig, zartschmelzend, heiß oder kalt – er sollte vor allem eines sein: fertig. Werden Zutaten während des Kochens beliebig und systemlos hinzugefügt und wieder entzogen, kann der beste Koch, in diesem Falle also der Übersetzer, kein konsequent abgerundetes Gericht zustande bringen. Wenn Fisch urplötzlich durch Fleisch ersetzt wird, kann die Gewürzpalette nicht mehr stimmen. Leiten Sie Ihre Projekte also erst dann an die Übersetzungsagentur, wenn die Texte wirklich abgabefertig sind. So sparen Sie Zeit und Geld, die für Ihre Autorenkorrekturen notwendig würden, und erhalten schnell und sicher ein stimmiges und überzeugendes Ergebnis.

Sie sollten den Koch außerdem ausführlich darüber informieren, wer zum Essen kommt und zu welchem Anlass.

So kann der Koch sein Menü nicht nur den Vorlieben und Abneigungen oder Essensgewohnheiten der Gäste – sprich der Zielgruppe – anpassen, sondern auch dem Ereignis: Eine Hochzeitsfeier ist kein Picknick, eine Website kein Mailing, eine Mitarbeiterzeitung keine Kundenzeitschrift. Manchmal sind Zielgruppe und Kontext schon durch Format und Inhalt ersichtlich, doch ist es nicht immer der Fall, und eine Hochzeitsfeier ist nach Religionszugehörigkeit, Familienverhältnissen oder Biographie auch kein austauschbarer Begriff. Details zu dem, was zum Übersetzungsauftrag führt, sind unerlässlich, damit der Übersetzer weiß, wie und von wem unter welchen Umständen sein Text gelesen werden wird, und so den perfekten Ton trifft.

Aus Resten ein schmackhaftes Essen zu zaubern, wenn Sie Besuch unvermittelt überfällt, die Zeit zum Einkaufen fehlt und der Kühlschrank nicht viel hergibt, ist immer möglich und in einem familiär-freundschaftlichen Umfeld unproblematisch. Zur allergrößten Not kann man auch noch Fastfood bestellen. Kunden sind aber keine Kumpels von früher, keine spontanen Kusinen und keine schnell zufriedenzustellenden Kinder: Um sie zu überzeugen und einen guten und professionellen Eindruck zu hinterlassen, sollten Sie ihnen schon mehr bieten als schnelle einfache Gerichte aus dem, „was da ist“. Deshalb ist es sinnvoll, Ihre Übersetzungsaufträge sorgfältig und rechtzeitig vorzubereiten und dafür die besten Zutaten zusammenzustellen.

Die Qualität des Ausgangsmaterials spielt beim Kochen und beim Übersetzen eine sehr ähnliche Rolle.

Sind die Tomaten fade, das Fleisch zäh und die Gewürze überaltert, wird das Essen nur ein blasser Abklatsch dessen sein, was es hätte werden können. Ein Text, in dem Satzteile fehlen, Zusammenhänge falsch dargestellt werden, grammatikalische Fehler unbemerkt Sinnverschiebungen ergeben, oder der andere Unbeholfenheiten oder Ungenauigkeiten enthält, kann auch in der Zielsprache zu keinem zielführenden Text werden.
Bestenfalls fallen dem Übersetzer Ungereimtheiten oder Mehrdeutigkeiten auf und er fragt nach – was natürlich Zeit kostet und unter Umständen die Deadline gefährden kann.
Schlimmstenfalls aber ist der Text entweder im Ganzen qualitativ so schlecht, dass nur mit dem gekocht werden kann, was sich bietet, oder die Probleme können dem Übersetzer deshalb nicht auffallen, weil ein Satz semantisch schlüssig und sinnbringend, wenn auch inhaltlich oder fachlich falsch ist. Eine irrtümlich eingefügte Verneinung kann genauso verheerende Folgen haben, wie die Angabe von 200 g Butter anstatt 20 g in einem Rezept.
Auch wenn es natürlich Aufgabe des Übersetzers ist, einen Text zu liefern, wie er in seiner Muttersprache hätte verfasst werden können, kann und darf er nur bedingt in die Qualität eines Originals eingreifen. Die Textabsicht und das Textniveau sollten für eine getreue Übertragung erhalten bleiben, und aus ausgetrocknetem Gemüse wird nun einmal kein saftiger Auflauf.

