Fachübersetzungen eurolanguage Wien

Es ist schon seltsam: Wir Übersetzer arbeiten in einer Branche, die es im Grunde nicht mehr gibt.

Seien wir ehrlich: Der Hype der 1990er Jahre um die schillernde und alles versprechende Welt der Dienstleistung ist Geschichte. Dienstleistungen haben längst aufgehört, sexy zu sein, und werden nicht selten als schrulliges Relikt einer vergangenen Epoche eher müde belächelt. Doch ist es wirklich so? Werden Übersetzungs-Dienstleistungen einfach nicht mehr gebraucht? Sind wir nur noch ein verstaubtes Kuriosum in der disruptiven Wirtschaftswelt?

Was war denn eigentlich „Dienstleistung“?

Dienstleistung verstand sich zu jenen glanzvollen Zeiten in erster Linie als Dienst am Kunden. Es ging darum, Kundenwünsche zu erfüllen. Der Dienstleister sah sich als gute Seele, als Butler, und war zu allem bereit: Hingabe, Einsatzwille, eine gewisse Demut und gewollte oder akzeptierte Unsichtbarkeit bildeten die Eckpunkte einer Arbeitseinstellung, deren Stolz in der Zufriedenheit des Kunden kulminierte. Für uns Übersetzer galt dies in ganz besonderem Maße. Wir waren diejenigen, die Grenzen überwanden, Internationalität ermöglichten, Tore zu anderen Welten aufstießen. Die fleißigen Ameisen im Hintergrund waren wir gern, und die Ameisenhaufen in Form von Übersetzungsagenturen schossen wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden – es konnten auch gar nicht genug sein, um die überwältigende Nachfrage zu befriedigen.

Ist Übersetzung als Dienstleistung obsolet?

Solche Aufgaben erscheinen heute recht überflüssig. Die Welt ist ein Taschentuch geworden, in dem jeder mit jedem auf irgendeine Weise schon vernetzt ist oder es auf Knopfdruck werden kann, Software und Apps stehen in Hülle und Fülle zur Verfügung, und Online-Dienste bieten in Sekundenschnelle Übersetzungen an. Dem Übersetzer als (Sprach)Mittler und Brückenbauer wird oft vor Augen geführt, wie einfach auch ohne ihn alles gehen könne. Tatsächlich könnte man angesichts der viel gerühmten Fortschritte der sogenannten Künstlichen Intelligenz schnell Angst bekommen, man habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt und würde ähnlich wie wandernde Regenschirmflicker und Messerschärfer in einem sinnlos gewordenen Beruf verharren.

Sprache ist nicht Mathematik

Die Fakten sehen anders aus. Allen Versprechungen und Prophezeiungen entgegen sind im Internet kostenlos verfügbare Übersetzungsprogramme noch sehr weit davon entfernt, wirklich verwendbare, geschweige denn hochwertige Übersetzungsergebnisse zu liefern. Sprache ist weit differenzierter und daher schwerer zu erfassen und wiederzugeben, als Naturwissenschaftler, Physiker und Programmierer es gerne hätten. Der Weg zu einer perfekten Übersetzung von Computerhand scheint zum jetzigen Zeitpunkt wenn nicht endlos, doch sehr, sehr lang und beschwerlich. Automatische Übersetzungen mögen bestenfalls zur groben Orientierung über die Inhalte eines Textes informieren können, veröffentlichungsreife Texte können sie nach wie vor nicht bieten. Jeder, der versucht hat, ein einfaches Anschreiben oder eine Gebrauchsanweisung zum besseren Verständnis auf diese Weise übersetzen zu lassen, weiß um die Unzulänglichkeiten dieser Lösung, die nicht selten zu zwerchfellentspannenden Lachanfällen führen.

