Er nennt sich „Translator“.

Er trägt kein Cape und keine magischen Sprungstiefel. Er sitzt bescheiden am Schreibtisch vor Tastatur und Bildschirm. Gerade überträgt er einen Text in seine Muttersprache. Möglicherweise liegt ein Ausdruck des Ausgangsmaterials neben ihm, und er wirft ihm immer wieder einen prüfenden Blick zu. Er tippt, hält inne, überlegt stirnrunzelnd, tippt wieder, liest, nimmt vielleicht einen Schluck aus der zu seiner Linken stehenden Kaffeetasse. Was er tut, mag unscheinbar und wenig aufregend anmuten, und doch ist er als Retter in der Not immer zur Stelle. Aber wer ist überhaupt dieser „Translator“?

Tatsächlich gibt es nicht DEN Übersetzer.

Vielmehr birgt seine Arbeit ein Kaleidoskop aus unterschiedlichsten Ansätzen, die bereits allein genommen jeweils einen vollständigen Beruf ausmachen würden.

1. Der Übersetzer als Linguist und Textwissenschaftler

Selbstverständlich sind Wort, Sprache und Text das Hauptmaterial des Übersetzers. Hierbei übernimmt er unterschiedliche Funktionen und braucht ein breites Spektrum an Kenntnissen und Skills. Sein Verständnis und seine Interpretation des Ausgangstextes müssen so sicher sein wie eine ärztliche Diagnose. Ebenso muss die Umsetzung in die Zielsprache semantisch, syntaktisch und stilistisch höchsten Ansprüchen genügen, ja Perfektion erreichen. Wie bei einem Linguisten und Textwissenschaftler ist sein Ansatz gleichermaßen von rezipierenden Tätigkeiten der Textanalyse als auch von schöpferischen Aspekten der Textgestaltung und des Schreibens geprägt.

2. Der Übersetzer als Spezialist

Neben dieser allgemein eher als selbstverständlich erachteten Kompetenz wird vom Übersetzer in seinem thematischen Arbeitsbereich die gleiche Qualifikation erwartet, die auch der Verfasser des Ausgangstextes und der Leser des Zieltextes mitbringen. Er ist also nicht nur Linguist, sondern je nach Fachbereich gleichermaßen Techniker, Jurist, Wirtschaftswissenschaftler. Ohne dieses präzise „Insiderwisser“ wäre eine zielführende Übersetzung, die den Wert eines Originals annimmt, nicht möglich. Terminologie, Duktus und Gepflogenheiten der Fachsprache im Zielland müssen bis ins kleinste Detail und uneingeschränkt zuverlässig beherrscht werden.

3. Der Übersetzer als Diplomat

Sprachmittler zu sein, bedeutet auch immer Kulturmittler zu sein. Nicht nur in der offensichtlichen Situation des Dolmetschens auf dem politischen Parkett ist diplomatisches Geschick ein wichtiges Instruments des Übersetzers. Die vermeintlich einfache Aufgabe, Korrespondenz und Kommunikationsmaterial zu übertragen, beinhaltet in Wirklichkeit eine Vielzahl von Prozessen, die erst den Erfolg des Zieltextes gewährleisten: Die zweifelsfreie Einschätzung des Sprachniveaus in beiden Sprachen, die genaue Kenntnis der Unterschiede in Etikette, Geschäftspraktiken, Floskeln und kaufmännischen Erwartungen gehören dazu. Von ebenso unschätzbarem Wert ist die Fertigkeit, die Qualität einer persönlichen Beziehung zwischen Geschäftspartnern durch das übersetzte Wort sicher und verzerrungsfrei wiederzugeben.

4. Der Übersetzer als Psychologe

Ergänzt wird das diplomatische Geschick eines Übersetzers oder Dolmetschers durch das feinfühlige Talent, das Unterbewusste zwischen den Zeilen zu erspüren und zu vermitteln. Jenseits des Wortes muss auch das Nonverbale übertragen werden – etwa unterschwellig Ausgedrücktes wie Stimmung, Laune, die gegebenenfalls wahre Textabsicht hinter der Höflichkeit. Im Bereich der persönlichen Kommunikation, aber auch in Werbung und Marketing sind diese Faktoren von zentraler Bedeutung.

5. Der Übersetzer als ewiger Student

Agilität und Lernbereitschaft sind nicht nur Schlagwörter und Ausdruck idealer Vorstellungen unserer Zeit. Für Übersetzer sind sie längst üblich und ein unentbehrlicher Teil des Arbeitsalltags. Zu sagen, dass der Übersetzer sich stets auf dem Laufenden halten soll und muss, ist beinahe eine Untertreibung.

Selbst und gerade in unserer schnelllebigen Welt verändert sich nichts so schnell wie die Sprache. Neologismen zeugen von Entwicklungen und Produktneuheiten. Die soziokulturelle Änderung von Sprachgebrauch und Gewohnheiten im zwischenmenschlichen und kommunikativen Umgang – etwa in Anreden und Gepflogenheiten der Korrespondenz – erfordert eine immer schnellere Anpassung.

