Interkulturelle Kompetenz in der Übersetzungsarbeit - Übersetzungsbüro eurolanguage

Interkulturelle Kompetenz – Vielfalt und Feinheiten in der Sprache umsetzen.

Kulturelle bzw. interkulturelle Kompetenz ist eines der Stichwörter unserer Zeit und wird gern politisch inszeniert.

So ist das Thema unter anderem verstärkt im Erziehungswesen aktuell, wo zum einen Xenophobie und Vorurteile vom Kindergarten an vermieden oder bekämpft werden, zum anderen Kindern so früh wie möglich ein Eindruck der unendlichen Vielfalt unserer Welt und der unzähligen beruflichen Möglichkeiten vermittelt werden sollen, die sich daraus ergeben. In der Übersetzungsbranche aber ist interkulturelle Kompetenz eine seit Urzeiten gelebte Realität und ein unerlässliches Skill.

Die Bezeichnung „interkulturelle Kompetenz“ im allgemeinen Sprachgebrauch

Begriffe mit starker Medienpräsenz haben es schwer: Sie werden so oft verwendet, dass ihre eigentliche Bedeutung nicht mehr hinterfragt wird und die Inhalte hinter der Floskel bald verblassen. So kann es sinnvoll sein, sie ab und zu genauer zu betrachten und über das nachzudenken, was sich hinter dem scheinbar Selbstverständlichen verbirgt.
Interkulturelle Kompetenz bedeutet in erster Linie die Fähigkeit, den Unterschieden zwischen meiner Kultur und der Kultur des Anderen, zwischen seinen Denkmustern, Gepflogenheiten, Gewohnheiten, Wertvorstellungen und meinen mit Offenheit, Verständnis und Toleranz zu begegnen – sozusagen die Andersartigkeit einer fremden Kultur zugleich zu erkennen und zu respektieren. Dabei muss es sich nicht um religiöse Überzeugungen oder ethisches Gedankengut handeln. Auch Kleinigkeiten des Alltags gehören dazu.

Keine gute Übersetzung ohne interkulturelle Kompetenz

In der Übersetzungsbranche und der internationalen Kommunikation ist oft von der Notwendigkeit (inter)kultureller Kompetenz die Rede, und Agenturen und Freelancer werben bei jeder nur denkbaren Gelegenheit aufdringlich und gebetsmühlenartig mit genau diesem Skill. Doch was ist gemeint?

Muttersprachler wissen mehr – der psycholinguistische Hintergrund

Dass für eine hochwertige Übersetzung der Übersetzer Muttersprachler sein sollte, hat nicht nur sprachliche Gründe.
In der Psycholinguistik ist bekannt, dass der Begriff „Baum“ je nach Kulturkreis zu sehr unterschiedlichen Assoziationen führt. Ein Chinese, ein Kenianer, ein Italiener und ein Schwede, die jeweils gebeten werden, eine kleine Skizze eines Baumes zu zeichnen, werden unabhängig von ihrer individuellen künstlerischen Begabung ganz unterschiedliche Bäume malen. Jede Region der Welt, ob von geopolitischer Größe oder vom viel geringeren Ausmaß eines Landstrichs, „denkt“ bei dem Wort „Baum“ an etwas anderes. Diese Unterschiede können sehr klein oder sehr ausgeprägt sein.
Soll eine Übersetzung im Zielland eine bestimmte Vorstellung auslösen, wie dies zum Beispiel bei Marketing- und Präsentationstexten gewünscht ist, ist nicht zuletzt deshalb die Bearbeitung durch einen Muttersprachler unerlässlich. In der Übersetzungsbranche bedeutet kulturelle Kompetenz also auch Marketingkompetenz für das Zielland und genaue Kenntnis der Denkmuster der Zielgruppe.

Kulturelle Kenntnisse als diplomatisches Werkzeug der internationalen Kommunikation

Arbeits- und Geschäftsmentalität, Höflichkeitsrituale, Bräuche, Gepflogenheiten, Umgangssprache und Etikette, Netikette spielen in der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen in unterschiedlichen Ländern eine zentrale Rolle. Dies betrifft sowohl die Beziehung zu Kunden und Geschäftspartnern auf Augenhöhe, als auch den Umgang mit Mitarbeitern ausländischer Tochtergesellschaften. Zu wissen, was in welcher Form zu welchem Zeitpunkt gesagt werden darf, sollte oder muss, um bestimmte Inhalte verständlich, eindeutig, effizient und verhältniserhaltend wiederzugeben, um einen bestimmten Eindruck zu hinterlassen oder ein geschäftliches Ziel zu erreichen, gehört zu den wichtigen Aspekten der Qualifikation eines Übersetzers.
Ein guter Übersetzer ist also direkt – durch den bewussten Dialog mit dem Kunden zu seinem Auftrag oder etwa im Vorfeld eines Dolmetschereinsatzes – und indirekt – während der Bearbeitung von Texten – immer auch Kulturberater mit diplomatischem Geschick und einer erheblichen linguistischen emotionalen Intelligenz.

Aspekte interkultureller Kompetenz in der Übersetzung

In der nicht mehr sehr häufigen Informationsübersetzung diente kulturelle Kompetenz dazu, jenseits des Wortlauts deutlich zu machen, was der Sprecher nicht nur gesagt, sondern vor allen Dingen zwischen den Zeilen gemeint hatte. Die Arbeit des Übersetzers war hier zugleich Interpretation und Erklärung.
Heute liegt der Schwerpunkt darin, Textabsichten im Interesse des Kundenerfolgs zielgruppengerecht umzusetzen. Im Marketing und in der Lokalisierung ist hierfür ein kreativer Ansatz notwendig. Aber auch Fachübersetzer, die sich mit Themenbereichen wie Technik, Finanzen und Recht auseinandersetzen, könnten ohne ein hohes Maß an interkultureller Kompetenz keine sinnvolle und gute Arbeit abliefern: Werden in einem Land Werkzeuge nach ihrer Form und Größe bezeichnet, spiegelt in einem anderen der Werkzeugname eher die Funktion wider. Auch „Brutto“ und „Netto“ oder ein so wichtiger Begriff wie „Garantie“ sind international nicht einerlei und können durchaus missverstanden werden, wenn nur wörtlich und ohne weiteres Detailwissen übersetzt wird.

Interkulturelle Kompetenz ist also weder lediglich eine aus Globalisierung und Flüchtlingskrisen erblühte neumodische Erscheinung, noch ein Instrument der anthropologisch-ethnologischen Forschung, noch vor allem eine Einbahnstraße: Sie ist ein Scharnier in der Vermittlung unterschiedlicher Inhalte, Vorstellungen, Werte und Ideen zwischen Menschen und Ländern, in der übertragenden Abbildung unterschiedlicher Realitäten und Kontexte – und somit das Wesen der Übersetzungsarbeit selbst.
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