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Oder was hat der Frühling mit Übersetzungen zu tun?

Seit einigen Tagen schon sind die Kraniche aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt, im südeuropäischen Raum blühen bereits die Mimosen. Auch bei uns lösen die Krokusse die Schneeglöckchen ab, und mancher Gärtner blickt erfreut und kritisch zugleich auf die ersten Grasbüschel. Der Frühling stellt sich langsam ein. Kein Wunder also, wenn gerade jetzt in Deutschland das dramatische Insektensterben zum Politikum wird und wenn diese Monate des Jahres auf der Nordhalbkugel traditionell die Zeit der großen Umwelt- und Energiemessen sind: Die Natur wird nach langen trüben Monaten präsenter und erscheint uns gerade jetzt, da das zarte Grün uns wieder erlöst, besonders wertvoll und schützenswert.

Übersetzer nehmen dabei eine unersetzliche Rolle ein.

Die Wissenschaft spricht Englisch – oder?

Forschung und Entwicklung sind im Bereich der Neuen Energien und der Ökologie auf den ersten Blick kein notwendigerweise übersetzungsrelevantes Thema: Der Austausch unter Wissenschaftlern erfolgt bekanntlich hauptsächlich in englischer Sprache, und selbst Texte aus dem asiatischen Raum werden beinahe standardmäßig von vornherein in einer englischen Version geschrieben.

Dies trifft zumindest auf die Grundlagenforschung zu.

Verlässt Wissen allerdings den begrenzten Lebensraum der Theorie, um in der Praxis konkrete Anwendung zu finden, muss es auf die verständlichste Weise vermittelt werden, und dies impliziert unter anderem eine rasche und ausgedehnte sprachliche Differenzierung. Die allgemeine Verbreitung in der Öffentlichkeit bis hin zum Endverbraucher schließlich erfordert die Möglichkeit eines einfachen Zugangs nicht nur in allen sogenannten Weltsprachen, sondern auch in allen Zielsprachen.

Ein enormes Textaufkommen

Umweltschutz und die Notwendigkeit, angesichts schwindender Ressourcen neue Energiequellen zu erschließen, haben zu einer rasanten Entwicklung neuer Technologien geführt. Auch wenn Veröffentlichungen in unserer heute digitaleren Umgebung seltener optisch als Papierberge wahrgenommen werden, sind die Textmengen, die sich aus einer immer rascheren und wettbewerbsgetriebenen Innovationsarbeit ergeben, schier unermesslich und sie folgen in Inhalt und Chronologie dem Weg der Neuerungen hinter und vor den Kulissen: White Books, wissenschaftliche und technische Grundlagenpublikationen, Förderanträge und Ausschreibungen, Patente, Handbücher und Betriebsanleitungen, aber auch Pressemitteilungen und Marketingmaterial über immer neue Ideen, Auswertungen, Prognosen, Verfahren, Maschinen und Produkte zeugen von Entstehung und Wirklichkeit eines neuen Zeitalters.

Neue Technologien erfordern eine neue Terminologie – der Übersetzer als Wissenschaftler und Pionier

Viele dieser Innovationen sind uns mittlerweile vertraut. BHKW, Windräder und E-Mobilität sind in aller Munde, Brennstoffzellen und Wellenkraftwerke werden in Nachrichtensendungen und Dokumentationen immer häufiger thematisiert, und Fachzeitschriftenleser wissen bereits von den Versuchen, Plankton und Algen in eine ökologische Energie- und Nahrungsgewinnung einzubeziehen.

Zu oft wird allerdings die Pionierrolle vergessen, die Übersetzer hierbei spielen.

Jede Erfindung braucht einen prägnanten Namen, wenn sie weltweit bekannt werden soll. In allen Sprachen. Nicht selten arbeiten hier Fachjournalisten, Ingenieure und Übersetzer, teils gezielt, teils unbewusst, Hand in Hand.
Die ursprüngliche Bezeichnung einer Technik, eines Verfahrens, eines Gegenstands und die entsprechenden Beschreibungen in Fachliteratur und Presse müssen in allen notwendigen Zielsprachen wiedergegeben und angepasst werden. Bei der Geburt dieser Neologismen muss der jeweilige Übersetzer nicht nur bereits sehr profunde Kenntnisse des Themenbereichs mitbringen, sondern sich sehr aktiv und eigenverantwortlich ins Detail der neuen Materie einarbeiten, um passende Begriffe anbieten zu können, die präzise, fundiert, aber auch aussagekräftig genug sind, um sich mit einer gewissen Selbstverständlichkeit in die Alltagssprache einzufügen und zugleich langfristig erhalten und geläufig zu bleiben. Bei dieser Aufgabe ist der Übersetzer gleichermaßen Linguist, Lexikograph, Wissenschaftler und Texter.

Immer schneller Richtung morgen – Agilität in der Übersetzung

Um die Vielfalt dieser Funktion erfüllen zu können, muss der Übersetzer in der Lage sein, mit dem zuweilen schwindelerregenden Tempo der Entwicklungen mitzuhalten.

Dies bedeutet zum einen eine konsequente Neugier und den beständigen Willen, sich kontinuierlich und eigenständig fortzubilden. Gerade in unserer globalisierten Welt strömen die Informationen von allen Seiten herein, und gute Übersetzer werden es tatsächlich nicht müde, diese Flut an Wissen zu entdecken, zu sortieren und zu verinnerlichen. Vielmehr betrachten sie eben diesen Aspekt als einen der spannendsten ihres Berufs.

Eine rasche Auffassungsgabe und eine hohe Kommunikationsbereitschaft und -fähigkeit sind ebenfalls ein Muss: Unüberschaubare und komplexe Sachverhalte müssen in der Sekunde begriffen und beherrscht werden, in der sie entstehen, Rücksprache auf Augenhöhe mit Quellen und Referenz-Ansprechpartnern kann hierzu unerlässlich sein.
Es ist diese Agilität, die es Wissenschaft und Ingenieurwesen ermöglicht, Kenntnisse, Entdeckungen und Know-how unmittelbar zu teilen, und die dem Fortschritt erst den Weg bahnt.

Indem sie Brücken nicht nur zwischen Sprachen, sondern im Bereich des Umweltschutzes und der Neuen, Erneuerbaren Energien auch zwischen Wissenswelten und Technologien einerseits und Begründern und Öffentlichkeit oder Verbrauchern andererseits bauen, werden Übersetzer also zum unersetzlichen Sprachrohr und Botschafter des Blauen Planeten und erfüllen einmal mehr eine Verständigungs- und Friedensmission der besonderen Art, auf die sie – so finden wir jedenfalls – unendlich stolz sein dürfen.

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