Immer neue Technologien bringen eine Fülle von Fachbegriffen hervor, die sich der Übersetzer praktisch im Augenblick ihrer Entstehung nahtlos aneignen muss.

Dies erfordert ein ungewöhnlich lebendiges und nie nachlassendes Interesse für Sprache und Dinge, für Aktualität und Wandel … und viele, viele Lesestunden.

6. Der Übersetzer als Philosoph

„Erkenne Dich selbst“ fordert die berühmte Inschrift am Apollotempel von Delphi. Sie gilt für Übersetzer in ganz besonderem Maße. Studium und ständige Fortbildung bedeuten nicht, dass der Übersetzer in allen Detailpunkten seiner bevorzugten Themenbereiche allwissend ist. So muss sich ein Fachübersetzer für Handels- und Gesellschaftsrecht im Strafrecht nicht notwendigerweise ebenso wohl fühlen. Wer sich auf Maschinenbau spezialisiert hat, ist möglicherweise im Bereich Elektrik nicht so firm. Die eigenen Stärken, aber auch Grenzen und Schwächen zu kennen, ist ein wichtiger Teil eines einwandfrei seriösen und professionellen Verhaltens.

Auch was das täglich mögliche und zumutbare Auftragsvolumen betrifft, muss sich der Übersetzer nicht nur seiner Kapazitäten, sondern auch seiner privaten und gesundheitlichen Rahmenbedingungen bewusst sein und sie miteinzubeziehen wissen.

7. Der Übersetzer als Kaufmann

Ihnen als Kunden mag es zunächst gleichgültig sein, ob Ihr Übersetzer auch ein guter Kaufmann ist. Ob er seine Buchhaltung in Ordnung hält oder seine Preisgestaltung ihm ein ausreichendes Einkommen ermöglicht, geht Sie nichts an und interessiert Sie vermutlich auch nicht.

Das sollte es aber.

Zum kaufmännischen Aspekt des Übersetzens gehört in erster Linie die Fähigkeit, den Arbeitsaufwand eines Auftrags sicher einschätzen zu können. Textvolumen und -schwierigkeit müssen vorab routiniert beurteilt werden, damit angekündigte Termine und Lieferfristen eingehalten werden können und Sie als Kunde vor unliebsamen und unter Umständen kostspieligen oder gar imageschädigenden Verzögerungen geschützt sind.

Ebenso muss der Übersetzer in der Lage sein, die Kosten, die für seine Arbeit anfallen werden, verbindlich und definitiv anzugeben. Nur so können Ihre Projekte ohne unangenehme Überraschungen planbar und realisierbar sein.

Die Skills, die wichtigsten Waffen, die ein guter Übersetzer besitzen und in sich vereinen muss, spiegeln in ihrer Vielseitigkeit die ganze Komplexität dieses Berufs wider. Trotz dieser breit gefächerten und oft beeindruckenden Spezialisierung arbeiten Übersetzer und Dolmetscher stets im Hintergrund und verrichten bescheiden, ganz unbemerkt und wie selbstverständlich ihre Arbeit.

Als Dienstleister im engsten Sinne des Wortes stehen sie buchstäblich Tag und Nacht zum Wohle anderer – in den meisten Fällen Ihres Unternehmens – zur Verfügung. Um Ihnen zu helfen und zu Ihrem Erfolg beizutragen, vergessen sie nicht selten auch den Feierabend, verschieben Privates und machen für Ihre internationale Kommunikation das Unmögliche möglich.

Ganz im Sinne der klassischen Superhelden also …

Wir lieben unseren Job als Übersetzer und freuen uns, Ihnen unsere „Superkräfte“ zur Verfügung stellen zu dürfen.

 

Der Sommer ist herrlich und wir alle genießen ihn in vollen Zügen.

Doch irgendwann neigt er sich dem Ende zu, die Ferien verblassen zu einer sehnsuchtvollen Erinnerung. Was bleibt, bevor sich der Alltag endgültig wieder einstellt, sind offene Koffer und ein unvermeidlicher großer Berg Wäsche. Mancher Übersetzer blickt dabei mit verschmitztem Lächeln auf die Trommel der Waschmaschine, die unbeirrt ihre immer gleichen Runden dreht. Tatsächlich gibt es zwischen der Arbeit des Übersetzers und dem Vorgang der Wäschepflege mehr Gemeinsamkeiten, als man glauben könnte.

1. Erstmal sortieren – Bunt, Weiß, Schwarz… – und Prioritäten setzen

Wenn der Inhalt Ihrer Koffer vor Ihnen ausgebreitet liegt, werden Sie zunächst überlegen, was womit zusammengewaschen werden darf, was vielleicht zur Reinigung gebracht werden muss, was mit Vollwaschmittel und was im Schongang behandelt werden sollte …Und wenn Unterwäsche oder ein bestimmtes Hemd unbedingt für den ersten Tag im Büro wieder gebraucht wird, werden eben diese Kleidungsstücke zunächst in die Trommel geworfen.

Uns als Übersetzungsagentur geht es nicht anders. Jeden Tag sortieren wir Aufträge und ordnen sie bestimmten Kategorien zu: Welcher Übersetzer ist für Thema und Text der beste? Wie lange braucht er für einen solchen „Waschprozess“? Welche Texte werden am dringendsten gebraucht und müssen umso schneller vermittelt werden?

