Der Übersetzer / Translator

Er nennt sich „Translator“.

Er trägt kein Cape und keine magischen Sprungstiefel. Er sitzt bescheiden am Schreibtisch vor Tastatur und Bildschirm. Gerade überträgt er einen Text in seine Muttersprache. Möglicherweise liegt ein Ausdruck des Ausgangsmaterials neben ihm, und er wirft ihm immer wieder einen prüfenden Blick zu. Er tippt, hält inne, überlegt stirnrunzelnd, tippt wieder, liest, nimmt vielleicht einen Schluck aus der zu seiner Linken stehenden Kaffeetasse. Was er tut, mag unscheinbar und wenig aufregend anmuten, und doch ist er als Retter in der Not immer zur Stelle. Aber wer ist überhaupt dieser „Translator“?

Tatsächlich gibt es nicht DEN Übersetzer.

Vielmehr birgt seine Arbeit ein Kaleidoskop aus unterschiedlichsten Ansätzen, die bereits allein genommen jeweils einen vollständigen Beruf ausmachen würden.

1. Der Übersetzer als Linguist und Textwissenschaftler

Selbstverständlich sind Wort, Sprache und Text das Hauptmaterial des Übersetzers. Hierbei übernimmt er unterschiedliche Funktionen und braucht ein breites Spektrum an Kenntnissen und Skills. Sein Verständnis und seine Interpretation des Ausgangstextes müssen so sicher sein wie eine ärztliche Diagnose. Ebenso muss die Umsetzung in die Zielsprache semantisch, syntaktisch und stilistisch höchsten Ansprüchen genügen, ja Perfektion erreichen. Wie bei einem Linguisten und Textwissenschaftler ist sein Ansatz gleichermaßen von rezipierenden Tätigkeiten der Textanalyse als auch von schöpferischen Aspekten der Textgestaltung und des Schreibens geprägt.

2. Der Übersetzer als Spezialist

Neben dieser allgemein eher als selbstverständlich erachteten Kompetenz wird vom Übersetzer in seinem thematischen Arbeitsbereich die gleiche Qualifikation erwartet, die auch der Verfasser des Ausgangstextes und der Leser des Zieltextes mitbringen. Er ist also nicht nur Linguist, sondern je nach Fachbereich gleichermaßen Techniker, Jurist, Wirtschaftswissenschaftler. Ohne dieses präzise „Insiderwisser“ wäre eine zielführende Übersetzung, die den Wert eines Originals annimmt, nicht möglich. Terminologie, Duktus und Gepflogenheiten der Fachsprache im Zielland müssen bis ins kleinste Detail und uneingeschränkt zuverlässig beherrscht werden.

3. Der Übersetzer als Diplomat

Sprachmittler zu sein, bedeutet auch immer Kulturmittler zu sein. Nicht nur in der offensichtlichen Situation des Dolmetschens auf dem politischen Parkett ist diplomatisches Geschick ein wichtiges Instruments des Übersetzers. Die vermeintlich einfache Aufgabe, Korrespondenz und Kommunikationsmaterial zu übertragen, beinhaltet in Wirklichkeit eine Vielzahl von Prozessen, die erst den Erfolg des Zieltextes gewährleisten: Die zweifelsfreie Einschätzung des Sprachniveaus in beiden Sprachen, die genaue Kenntnis der Unterschiede in Etikette, Geschäftspraktiken, Floskeln und kaufmännischen Erwartungen gehören dazu. Von ebenso unschätzbarem Wert ist die Fertigkeit, die Qualität einer persönlichen Beziehung zwischen Geschäftspartnern durch das übersetzte Wort sicher und verzerrungsfrei wiederzugeben.

4. Der Übersetzer als Psychologe

Ergänzt wird das diplomatische Geschick eines Übersetzers oder Dolmetschers durch das feinfühlige Talent, das Unterbewusste zwischen den Zeilen zu erspüren und zu vermitteln. Jenseits des Wortes muss auch das Nonverbale übertragen werden – etwa unterschwellig Ausgedrücktes wie Stimmung, Laune, die gegebenenfalls wahre Textabsicht hinter der Höflichkeit. Im Bereich der persönlichen Kommunikation, aber auch in Werbung und Marketing sind diese Faktoren von zentraler Bedeutung.