Als Auftraggeber können Sie also durch rechtzeitige Bereitstellung hochwertiger Zutaten und eines vollständigen und unmissverständlichen Rezepts erheblich dazu beitragen, dass Ihr Übersetzungsmenü zu einem beachteten und eindrucksvollen Erfolg wird.

Wir helfen Ihnen dabei.

Rufen Sie uns an:   +43 (0) 676 5625257

Foto: Unsplash, Chinh-le-duc, Thank you!

Von den Feiertagen haben wir eine ganz konkrete Vorstellung.

Besinnlich sollen sie sein, von Licht und Liebe, Zauber und Magie erfüllt. Wir blicken privat, aber vor allem beruflich und geschäftlich auf die vergangenen zwölf Monate zurück und ziehen Bilanz. Unsere Kunden, Mitarbeiter, Geschäftspartner, Kollegen in aller Welt haben dazu beigetragen, dass es ein allen Widrigkeiten zum Trotz erfolgreiches Jahr wurde. Goldene Kerzen, würzige Düfte erfüllen unser Herz und auf einmal haben wir das Bedürfnis, Danke zu sagen und den Menschen, die uns an jedem Arbeitstag begleiten, unsere Anerkennung und unsere Wünsche zu übermitteln – am besten in ihrer Sprache, um ihnen eine besondere Freude zu machen.
Und das Unglück nimmt unweigerlich seinen Lauf …

In der Tat: Weihnachtsgrüße dürfen und müssen sein.

Dies gilt in ganz besonderem Maße für Unternehmen, die diese Gelegenheit nutzen können, um bestehende geschäftliche Beziehungen zu pflegen, neu zu beleben, oder um auf sich aufmerksam zu machen.
Was sich wie eine kleine Pflichtübung ohne größere Verwicklungen anhört, kann jedoch mit etlichen Tücken verbunden sein, wenn der Adressat in einem anderen Sprach- und Kulturkreis lebt. Die Versuchung ist groß, für die wenigen und oft standardisierten Zeilen hier auf kostenlose Online-Dienste und computergenerierte Übersetzungen zurückzugreifen. Sinnvoll ist es allerdings keineswegs.
Formulierungen, die im deutschen Sprachraum zum Geflügelten Wort geworden sind, lassen sich nicht immer ohne Weiteres für andere Länder übertragen, erst recht nicht wörtlich. So bleiben in vielen romanischen Sprachen „besinnliche Feiertage“ etwa ein nicht wirklich nachvollziehbarer Ausdruck – wird Besinnlichkeit doch eher als mönchische und einsame, traurige und außerhalb von Klostermauern alles andere als wünschenswerte Tätigkeit aufgefasst, während Weihnachten als Zeit des Überschwangs und des Genusses empfunden wird.
Das Fest der Liebe ist in vielen Ländern nicht selten der 14. Februar, während der 25. Dezember mal als Fest der Kinder, mal als Fest der Freude bezeichnet wird.

Gerutscht wird ins Neue Jahr im Ausland zudem nicht.

Es sei denn aus Versehen, infolge eines zu hohen Alkoholkonsums oder mangelnder Schneereifen. Eine wörtliche Übersetzung kann also peinlich werden.
Neben dem Text sind auch Form und Zeitpunkt zu beachten.
In manchen Ländern ist Weihnachtspost ein Kuriosum oder wird ausschließlich privat verschickt, während erst zum 1. Januar geschäftliche Grüße und Wünsche ausgetauscht werden. In anderen wiederum gehört es zum guten Ton, Briefe und Karten bereits zu Monatsbeginn zu versenden. Ebenso ist es vielerorts nicht angebracht, die Weihnachtsbotschaft mit der Erwähnung wirtschaftlicher Schwierigkeiten, erst recht mit Preiserhöhungsmeldungen zu verknüpfen – und seien sie noch so geschickt formuliert.
All diese wichtigen Details, die über kopfschüttelndes Unverständnis oder kundenbindende Botschaft entscheiden, kann eine Übersetzungssoftware auf keinen Fall sinnvoll der Zielperson und den Gepflogenheiten ihres Landes anpassen. Die Zusammenarbeit mit einem landes- und kulturkundigen Sprachmittler, der Unternehmen, Kultureinrichtungen und Privatpersonen entsprechend beratend und unterstützend zur Seite stehen kann, ist also gerade in diesen letzten Wochen des Jahres von unerlässlicher Bedeutung … und schützt vor manchem verheerendem Fauxpas.

Die Feiertage kommen immer so plötzlich?