Der Übersetzer selbst verfährt genauso. Erst muss geklärt werden, was zu tun ist und wie, damit die Übersetzung dem Text nicht schadet, sondern er im Gegenteil strahlender denn je aus dem Vorgang kommt. Besonders eilige Aufträge werden sofort bearbeitet, während andere noch die Muße haben, über Nacht „einzuweichen“ …

2. Waschmaschine programmieren

Waschtemperatur, Schongang, Schleuderdrehzahl, Wäschemenge, Vorwäsche, Zeitsparfunktion, Spezialprogramm für Seide … Es gibt mehr zu tun, als nur auf einen Knopf zu drücken, bevor der Schmutz der Urlaubswochen sich in die Kanalisation verabschiedet. Die richtige Wahl zu treffen, ist entscheidend, wenn das tolle Shirt bald wieder in voller Schönheit erstrahlen soll und die Lieblingshose nicht einlaufen darf.

In der Übersetzungsbranche ist es nicht anders. Textabsicht, Zielgruppe, Rücksprache mit dem Kunden entscheiden über die „Einstellungen“, mit denen wir unsere Arbeit verrichten und sichern, dass Sie mit unseren Übersetzungen nicht nur zufrieden sind, sondern auch eine gute Figur machen.

3. Waschmittel einfüllen, Weichspüler auswählen

Vollwaschmittel, Pulver, Pads, Waschkugeln, Weichspüler, Hygienespüler, chemische Reinigung … Es gibt viele Produkte, die für die Säuberung Ihrer Urlaubswäsche in Frage kommen.

Auch wir Übersetzer sind nicht mit unserer Aufgabe alleine. CAT-Tools, Kunden- und eigene Glossare, mehrsprachiges Material, Recherchen … sind die Hilfsmittel, zwischen denen wir wählen können, und die zu einem perfekten Ergebnis beitragen.

Wie bei der Waschmaschine auch sind sie eine wertvolle Unterstützung, die uns aus den Zeiten von Kernseife, Waschbrettern und Waschplätzen am Fluss – Pardon: Bleistift, Schreibmaschine und Papierwörterbuch – in die heutige Arbeitswelt geführt haben und uns so täglich und selbstverständlich wie moderne Waschmittel begleiten.

4. Die Behandlung

Sie haben die Wäsche sortiert, das Waschprogramm ausgesucht, an alles gedacht, und das Waschmittel eingefüllt. Nun läuft die Trommel bereits, und Sie können sich entspannt zurücklehnen und der Maschine den Rest überlassen. Die Wäsche wird gedreht, gewendet, durchgewalkt, geschleudert … Bis sie wieder strahlend sauber und frisch duftend entnommen werden kann, müssen Sie sich um nichts mehr kümmern und können sich in Ruhe bei einer Tasse Kaffee oder einer kühlen Limonade in die Urlaubsfotos vertiefen.

Ähnlich geht es mit Ihrem Text, nachdem Sie uns den Übersetzungsauftrag erteilt haben. Während Sie sich mit anderen Dingen beschäftigen und sich ungestört dem Geschäft widmen, werden die Sätze vom Übersetzer immer wieder bearbeitet, gesäubert, wieder umgeworfen, verbessert … Am Ende sehen sie wie neu aus, ihre Farbe ist kräftig und ausdruckvoll, und man merkt ihnen den Gang durch die „Trommel“ überhaupt nicht an: Sie lesen sich wie ein Original in der Fremdsprache, als wären sie nie etwas anderes gewesen.

5. Trocknen und Bügeln

Ganz gleich, ob Ihre Wäsche nach der Waschmaschine den Weg in den Trockner findet, im Garten aufgehängt wird oder auf einem Trockenboden verweilen darf – sie darf sich zunächst entspannen. Erst dann werden Sie zum nächsten Schritt übergehen und sie gegebenenfalls bügeln, bevor Sie sie wieder tragen können.

Übersetzungsarbeit und Wäsche waschen - eurolanguage Fachübersetzungen

Genau das, was Sie mit Ihrer frischgewaschenen Urlaubskleidung tun, machen wir auch mit Ihrem Text. Nachdem die eigentliche Übersetzungsarbeit abgeschlossen ist, lassen wir ihn zunächst liegen. Je nach Dringlichkeit, Zweck, Textart-, -länge und -schwierigkeit können es wenige Stunden oder einige Tage sein. Indem der Übersetzer Ihren Text ruhen lässt, verschafft er sich die nötige Distanz, um das Übersetzungsergebnis noch besser zu beurteilen. Eventuell letzte kleine Fältchen zu entdecken, die noch besser geglättet, noch perfekter weggebügelt werden können, damit Sie sich mit unserer Übersetzung wirklich sehen lassen können, überall einen perfekten Eindruck hinterlassen und stolz auf Ihr Image und Ihre Wirkung sein dürfen.

