Übersetzungen unterliegen einem Wandel

Im Laufe der Jahrhunderte hat es immer wieder Wandel in der Auffassung dessen gegeben, was eine Übersetzung sein soll und welche Kriterien sie zu erfüllen hat. Man könnte und dürfte durchaus sagen, dass auch die Arbeit des Übersetzers Moden und Zyklen unterworfen ist. Dies bleibt für sein Selbstbild, seine Prinzipien und die Nutzbarkeit der Übersetzung nicht ohne Folgen.

Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts musste alles der Vorstellungswelt des Ziellandes angepasst werden. Es wurde davon ausgegangen, dass landestypische Begrifflichkeiten nicht verstanden werden würden, und so wurde Sandwiches munter zu Butterbroten und Croissants zu süßen Brötchen umdeklariert.

Lokalkolorit

In den folgenden Jahrzehnten wiederum wurde immer mehr Lokalkolorit zugelassen. Nicht nur in literarischen Werken, sondern auch in geschäftlichen Dokumenten wurde Wert darauf gelegt, die Tonalität und die Vorstellungswelt des Ursprungslands sorgfältig und detailreich und -getreu zu erhalten und so anschaulich wie möglich wiederzugeben. Dem Übersetzen kam eine exklärende und beratende Funktion zu.
Heute wird in erster Linie verlangt, dass eine Übersetzung so gelesen werden kann, als sei sie ein im Zielland entstandener Originaltext.

Berufsethos im Wandel

Der Hintergrund dieser Forderung ist verständlich und legitim und ist Ausdruck des Wunsches, einen flüssigen, syntaktisch, semantisch, stilistisch und grammatikalisch fehlerfreien Text zu erhalten, der einwandfrei und schnell verständlich ist – sozusagen „barrierefrei“, wie es sich für eine grenzüberschreitende Tätigkeit nun einmal gehört.
Dieser durchaus nachvollziehbare und berechtigte Anspruch ist jedoch nicht ohne Tücke, und dies berührt nicht zuletzt ebenso das Berufsethos des Übersetzers wie die Qualität der internationalen Kommunikation.
Wird dieser Grundsatz allerdings zu Ende gedacht und gelebt, stellt sich die Frage nach der Vollständigkeit der Textübertragung und ihren Konsequenzen. Der Ausgangstext wird bei dieser Vorgehensweise von allem „bereinigt“, was im Zielland als nicht „natürlich“ und selbstverständlich empfunden wird. Dies bedeutet nichts anderes, als dass er auf die Aspekte seines Inhalts reduziert wird, die länder- und kulturübergreifend sind. Was übrig bleibt, ist die reine Information: Daten und austauschbare Allgemeinplätze, ohne Zwischentöne, ohne ländertypische Kommunikationsmerkmale und folglich ohne Verständnis oder Interesse für das Gegenüber – ein Desaster im Marketing und auf geschäftlicher und diplomatischer Verhandlungsebene. Eine Übersetzung, die wie ein in der Zielsprache verfasster Text anmutet, ist Vieles, nur keine Übersetzung: Sie ist entweder eine Exzerption rein faktischer Inhalte, oder sie ist ein ganz neu geschriebener Text, bei dem das Original nur vage als Materialkiste dient.

Linguisten, Soziologen und Neurobiologen wissen längst, dass unterschiedliche Sprachen Bereiche unterschiedlicher Denkart und -struktur, unterschiedlicher Kultur und unterschiedlicher Wertvorstellungen kennzeichnen. Wird vom Übersetzer ein Text verlangt, der genau diese Besonderheiten weglässt, sagt dies nichts anderes aus, als dass die Begrifflichkeiten des Über-Setzens und des Sprachmittlers keinen Bestand mehr haben.

Globalisierung

Auch in Zeiten der Globalisierung und der Informationsgesellschaft ist unsere Kommunikation nicht grenzfrei geworden. Und so schillernd und vielfältig wie die Kulturen, die Menschen und ihre Texte sollten auch die Übersetzungen sein und bleiben, die sie uns zugänglich machen. Sie sollten die Unterschiede nicht zerstören, nicht „wegglätten“. Sie sollten vermitteln, wie faszinierend diese sind und wie wertvoll es ist, sie zu erspüren und zu verstehen. Nur so kann die berufliche, geschäftliche, kulturelle und politische Zusammenarbeit für alle Seiten frei von Frust, Hintergedanken und Missverständnissen und somit langfristig erfolgreich funktionieren.

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Die Wiedererkennbarkeit von Unternehmen macht gerade in Zeiten der Globalisierung einen Großteil ihres Marktwerts aus.