Gerne helfen wir Ihnen dennoch bis zur „letzten Minute“, Ihre internationale Kommunikation in die richtige, für Ihre Adressaten passende Weihnachtsstimmung zu versetzen – und so Ihren Erfolg im kommenden Jahr durch Grußtexte ohne Stolperfallen zu sichern. Der Countdown läuft.

Fragen Sie bei uns an.

Bildnachweis: Unsplash, Brooke Lark – we say: Thank you!

Übersetzer und ihre aktiv-wirtschaftliche Rolle des Lokalisierers oder Transcreators.

Es ist ein Gemeinplatz und ein in diesem Blog viel erwähntes Phänomen: Wirtschaft und Unternehmen verändern sich – und somit auch die Arbeitswelt der Übersetzer, die ihnen zur Seite stehen. Dies führt nicht zuletzt zu einer disruptiven Typisierung der Aufgaben, die das Tagesgeschäft der Übersetzung mit sich bringt. Vor allem aber entstehen neue Begrifflichkeiten und Formen des Übersetzens, während andere verschwinden oder längst verschwunden sind.

Zu den Übersetzungswegen, die kaum noch genutzt werden, gehört die sogenannte Informationsübersetzung, die noch vor wenigen Jahren eine Blütezeit erlebte.

Ging es nur darum, den Inhalt eines Textes zur Kenntnis zu nehmen, hatte der Kunde mehrere Möglichkeiten: eine grobe Zusammenfassung des Textes am Telefon, eine schriftliche detaillierte Inhaltsangabe oder eine eher wörtliche Übersetzung ohne stilistische Ansprüche und mit oft vielen Fußnoten, die dazu dienen sollten, den genauen Inhalt und die Textabsicht erfassen zu können.

Die Informationsübersetzung wird heute mehrheitlich durch maschinelle Übersetzungen ersetzt, die der Kunde selbst online anfertigen lassen kann. Die Texte sind nicht zur weiteren Verwendung geeignet, sie sollen lediglich zu einem groben Verständnis verhelfen. Ganz ohne Tücke ist diese Selbstbedienung allerdings nicht: Wichtige interkulturelle Nuancen und diplomatische Zwischentöne, insbesondere in der Korrespondenz, die aus geschäftlicher Sicht wichtig oder sogar entscheidend sein können, und auf die der Sprachmittler beratend aufmerksam machen würde, bleiben dabei unbemerkt.

Mit zunehmender Digitalisierung ist die sogenannte Lokalisierung zu einem zentralen Teil der Übersetzungsaufgaben geworden.

Die sprachliche und kulturelle Anpassung von Software, wie Buchhaltungs-, Warenverwaltungsprogramme, Datenbanken, Shop-Oberflächen und Backends, ist eine ganzheitliche Aufgabe, für die Übersetzer neben präzisen Kenntnissen der Gepflogenheiten des Ziellandes auch stets auf der Höhe der digitalen Neuerungen sein müssen. Auch technische Texte werden heute immer häufiger der Lokalisierung als der Übersetzung unterzogen.

Das eigentliche Übersetzen, das Führen eines Textes und seines Inhalts, aber auch seiner stilistischen Besonderheiten in Form all seiner Fehler und Schönheiten, von dem Ufer eines Landes und einer Kultur zu den Gefilden einer anderen Welt, auf dass sie in ihrer ursprünglichen Form beäugt, entdeckt, verstanden und bewundert werden können, ist auch im Bereich der Literaturübersetzung außer bei einer sehr geringen Zahl Kritischer Ausgaben zu wissenschaftlichen Zwecken nicht mehr erwünscht.

Wie im Marketing auch ist das Ziel Transcreation: Der übersetzte Text soll nicht nur sprachlich (was zu allen Zeiten die selbstverständliche Eigenschaft einer hochwertigen Übersetzung war), sondern auch inhaltlich so gelesen werden, als sei er im Zielland entstanden. Der Übersetzer ist hier also weniger Vermittler denn Werbetexter oder Autor.

Paradoxerweise entfernt sich in unserem sogenannten Informationszeitalter gerade das Übersetzen von allen informativen Aspekten und Aufgaben.

Gewünscht ist nicht mehr die Vermittlung im Sinne eines „verstehen wollen“, „kennenlernen wollen“, „aufzeigen wollen“, sondern die Vermittlung im Sinne eines „sagen wollen“, „verkaufen wollen“, „vermarkten wollen“. Die Rücksicht auf kulturelle Unterschiede soll nicht mehr Selbstzweck und Geisteshaltung sein, sondern wird im Interesse des Geschäftserfolgs bewusst instrumentalisiert und dient in erster Linie dazu, sie zu überwinden. Aus der rezeptiv-kommunikativen Rolle des Übersetzers als Sprachmittler ist nun eine aktiv-wirtschaftliche Rolle des Lokalisierers oder Transcreators geworden.