Wenn Sie also am Ende des Sommers frustriert und missgelaunt vor dem verschmutzen Inhalt Ihrer Reisekoffer stehen, vergessen Sie nicht, dass der Übersetzer tagtäglich für jedes Ihrer Projekte genau das tut, was Ihnen nun bevorsteht – damit Sie und Ihr Unternehmen gepflegt in die Welt hinaus gehen und mit einem beeindruckend strahlendem Auftritt Ihre Leistungen und Produkte zum Erfolg führen.

Wenn auch Sie einen ‚Spezial-Vollwaschgang‘ für Ihre Texte in der Fremdsprache brauchen, rufen Sie uns an:   +43 (0) 676 5625257

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Interkulturelle Kompetenz – Vielfalt und Feinheiten in der Sprache umsetzen.

Kulturelle bzw. interkulturelle Kompetenz ist eines der Stichwörter unserer Zeit und wird gern politisch inszeniert.

So ist das Thema unter anderem verstärkt im Erziehungswesen aktuell, wo zum einen Xenophobie und Vorurteile vom Kindergarten an vermieden oder bekämpft werden, zum anderen Kindern so früh wie möglich ein Eindruck der unendlichen Vielfalt unserer Welt und der unzähligen beruflichen Möglichkeiten vermittelt werden sollen, die sich daraus ergeben. In der Übersetzungsbranche aber ist interkulturelle Kompetenz eine seit Urzeiten gelebte Realität und ein unerlässliches Skill.

Die Bezeichnung „interkulturelle Kompetenz“ im allgemeinen Sprachgebrauch

Begriffe mit starker Medienpräsenz haben es schwer: Sie werden so oft verwendet, dass ihre eigentliche Bedeutung nicht mehr hinterfragt wird und die Inhalte hinter der Floskel bald verblassen. So kann es sinnvoll sein, sie ab und zu genauer zu betrachten und über das nachzudenken, was sich hinter dem scheinbar Selbstverständlichen verbirgt.
Interkulturelle Kompetenz bedeutet in erster Linie die Fähigkeit, den Unterschieden zwischen meiner Kultur und der Kultur des Anderen, zwischen seinen Denkmustern, Gepflogenheiten, Gewohnheiten, Wertvorstellungen und meinen mit Offenheit, Verständnis und Toleranz zu begegnen – sozusagen die Andersartigkeit einer fremden Kultur zugleich zu erkennen und zu respektieren. Dabei muss es sich nicht um religiöse Überzeugungen oder ethisches Gedankengut handeln. Auch Kleinigkeiten des Alltags gehören dazu.

Keine gute Übersetzung ohne interkulturelle Kompetenz

In der Übersetzungsbranche und der internationalen Kommunikation ist oft von der Notwendigkeit (inter)kultureller Kompetenz die Rede, und Agenturen und Freelancer werben bei jeder nur denkbaren Gelegenheit aufdringlich und gebetsmühlenartig mit genau diesem Skill. Doch was ist gemeint?

Muttersprachler wissen mehr – der psycholinguistische Hintergrund

Dass für eine hochwertige Übersetzung der Übersetzer Muttersprachler sein sollte, hat nicht nur sprachliche Gründe.
In der Psycholinguistik ist bekannt, dass der Begriff „Baum“ je nach Kulturkreis zu sehr unterschiedlichen Assoziationen führt. Ein Chinese, ein Kenianer, ein Italiener und ein Schwede, die jeweils gebeten werden, eine kleine Skizze eines Baumes zu zeichnen, werden unabhängig von ihrer individuellen künstlerischen Begabung ganz unterschiedliche Bäume malen. Jede Region der Welt, ob von geopolitischer Größe oder vom viel geringeren Ausmaß eines Landstrichs, „denkt“ bei dem Wort „Baum“ an etwas anderes. Diese Unterschiede können sehr klein oder sehr ausgeprägt sein.
Soll eine Übersetzung im Zielland eine bestimmte Vorstellung auslösen, wie dies zum Beispiel bei Marketing- und Präsentationstexten gewünscht ist, ist nicht zuletzt deshalb die Bearbeitung durch einen Muttersprachler unerlässlich. In der Übersetzungsbranche bedeutet kulturelle Kompetenz also auch Marketingkompetenz für das Zielland und genaue Kenntnis der Denkmuster der Zielgruppe.

Kulturelle Kenntnisse als diplomatisches Werkzeug der internationalen Kommunikation

Arbeits- und Geschäftsmentalität, Höflichkeitsrituale, Bräuche, Gepflogenheiten, Umgangssprache und Etikette, Netikette spielen in der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen in unterschiedlichen Ländern eine zentrale Rolle. Dies betrifft sowohl die Beziehung zu Kunden und Geschäftspartnern auf Augenhöhe, als auch den Umgang mit Mitarbeitern ausländischer Tochtergesellschaften. Zu wissen, was in welcher Form zu welchem Zeitpunkt gesagt werden darf, sollte oder muss, um bestimmte Inhalte verständlich, eindeutig, effizient und verhältniserhaltend wiederzugeben, um einen bestimmten Eindruck zu hinterlassen oder ein geschäftliches Ziel zu erreichen, gehört zu den wichtigen Aspekten der Qualifikation eines Übersetzers.
Ein guter Übersetzer ist also direkt – durch den bewussten Dialog mit dem Kunden zu seinem Auftrag oder etwa im Vorfeld eines Dolmetschereinsatzes – und indirekt – während der Bearbeitung von Texten – immer auch Kulturberater mit diplomatischem Geschick und einer erheblichen linguistischen emotionalen Intelligenz.