5. Der Übersetzer als ewiger Student

Agilität und Lernbereitschaft sind nicht nur Schlagwörter und Ausdruck idealer Vorstellungen unserer Zeit. Für Übersetzer sind sie längst üblich und ein unentbehrlicher Teil des Arbeitsalltags. Zu sagen, dass der Übersetzer sich stets auf dem Laufenden halten soll und muss, ist beinahe eine Untertreibung.

Selbst und gerade in unserer schnelllebigen Welt verändert sich nichts so schnell wie die Sprache. Neologismen zeugen von Entwicklungen und Produktneuheiten. Die soziokulturelle Änderung von Sprachgebrauch und Gewohnheiten im zwischenmenschlichen und kommunikativen Umgang – etwa in Anreden und Gepflogenheiten der Korrespondenz – erfordert eine immer schnellere Anpassung.

Immer neue Technologien bringen eine Fülle von Fachbegriffen hervor, die sich der Übersetzer praktisch im Augenblick ihrer Entstehung nahtlos aneignen muss.

Dies erfordert ein ungewöhnlich lebendiges und nie nachlassendes Interesse für Sprache und Dinge, für Aktualität und Wandel … und viele, viele Lesestunden.

6. Der Übersetzer als Philosoph

„Erkenne Dich selbst“ fordert die berühmte Inschrift am Apollotempel von Delphi. Sie gilt für Übersetzer in ganz besonderem Maße. Studium und ständige Fortbildung bedeuten nicht, dass der Übersetzer in allen Detailpunkten seiner bevorzugten Themenbereiche allwissend ist. So muss sich ein Fachübersetzer für Handels- und Gesellschaftsrecht im Strafrecht nicht notwendigerweise ebenso wohl fühlen. Wer sich auf Maschinenbau spezialisiert hat, ist möglicherweise im Bereich Elektrik nicht so firm. Die eigenen Stärken, aber auch Grenzen und Schwächen zu kennen, ist ein wichtiger Teil eines einwandfrei seriösen und professionellen Verhaltens.

Auch was das täglich mögliche und zumutbare Auftragsvolumen betrifft, muss sich der Übersetzer nicht nur seiner Kapazitäten, sondern auch seiner privaten und gesundheitlichen Rahmenbedingungen bewusst sein und sie miteinzubeziehen wissen.

7. Der Übersetzer als Kaufmann

Ihnen als Kunden mag es zunächst gleichgültig sein, ob Ihr Übersetzer auch ein guter Kaufmann ist. Ob er seine Buchhaltung in Ordnung hält oder seine Preisgestaltung ihm ein ausreichendes Einkommen ermöglicht, geht Sie nichts an und interessiert Sie vermutlich auch nicht.

Das sollte es aber.

Zum kaufmännischen Aspekt des Übersetzens gehört in erster Linie die Fähigkeit, den Arbeitsaufwand eines Auftrags sicher einschätzen zu können. Textvolumen und -schwierigkeit müssen vorab routiniert beurteilt werden, damit angekündigte Termine und Lieferfristen eingehalten werden können und Sie als Kunde vor unliebsamen und unter Umständen kostspieligen oder gar imageschädigenden Verzögerungen geschützt sind.

Ebenso muss der Übersetzer in der Lage sein, die Kosten, die für seine Arbeit anfallen werden, verbindlich und definitiv anzugeben. Nur so können Ihre Projekte ohne unangenehme Überraschungen planbar und realisierbar sein.

Die Skills, die wichtigsten Waffen, die ein guter Übersetzer besitzen und in sich vereinen muss, spiegeln in ihrer Vielseitigkeit die ganze Komplexität dieses Berufs wider. Trotz dieser breit gefächerten und oft beeindruckenden Spezialisierung arbeiten Übersetzer und Dolmetscher stets im Hintergrund und verrichten bescheiden, ganz unbemerkt und wie selbstverständlich ihre Arbeit.

Als Dienstleister im engsten Sinne des Wortes stehen sie buchstäblich Tag und Nacht zum Wohle anderer – in den meisten Fällen Ihres Unternehmens – zur Verfügung. Um Ihnen zu helfen und zu Ihrem Erfolg beizutragen, vergessen sie nicht selten auch den Feierabend, verschieben Privates und machen für Ihre internationale Kommunikation das Unmögliche möglich.

Ganz im Sinne der klassischen Superhelden also …

Wir lieben unseren Job als Übersetzer und freuen uns, Ihnen unsere „Superkräfte“ zur Verfügung stellen zu dürfen.