Was die großen internationalen Marken längst vorgelebt haben, ist heute auch für Kleine und Mittlere Unternehmen ein nicht nur wesentlicher, sondern sogar unumgänglicher Aspekt ihres Marketings. Wiedererkennbarkeit und Branding vermitteln den Eindruck von Beständigkeit und Seriosität, schaffen Vertrauen und Vertrautheit und binden den Kunden nicht zuletzt durch ein Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühl.
Das wichtigste Werkzeug einer systematischen und erfolgreichen Wiedererkennbarkeit ist die Corporate Identity mit ihren Bestandteilen: Corporate Communication und Corporate Language, Corporate Culture, Corporate Behaviour, Corporate Philosophy und Corporate Design. Die Werte und die visuelle Identität des Unternehmens sollen so einheitlich und international wiedergegeben werden und weltweit intern und extern dasselbe Firmenimage abbilden und transportieren.
Ganz gleich wie stimmig und schlüssig die Corporate Identity sein mag, und wie vermeintlich gut sie von vornherein auf das internationale Geschäft hin ausgelegt wurde, können sich jedoch erhebliche Schwierigkeiten ergeben, wenn Unterlagen übersetzt werden sollen.
Viele Unternehmen schreiben zum Beispiel in ihren Kommunikationsleitlinien bestimmte Formulierungen und Formate vor, die konzern- und also weltweit einzuhalten sind.
Mitunter umfassen diese Vorgaben auch Detailpunkte, wie zum Beispiel typographische Regeln für die Schreibung von Zahlen, Preisen, Uhrzeiten, Telefonnummern, Anschriften und Anreden in der Korrespondenz. Nicht immer aber entsprechen diese Vorstellungen den Gepflogenheiten im Zielland, und Anpassungen sind aus Sicht des landeskundigen Sprachmittlers unumgänglich. Besteht der Auftraggeber unter dem Vorwand der Corporate Identity dennoch unbedingt darauf, dass alles so geschrieben wird, wie die Firmenvorschriften es vorsehen, wird der Vorteil der Wiedererkennbarkeit und der Tugenden, die damit einhergehen, ins Gegenteilige verkehrt, führt zu Peinlichkeiten – in einigen Fällen sogar zum Marketing-Desaster. In der internen Kommunikation zeichnet dies das Bild eines steilhierarchischen, wenig dialog- und beratungsoffenen Konzerns mit begrenztem Interesse an den Eigenheiten der Partnerländer und einem unter Umständen eher geringen Verständnis für die Gedanken des eigenen Personals. In der externen Kommunikation erscheint die Marke als ungebildet, oder schimmer noch unwillig, sich auf die Zielgruppe sorgfältig vorzubereiten, was ein ansonsten positives Image schnell vernichten kann.

Ein weiterer Problempunkt ist die Einhaltung von Layouts in Publikationen wie Firmenzeitungen, Broschüren und Prospekten.

Soll ein deutscher oder englischer Text etwa in eine romanische Sprache übersetzt werden, kann der Wunsch, Layout-Abschnitte unverändert in allen Sprachen zu übernehmen, oft nicht erfüllt werden: Texte in diesen Sprachen werden um bis zu 20% länger als das Original. Sind nicht ausreichend Freiräume vorgesehen, um diese zusätzliche Länge auszugleichen, oder lässt der Kunde im Namen der Corporate Identity die Verwendung eines kleineren Schriftschnitts nicht zu, müssen Inhalte gekürzt werden. Informationen werden geopfert, Formulierungen gestrafft und dadurch weniger differenziert positioniert. Die Qualität des Textes leidet unvermeidlich, was auch Zweifel an der Qualität des Unternehmens im Allgemeinen aufkommen lässt.
So verständlich und legitim der Wunsch nach einem einheitlichen Auftreten in allen Ländern für ein Unternehmen auch ist – internationale Kommunikation darf niemals die landeskundlichen Aspekte vergessen. Hier sind eine gewisse Flexibilität und Dialogbereitschaft unerlässlich, wenn Corporate Identity nicht zu einem kontraproduktiven und sinnentleerten Korsett verkommen soll. Umso wertvoller ist eine entsprechende Beratung durch einen kompetenten Muttersprachler und eine erfahrene Agentur.

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Das Aufkommen verschiedener Typen von Übersetzungssoftware hat zu der Vorstellung geführt, der Übersetzer sei entweder ganz und gar entbehrlich, oder er sei nur noch ein Gehilfe, der die Arbeit des Computers lediglich für alle Fälle überwacht und ab und zu lässig eine Taste betätigt. Der Grund für diese Annahmen liegt in einer Reihe von Missverständnissen.

Tatsächlich muss zunächst zwischen zwei Arten von Übersetzungssoftware unterschieden werden.