Aspekte interkultureller Kompetenz in der Übersetzung

In der nicht mehr sehr häufigen Informationsübersetzung diente kulturelle Kompetenz dazu, jenseits des Wortlauts deutlich zu machen, was der Sprecher nicht nur gesagt, sondern vor allen Dingen zwischen den Zeilen gemeint hatte. Die Arbeit des Übersetzers war hier zugleich Interpretation und Erklärung.
Heute liegt der Schwerpunkt darin, Textabsichten im Interesse des Kundenerfolgs zielgruppengerecht umzusetzen. Im Marketing und in der Lokalisierung ist hierfür ein kreativer Ansatz notwendig. Aber auch Fachübersetzer, die sich mit Themenbereichen wie Technik, Finanzen und Recht auseinandersetzen, könnten ohne ein hohes Maß an interkultureller Kompetenz keine sinnvolle und gute Arbeit abliefern: Werden in einem Land Werkzeuge nach ihrer Form und Größe bezeichnet, spiegelt in einem anderen der Werkzeugname eher die Funktion wider. Auch „Brutto“ und „Netto“ oder ein so wichtiger Begriff wie „Garantie“ sind international nicht einerlei und können durchaus missverstanden werden, wenn nur wörtlich und ohne weiteres Detailwissen übersetzt wird.

Interkulturelle Kompetenz ist also weder lediglich eine aus Globalisierung und Flüchtlingskrisen erblühte neumodische Erscheinung, noch ein Instrument der anthropologisch-ethnologischen Forschung, noch vor allem eine Einbahnstraße: Sie ist ein Scharnier in der Vermittlung unterschiedlicher Inhalte, Vorstellungen, Werte und Ideen zwischen Menschen und Ländern, in der übertragenden Abbildung unterschiedlicher Realitäten und Kontexte – und somit das Wesen der Übersetzungsarbeit selbst.
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KONTEXT – warum ist er so wichtig?

„Wir brauchen mehr Kontext!“

Diesen Satz, der direkt einer amerikanischen Comedy-Serie entsprungen zu sein scheint, hat jeder Übersetzungskunde in seiner Zusammenarbeit mit Freelancern oder Übersetzungsagenturen sicher schon mehr als ein Mal gehört. Doch was genau ist dieser Kontext, nach dem immer wieder so eindringlich verlangt wird – und wie lässt sich diese mitunter so vehement vorgetragene Bitte denn von vornherein umgehen?

Vor einer allgemeinen Definition steht eine nicht zu umgehende Tatsache:

Ohne Kontext gibt es keine gute Übersetzung

Kontext ist für die Arbeit des Übersetzers mindestens so wichtig wie Fachterminologie und stilistisches Können. Kontext ist das, was er wissen muss, um ein Übersetzungsprojekt zielführend zu bearbeiten. Zusammenhänge zu erkennen, zu nutzen und wiederzugeben, ist für einen gelungenen und wirksamen Zieltext unerlässlich.

Kontext ist die Summe der Facetten, die die Übersetzungsarbeit ausmachen.

Kontext ist Inhalt

Selbstverständlich sind Inhalt und Umfang des Textes dabei ein wichtiger Aspekt. Werden lediglich ein Abschnitt oder einige Sätze aus einem ursprünglich längeren Text zur Übersetzung übergeben, können wichtige Elemente, die sich in der unmittelbaren räumlichen Umgebung dieser Passage befinden, schmerzlich fehlen. Dies gilt nicht zuletzt, wenn Pronomen schwer oder nicht zugeordnet werden können oder Begriffe durch die so „abgeschnittenen“ Fakten mehrere Deutungen bzw. Übersetzungen zulassen. Rückfragen werden unvermeidlich, was die Deadline unnötig gefährden kann. Zudem können unerspürte Missverständnisse nie ganz ausgeschlossen werden, was wiederum ohne Verschulden des Übersetzers die Qualität der Übersetzung in Frage stellen kann.

Übersetzungskontext ist Entstehungsgeschichte und Hintergrund

Schriftwechsel, Memos, Besprechungsunterlagen, Verhandlungsprotokolle, Kostenvoranschläge, juristische Schriftsätze – um nur einige typische Unterlagen des täglichen Geschäfts zu erwähnen –, entstehen als Kettenglieder innerhalb eines eigenständigen, oft längeren und zuweilen komplexen Kommunikationsvorgangs und können nur durch den Bezug auf den bisherigen mündlichen und schriftlichen Austausch in seiner Gesamtheit wirklich einwandfrei verstanden werden. Mit anderen Worten: Wer weiß, worum es geht, weiß ja, worum es geht … aber genau dieses Wissen muss für eine perfekte und schlüssige Übersetzung aller Details und die Wahl des angemessenen Duktus dem Übersetzer auch übermittelt werden – denn hellsehen kann er bei aller Qualifikation bedauerlicherweise nicht.