Qualität ist Wachstum

Dass eine gute Übersetzung Handarbeit bleibt, ist keine Frage traditionalistischer oder ewiggestriger Denkmuster, sondern eine qualitative Notwendigkeit: In einer von Wettbewerb, Agilität, Image, permanenter Vergleichbarkeit und immer höheren Ansprüchen geprägten Wirtschaft kann sich de facto kein Unternehmen leisten, durch schlechte Texte aufzufallen. Das Unternehmensbild muss heutzutage im Ganzen stimmen und gerade eine perfekte Kommunikation ist im B2B wie im B2C ein wichtiger, vielleicht der wichtigste Baustein des Erfolgs. Texte, die sprachlich einwandfrei, der Zielgruppe angepasst und kundengewinnend sind, schaffen Vertrauen und sind der wirtschaftliche Faktor, der zwischen sicherem, zukunftsführendem Geschäft und verzweifeltem Dumpingpreiszwang entscheidet.

Übersetzung – von Mensch zu Mensch

Kommunikation und Übersetzung sind eine Sache zwischen Menschen. Und nur der Mensch weiß, wie es wirklich geht. Übersetzung impliziert auch präzise landeskundliche Kenntnisse, ein tiefes psychologisches Verständnis der Zielgruppe und ihrer Erwartungen und ein feines, ja seismographisches Gespür für die Wirkung und Rezeption eines Textes. Eine Übersetzung entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie ist das Zusammenspiel vieler Facetten, die nur richtig zusammenkomponiert das gewünschte Ergebnis und den angestrebten Erfolg bringen.
Hierbei beschränkt sich die Aufgabe des Übersetzers und der Agentur bei weitem nicht auf die bloße Bearbeitung des Textes. Persönliche Beratung und Rücksprache sind ebenso Teil des Prozesses. Gerade für Übersetzungen, die in Marketing und Corporate Image eingesetzt werden und daher emotionale Seiten der Business-Kommunikation berühren, ist ein konsequenter und feinfühliger Dialog unerlässlich.

Übersetzung – von der Dienstleistung zur Partnerschaft

Tatsächlich sind die Entwicklungen der letzten Jahre nicht spurlos an der Übersetzungsbranche vorbeigegangen. Mit der zunehmenden Bedeutung der internationalen Kommunikation im globalisierten Wettbewerb hat sich die Übersetzung von der servilen Dienstleistungseinstellung der 1990er Jahre befreit. Der Übersetzer versteht sich nicht mehr allein als Linguist, sondern als kompetenter Experte, aufmerksamer Ansprechpartner, präsenter Berater und aktiver Mitgestalter des Unternehmenserfolgs. Die Arbeit im Dienste des Kunden bleibt und wird nirgends mehr als in der Übersetzungsbranche zu einem wertvollen wirtschaftlichen Beitrag auf höchstem Niveau. Wir sehen es als unsere Aufgabe, die Bedürfnisse des Kunden zu antizipieren und ihn zu unterstützen, seine Arbeit und sein Leben zu erleichtern. Wir möchten mehr als das Wohlwollen des Kunden, wir möchten die Ermöglicher seines Erfolgs sein. Indem sich die Übersetzungsbranche von dem Wort „Dienstleistung“ verabschiedet, zeigt sie auf eindrucksvolle und selbstbewusste Weise, wie konstruktiv und unentbehrlich Partnerschaft in der internationalen Unternehmenskommunikation geworden ist.

Aller Selbstbedienung zum Trotz: Manches bleibt, und vermeintlich alte Werte kommen nicht aus der Mode. Für den Kunden alles zu tun und das Unmögliche wahr zu machen, gehört weiterhin dazu.
An dieser Stelle sei etwas Hochmut erlaubt. Die erfreuliche Wahrheit ist: Übersetzer sind nicht nur wegen des Lokalkolorits, aus Gewohnheit oder aus Verbundenheit und Mitleid mit einem alten Handwerk noch da. Wir sind noch da und mehr denn je, weil es ohne uns schlichtweg nicht geht. Weil wir auf dem internationalen Parkett der einzige Garant für Qualität und Erfolg sind und bleiben.

Die Dienstleistung ist tot – es lebe die Dienstleistung.