In der maschinellen Übersetzung werden Texte in ein Textfeld eingegeben oder einkopiert und automatisch in der Fremdsprache ausgegeben. Unabhängig davon gibt es Werkzeuge, die eine halbautomatische, computerunterstützte Übersetzung ermöglichen, die sogenannten CAT-Tools.
Jeder, der schon versucht hat, in den Social Media oder in der entsprechenden Funktion der weltgrößten Suchmaschine Texte – und seien sie noch so kurz und einfach – selbsttätig übersetzen zu lassen, konnte feststellen, dass dies alles andere als der Weisheit letzter Schluss ist. Abhängig von dem gewünschten Sprachpaar fallen die Ergebnisse qualitativ recht unterschiedlich aus. Selbst in den vorteilhaftesten Kombinationen, was in den meisten Fällen bedeutet, dass eine der Sprache das Englische ist, darf der Zieltext als verbesserungsbedürftig betrachtet werden: Wörter mit mehreren Bedeutungen werden nach dem Zufallsprinzip übersetzt, syntaktische und grammatikalische Strukturen scheint ein Würfelwurf entschieden zu haben.
Die so erhaltenen Übersetzungen sind nicht selten als erheiternd zu bezeichnen – einige schaffen es als Urlaubsfoto in Form von Stilblütensammlungen und Horrorkabinetts auf Facebook oder führen zu nicht minder belustigenden Wutanfällen bei dem Versuch, eine Aufbauanleitung für ein Möbelstück oder ein elektronisches Gerät zu verstehen.
Solche Programme sind zwar bis zu einem gewissen Grad nützlich, um die groben Züge eines Textes in einer völlig unbekannten Sprache in etwa erahnen zu können, aber mehr als den Wert einer radebrechenden Unterhaltung mit Händen und Füßen erreichen sie nicht. Wer also einen wirklich verwendbaren Text braucht, sollte nicht auf solche Mittel vertrauen – und seien sie noch so schnell, zugänglich und kostenlos.

CAT-Tools wiederum haben einen anderen Ansatz.

Sie sollen den Übersetzer in seiner Arbeit unterstützen, und dies geschieht auf mehreren Ebenen.
Zum einen ermöglichen sie es, bereits übersetzte Texte in Datenbanken zu speichern, zu analysieren und mit neuen Texten zu vergleichen. Ist etwa in der Vergangenheit ein Absatz in identischer Form übersetzt worden oder befindet sich ein Satz in ähnlicher Form im Archiv, erkennt es das Programm zuverlässig und schlägt dem Übersetzer vor, die hierfür bereits angefertigte Übersetzung zu verwenden. Die Entscheidung, nach thematischem und stilistischem Kontext den Vorschlag anzunehmen, die gegebene Übersetzung anzupassen oder zu verwerfen, obliegt dem Übersetzer.
Für den Kunden ist die Verwendung von CAT-Tools und Translation Memory-Software durch den Übersetzer deshalb von Vorteil und heute sogar unentbehrlich, weil so die größtmögliche Einheitlichkeit seiner internationalen Kommunikation gewährleistet ist.
Ebenso kann der Übersetzer für jeden Kunden spezielle Glossare anlegen und muss sich nicht auf sein Gedächtnis verlassen, um über Jahre hinweg und angesichts einer großen Auftragsvielfalt eine einheitliche und perfekt abgestimmte Terminologie einzuhalten. Dies ist sowohl im technischen Bereich als auch bei Rechts- oder Online-Texten von eminenter Bedeutung.
Ist es dem Übersetzer eines Tages nicht möglich, einen Auftrag für einen Stammkunden zu übernehmen – zum Beispiel im Krankheits- oder Urlaubsfall – können die gespeicherte Terminologie und die grundsätzlichen Texte an einen Kollegen weitergeleitet werden: Auf diese Weise kann der Auftraggeber sicher sein, dass seine Übersetzungen immer seinem Standard und seiner individuellen Unternehmenssprache, dem Wording, entsprechen.
CAT-Tools sind für den Übersetzer also ein sprechendes Archiv und eine rasant schnelle Gedächtnisstütze, die einwandfreies und effizientes Arbeiten ermöglichen. Völlig unbekannte Texte selbstständig übersetzen können sie natürlich nicht. Des Weiteren funktionieren sie – wie alle Werkzeuge – nur dann einwandfrei, wenn sie regelmäßig und systematisch gepflegt werden, was mitunter sehr aufwändig und komplex sein kann.
Ob eine (sehr) rohe Übersetzung mit Hilfe eines maschinellen Diensts versucht wurde oder ein Übersetzer sich eines CAT-Tools bedient – Handarbeit ist im Kommunikationsbereich nicht zu ersetzen, und sie wird es mancher Hoffnung zum Trotz auch in absehbarer Zeit nicht sein. Computerprogramme sind sinnvolle Hilfsmittel, aber zu einem differenzierten Sprachgefühl, landeskundlichen Skills und stilistischen Entscheidungen, die die wirkliche stilistische Qualität und die zielführenden Eigenschaften eines Textes sichern, sind solche Systeme bei allem Fortschritt der Künstlichen Intelligenz angesichts der Komplexität des Objekts „Sprache“ weiterhin nicht fähig.