Die Textabsicht ist ein essentieller Bestandteil des Kontextes

Ebenso ist es unbedingt erforderlich, dem Übersetzer im Vorfeld mitzuteilen, an wen sich der Zieltext wenden soll und gegebenenfalls warum. Nur so kann er seiner Übersetzung die gebotene Tonart, die adäquate Sprachebene, die geeignete Semantik geben und die richtige Fachterminologie einsetzen. Der Übersetzer muss wissen, in welchem Zusammenhang und wann der Text von wem und in welchem Land gelesen werden soll und welche Wirkung damit erzielt werden soll.
So kann es beispielsweise durchaus entscheidend sein, ob die Beschreibung eines technischen Geräts sich an einen industriellen Nutzer wendet oder für den Laien und Heimwerker gedacht ist, oder ob ein Anschreiben bei gleicher Sachlage textpsychologisch im Zweifelsfall eher leicht drohend oder vorerst beziehungserhaltend ausfallen soll, was sich aufgrund geschäftskultureller Unterschiede, also der Gepflogenheiten und der zu erwarteten Lesart im Zielland, nicht notwendigerweise aus dem Ausgangstext ergibt.

Auch der optische Kontext ist wichtig

Für den Übersetzer wichtige Hinweise über den Text und seine Verwendung können auch Format und Erscheinungsbild liefern. Es ist aus stilistischer, grammatikalischer und typographischer Sicht sehr relevant, ob eine Zeile als Überschrift, Bildbeschriftung oder Teil einer Aufzählung erscheinen soll. Die Struktur eines Textes, Hervorhebungen, Schrifttypen geben darüber Auskunft, wie der Auftraggeber seinen Text gesehen und empfunden wissen möchte, was wiederum die Arbeit des Übersetzers qualitativ unterstützt. Die Unterscheidung zwischen Print- und Online-Texten hat einen ebenfalls nicht zu unterschätzenden Einfluss auf wichtige Entscheidungen, die der Übersetzer für eine optimale, erfolgbringende und effiziente Übersetzung treffen muss.

Übersetzungsarbeit ist immer eine situative Arbeit.

Sie erfordert gleichermaßen diplomatisches Geschick, interkulturelle und emotionale Kompetenz, sehr konkrete und detaillierte Fachkenntnisse. Alle diese Skills aber können nur dann optimal im Dienste des Kunden eingesetzt werden, wenn dem Übersetzer alle Informationen zur Verfügung stehen, die er für seine dezidierten feinsinnigen Abwägungen und Entscheidungen braucht – wenn ihm also der gesamte Kontext des Übersetzungsauftrags bekannt ist.

Software-Übersetzungen nehmen quantitativ an Bedeutung zu.

Es ist kaum verwunderlich: Viele Funktionen des Alltags, von der Stromversorgung bis zum Versandhandel über die Pizzazustellung, das Einchecken am Flughafen oder die täglichen Bankgeschäfte, sind computergesteuert. Die Apps, die den Feierabend versüßen, sind nichts ohne die benutzerfreundliche Fassade, die mehr oder minder aufwändige Programmierungen schmückt. In Unternehmen spielen Datenbanken in der Verwaltung, Kundenbetreuung, Buchhaltung, Warenwirtschaft längst eine wesentlich größere Rolle als der Mensch. Der Bedarf an Texten, die Eingabemasken, Nachrichtenaustausch und Softwaremeldungen erforderlich machen, wächst unaufhörlich.

Software-Übersetzungen brauchen Konsenswerkzeuge

Sollen diese Interface-Texte, die uns privat und beruflich jede Sekunde umgeben, übersetzt werden, muss nach einer praktikablen Möglichkeit gesucht werden, sie aus dem Code zu isolieren und dem Übersetzer in einer Form zukommen zu lassen, die er bearbeiten kann. Eine beliebte Möglichkeit, um Datenbanktexte zu extrahieren, ist das Exportieren in eine Excel-Tabelle.

Vorteile von Excel-Dateien in der Übersetzungsarbeit

Excel-Tabellen scheinen für solche eher lapidaren Texte das ideale Mittel zu sein: Sie sind eine Arbeitsumgebung, die sich nur wenig von einem klassischen Textverarbeitungsprogramm unterscheidet und dem Übersetzer vertraut ist. Der Text ist von allen codebedingten Überfrachtungen bereinigt und in der Menge schnell überschaubar.
Für den Kunden wiederum ist ein Rückimportieren in das ursprüngliche Format unkompliziert.

Nachteile von Excel-Dateien in der Übersetzungsarbeit

Problematisch ist allerdings, dass wichtige Angaben, die sich aus einem Fließtext ergeben und qualitativ für die Arbeit des Übersetzers maßgeblich sein können, aus einer solchen Tabelle nicht ersichtlich sind.
Die Texte erscheinen zum Beispiel nicht in dem Kontext, in dem sie später stehen werden.