Foto: Martina Schmid

Branding ist – gerade bei Übersetzung – im kommunikationsorientierten Geschäft ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.

Solopreneure oder Künstler müssen sich dieser Entwicklung ebenso stellen wie mittelgroße Unternehmen und Konzerne. Eine eindeutige Positionierung mit einer klar wiedererkennbaren Unternehmenspersönlichkeit, die in Corporate Identity und Corporate Language ihren Ausdruck findet, verleiht Produkten und Marken ein Gesicht, das weit über die traditionellen Formen von Reputation hinausgeht.

Ist dieses einzigartige Image im eigenen Land aufgebaut, stellt sich die Frage nach seiner Übertragung auf internationaler Ebene. Das Branding ist ein Mosaik aus zahlreichen Detailpunkten, die sich zu einem stimmigen Bild fügen müssen. Dementsprechend ist seine Übersetzung eine komplexe Aufgabe, die allen Teilchen Rechnung tragen muss.

Die Unternehmenssprache – die Corporate language – setzt sich nicht nur aus dem internen Gebrauch von Fachterminologie und Funktionsbezeichnungen zusammen.

Wortwahl, Ansprache von Kunden und Partnern, Tonfall der Kommunikation in all ihren Aspekten – von Werbung und Marketing über Social Media im B2C bis hin zu Gewohnheiten in der geschäftlichen Korrespondenz im B2B – prägen die Art und Weise, wie das Unternehmen objektiv und emotional rezipiert wird. Diese unzähligen, oft fast unmerklichen Elemente richtig zu bewerten und umzusetzen, ist Teil einer hochwertigen und filigranen Übersetzungsarbeit.

Die Übertragung der Idee der Marke, ihrer Persönlichkeit und der Facetten ihrer Ausdrucksweise in ein anderes Land kann ein Wagnis werden. Hier sind speziell ausgebildete Muttersprachler gefragt, die nicht nur die Texte in eine andere Sprache „kopieren“, sondern dem Konzept geeignete Worte verleihen. Für die Anpassung an die Zielgruppe – ob es sich dabei um Endkunden oder andere Unternehmen handelt – sind mehr als sprachliche oder landeskundliche Kenntnisse erforderlich. Der Sprachmittler muss wissen, wie er in dem Sprachumfeld des Ziellandes die bei der Ausarbeitung des Corporate Branding beabsichtigte Wirkung erzielt … aber auch ob dies im Sinne des Erfolgs in dieser Form möglich oder überhaupt wünschenswert ist.

Besteht der Leitspruch eines Unternehmens etwa in einem Wortspiel, wird er sich in den wenigsten Fällen unmittelbar übersetzen lassen. Stilistische Flexibilität und Kreativität, aber auch ein gutes werbliches Gespür in der eigenen Muttersprache sind dabei unerlässlich.
Negative Assoziationen, die Unternehmensnamen oder Produktbezeichnungen in Verruf bringen oder der Lächerlichkeit preisgeben könnten, müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Während in einigen Ländern Werbung und Kommunikation vielleicht einen grundsätzlich jugendlichen und locker-unkomplizierten Touch haben, muss unter Umständen für eine andere Weltregion auf einen konservativeren Stil zurückgegriffen werden. Der Linguist ist in dieser Hinsicht auch Berater und Brückenbauer.

Außerdem muss die Übertragung einer Unternehmenskultur besonders im B2C die aktuellen Entwicklungen zeitnah miteinbeziehen. Ansprüche an Content- und Social Media-Marketing ändern sich schnell, und dies bedeutet, dass der Übersetzer sich täglich aktiv und intensiv mit den Trends sowohl des Ursprungs- als auch des Ziellands auseinandersetzen muss.

Die Übersetzung eines Brandings kann nicht auf die einfache Übertragung von Text in eine Fremdsprache reduziert werden.

Vielmehr ist der Übersetzer in diesem Kontext die feinfühlige, präzise und hochspezialisierte Schnittstelle zwischen Unternehmen, Sprache und Markt und deshalb von unschätzbarem Wert.

Auf die richtigen Worte kommt es an.

Foto: Martina Schmid