Wenn grammatikalische Zusammenhänge aufgrund der Zerstückelung des Textes nicht eindeutig sind oder isolierte Begriffe nicht zugeordnet werden können und mehrere Auslegungen oder Verwendungen denkbar wären, sind viele Rückfragen unvermeidlich – sehr zu Lasten des Workflows.

Die Möglichkeit, kulturellkompetent zu übersetzen – die eine hochwertige Übersetzung auszeichnet –, ist in einer Excel-Datei nicht immer gegeben. Floskeln der Kundenansprache, Gepflogenheiten oder Fachterminologie können mitunter nicht so differenziert ausgewählt und eingesetzt werden, wie dies der Fall wäre, wenn der Übersetzer wüsste, wo die Texte genau stehen, in Verbindung mit welchen anderen Texten oder Elementen sie gelesen werden sollen und welchen Eindruck der Text nicht zuletzt optisch hinterlässt. Auch ist es für den Übersetzer aufgrund der listenartigen Präsentation zum Teil nur schwer möglich, immer einzuschätzen, wann Groß- und Kleinschreibung angebracht sind, wann ein Wort Teil einer Aufzählung oder für sich allein als Überschrift oder Stichwort steht – was kein Problem wäre, wenn er den Text „sehen“ würde. Unter Umständen bedeutet dies die Notwendigkeit von mehreren Hundert Rückfragen, was einen unverhältnismäßigen und für Übersetzungskunden, -agentur und -freelancer mitunter nicht realistischen zeitlichen und finanziellen Aufwand darstellen würde.

Durch das Fehlen eines optischen Kontexts ist es für den Übersetzer zudem kaum zu ermitteln, wie viel Platz (etwa in Formularen, Bildschirmmasken oder Message-Boxes) dem Zieltext wirklich zur Verfügung steht. Dies kann zu umfangreichen Nacharbeiten führen – entweder für den Programmierer, der seine Formate anpassen muss, oder für den Übersetzer, der seine Texte nachträglich kürzen oder umformulieren muss. All diese Detailfragen werden also schnell zum Zeit- und Kostenfaktor.

Ohne Kontext ist keine situative Arbeit möglich.

Für die Arbeit des Übersetzers ist Kontext nicht minder wertvoll als Wörterbücher, Glossare und Nachschlagewerke. Zu wissen, wie der Text in welcher Situation in welchem Format erscheinen soll, welche Muster die Leser oder Nutzer im Zielland an welcher Stelle gewohnt sind, welche Begrifflichkeiten sich durch die neuen Oberflächen, die unser Leben steuern, eingebürgert haben und erwartet werden, ist unerlässlich. Das gilt auch für Software-Übersetzungen.
Eine Excel-Datei allein kann diese Informationen nicht liefern.
Eine Möglichkeit besteht natürlich darin, dem Übersetzer in einer Spalte zusätzliche entsprechende Hinweise zu geben. Allerdings ist dies ein komplexer und nicht immer zielführender Weg: Neben dem erheblichen Zeitaufwand ist für den „Laien“ nicht immer erkennbar, was der Übersetzer wirklich braucht oder welche Stellen unklar sein könnten. Ob der Übersetzer wiederum die Kommentare richtig deuten und auf seine Aufgabe übertragen kann, ist ebenfalls nicht gesichert.

Wie Screenshots die Übersetzungsarbeit unterstützen können.

Ideal ist es, wenn der Auftraggeber neben der Excel-Datei Screenshots zur Verfügung stellt.
Der Übersetzer kann daran in Sekundenschnelle alles ablesen, was für ihn und den Zieltext relevant ist: Länge, Situation, Format, Nutzung.
Screenshots sind übrigens ganz allgemein für alle Texte, die auf einem Bildschirm gelesen werden sollen, eine sinnvolle Hilfe – dies gilt also auch für Website-Texte. Hier können Screenshots die kreative Komponente der Übersetzungsarbeit aktiv fördern, indem Fonts, Schriftgrößen, Farben, Platzierung des Textes und viele andere Elemente dem Übersetzer helfen, eine perfekte Harmonie zwischen Corporate Identity und Zielland zu erreichen und die dafür notwendige Distanz zum Ausgangstext und Nähe zum Zieltext entspannter ausleben zu können: Das Layout dient als Inspirationsquelle der zweisprachigen Kreativität – für noch erfolgreichere Texte in der internationalen Kommunikation.

Für eine hochwertige Übersetzung gibt es nach wie vor keine App und keinen Allzweckandroiden. Apps und Robots wiederum bleiben ohne eine gute Übersetzung nutz- und erfolglos. Letztere kann nur in feinfühliger und dezidierter Handarbeit auf dem ganzen Umfang der Klaviatur menschlicher Kommunikation entstehen. Und diese lässt sich in der Zweckmäßigkeit einer seelenlosen Tabelle verständlicherweise nur sehr ungenügend abbilden …

Layout und Text gehören untrennbar zusammen, das sollte auch bei Software-Übersetzungen nicht vergessen werden.

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Disruption, Industrie 4.0 – in unserer Zeit erfinden sich Branchen immer wieder neu und scheinen mit smarten Begriffen nur so um sich zu werfen. Ob es sich um Altes in einem neuen und etwas trügerischen Gewand oder um wirklich zukunftsweisende Entwicklungen handelt, ist nicht immer sofort auszumachen.

In der Übersetzungsbranche etwa geht seit einigen Jahren der Begriff der Transcreation verheißungsvoll um.

Wir erklären hier, was er bedeutet.

Transcreation: das Wort

Wie viele aktuelle Wortschöpfungen ist Transcreation ist ein Kofferwort, das sich aus „Translation“ und „Creation“ zusammensetzt, und bezeichnet also das sogenannte „kreative Übersetzen“. Hiermit soll zu allererst ein Unterschied betont werden: zwischen einerseits der Arbeit eines Fachübersetzers in technischen, juristischen oder medizinischen Themenbereichen, bei der Genauigkeit und Texttreue im Vordergrund stehen, und andererseits Spielarten der Übersetzungsarbeit, in denen der Übersetzer sich sehr deutlich vom Ausgangstext entfernen darf und soll, um seinen Text der Zielgruppe anzupassen.

Transcreation? Aber gab es das nicht schon immer?

Die Vermutung liegt daher nahe, dass es sich nicht wirklich um eine neue Form der Übersetzungsarbeit handelt: Gute Übersetzungen zeichnen sich schon lange dadurch aus, dass sie nicht wortwörtlich und um jeden Preis dem Ausgangstext folgen, sondern sich in Ausdrucksweise, Stil und Vorstellungswelt dem sprachlichen und kulturellen Hintergrund des künftigen Lesers anpassen.
Transcreation geht der Definition nach hier aber weiter: Slogans, Botschaften, Texte und sogar Inhalte werden auch den Marketinggepflogenheiten des Ziellandes entsprechend adaptiert.

Spielwiesen und Ziele der Transcreation

Demnach ist Transcreation dort gefragt, wo das Wesen, die Grundidee, die Botschaft, die Stimmung, die Ansprache eines Textes wichtiger sind als sein Wortlaut. Werbung, Marketing und Filmsynchronisation sind die wichtigsten Tätigkeitsfelder des Transcreators. Vereinfacht ausgedrückt: Transcreation ist das Werbetexten in der Zielsprache anhand eines Ausgangstextes.

Ist der Transcreator überhaupt noch Übersetzer?

Ein guter Übersetzer zeichnet sich durch seine interkulturelle Kompetenz und den Willen aus, sich ständig fortzubilden und die Entwicklung der Sprachen, in denen er arbeitet, niemals aus den Augen zu verlieren. Er muss sich stets der neuen sprachlichen Trends bewusst sein und sie gegebenenfalls gekonnt in seine Arbeit integrieren. Von diesem Standpunkt aus bringt ein professioneller Übersetzer durchaus „Skills“ ein, die für die Transcreation-Arbeit notwendig sind.
Doch die Kenntnisse eines Transcreators gehen weit darüber hinaus: Er muss in der Zielsprache die vollständige Aufgabe eines Werbetexters und Art Directors übernehmen können. Dies beinhaltet text- und werbepsychologische Kenntnisse und aktuellste Einblicke in die Marketingpraxis des Ziellandes.

Versprechen und Grenzen der Transcreation – ein kritischer Ausblick

Transcreation ermöglicht es einem Unternehmen, die Beauftragung einer Werbeagentur in jedem Zielland, in dem es tätig sein möchte, zu umgehen, und wird deshalb mitunter als Segen in der Bearbeitung der internationalen Kommunikation betrachtet.
Ein heikler Punkt ist dabei allerdings eines der wichtigsten Versprechen der Transcreation: der Erhalt der Markenbotschaft und der Erfolg der Werbung im Zielland.
Inwiefern die völlig neue Adaption an die Mentalität der Zielsprache die Bewahrung der Aussage ermöglicht, muss hinterfragt werden: Oft kollidieren nicht nur Begriffe oder Wortspiele einer Markenbotschaft mit den Gepflogenheiten des Ziellandes, sondern die gesamte Ausrichtung einer Werbekampagne ist in Form, Inhalt, Denkart oder Humor ungeeignet. Hier kann nichts angepasst oder übersetzt, geschweige denn bewahrt und vermittelt werden. Ein Briefing mit entsprechender Beratung ist notwendig – Creation statt Translation.
Wird die Markenbotschaft wiederum klar erhalten und bleibt die Mentalität des Unternehmens und seines Landes auch als Teil der Werbung bewusst erkennbar, handelt es sich schlicht um eine Übersetzung.
Ist eine Transcreation gewünscht, ist es daher wichtig, dass der Auftraggeber seine Erwartungen so präzise wie möglich beschreibt und sich auf einen entsprechenden Dialog mit dem Übersetzer und der Agentur einlässt.

Transcreation ist also nicht nur ein Kofferwort, sondern auch ein Sammelbegriff.

Für eine Vielzahl von Nuancen und Stufen der Marketingübersetzung – ein Sammelbegriff, der ohne Zweifel zur Reflexion anregen sollte und auch das Selbstverständnis des Übersetzers möglicherweise nachhaltig neu definieren wird.

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