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Eine professionelle Internationalisierung des Webauftritts ist für eine erfolgreiche Entwicklung des Auslandsgeschäfts unerlässlich – dessen sind sich alle Unternehmen bewusst. Allerdings wird dabei zu oft vergessen, dass eine deutsche Website in den meisten Fällen in erster Linie für deutsche Kunden geschrieben und gestaltet wurde.
Inhalte, aber auch die Seitenstruktur, Sprachebene, Claims, optische Gestaltung und relevante Keywords wurden für die deutsche Zielgruppe und ihre Suchgewohnheiten gewählt. Im Ausland „funktionieren“ sie also nur bedingt, mitunter gar nicht, d.h. sie generieren kein Geschäft. Die Lösung sind suchmaschinenoptimierte Übersetzungen.

Warum SEO im Übersetzungsbereich ein Thema ist oder sein sollte

Sprachkulturelle Kompetenz ist erst der Anfang

Eine gute Übersetzung Ihrer Website sollte selbstverständlich sprachlich und stilistisch einwandfrei sein. Das bedeutet, dass sie nicht nur im grammatikalischen Sinne fehlerfrei zu sein hat, sondern auch, dass sie sich so lesen muss, als sei sie im Zielland geschrieben worden. Dies wiederum geht über den rein sprachlichen Aspekt weit hinaus: Interkulturelle Kompetenz ist eine ganzheitliche Fähigkeit, die text- und sprachpsychologische Kenntnisse mit landes- und marketingkundlichen Komponenten verbindet. Übersetzer müssen gerade für die Übersetzung von Websites eine Vielzahl von Fertigkeiten und ein umfassendes Hintergrundwissen vorweisen.

Lokalisierung ohne internationale SEO ist wie ein Bogen ohne Pfeile

Mit dem Jahrtausendwechsel kam in der Übersetzungsbranche der Begriff „Lokalisierung“ auf, der eine weitere Stufe der sprachkulturellen Textarbeit bezeichnen sollte. Multilinguale Websites sollten so auch technisch und in der Struktur mit den Erwartungen in den Zielländern in Einklang gebracht werden. Navigationselementen wie Menus, Formularfeldern, Suchoptionen und automatischen Kommunikationsmitteln wurde dabei besondere Aufmerksamkeit geschenkt, auf dass sie den Gesamteindruck des virtuellen Auftritts bis ins letzte Detail abrundeten.
In der heutigen Zeit aber genügt diese Perfektion nicht allein: Die Internet-Seite muss im Zielland auch gefunden werden können, sonst war der schönste Text umsonst.

Unterschiedliche Länder – unterschiedliche Suchmaschinen

In Deutschland ist die Lage klar: Ein suchmaschinenoptimierter Text bedeutet in erster Linie ein für Google optimierter Text. Auch wenn Google als weltweiter Marktführer angesehen wird und diese Tendenz in der Tat europaweit zu beobachten ist, sind hier auch feine Unterschiede zu berücksichtigen. In den romanischen Ländern und in Japan etwa wird Yahoo nach wie vor relativ häufig genutzt, und in Frankreich zum Beispiel bieten die zwei größten Provider ein eigenes System. Im angelsächsischen Raum ist Bing eine beliebte Alternative. In Russland wird mit Yandex gesucht, in China mit Baidu, in anderen Teilen Asiens mit Naver. Nur wenn der Sprachdienstleister, der sich mit der Internationalisierung der Seite befasst, mit den entsprechenden Algorithmen vertraut ist und permanent und systematisch den neuesten Entwicklungen folgt, kann Ihre Website den gewünschten Erfolg erreichen.

SEO-Übersetzungen in der Praxis

Mit dem richtigen Übersetzer fängt es an

Übersetzer, die mit der suchmaschinenoptimierten Übertragung Ihrer Website betraut werden, sind mehr als nur marketingaffine Fachübersetzer. Sie müssen sich für SEO interessieren, die strategischen Wandel in den verschiedenen Branchen genauestens verfolgen und unaufhörlich lesen, um Kunden- und Suchverhalten in Echtzeit wahrzunehmen. Sie sind mit dieser Problematik (auf)gewachsen und betrachten sie als Teil ihrer Übersetzungstätigkeit, nicht als Fremdkörper und Zusatzaufgabe. Sie leben idealerweise im Zielland, und für sie gehört dieser Themenbereich zu den selbstverständlichen Aspekten einer Website-Übersetzung.

Beratung ist ein essentieller Teil eines SEO-Übersetzungsauftrags

Ihre Zielgruppe im Ausland wird nicht notwendigerweise mit Ihren Kunden im Inland vergleichbar sein. Es kann sein, dass sie sich nur durch geschäftskulturelle Eigenschaften unterscheiden. Es kann aber auch sein, dass Sie selbst für Ihr Geschäft in einem bestimmten Land präzise Vorstellungen und Ziele haben. Eine Projektabwicklung im Dialog zwischen Übersetzungsagentur und Kunden ist hier unerlässlich, um konkrete Rahmenbedingungen und Vorgaben abstecken zu können.

Die richtigen Keywords im Zielland

Mentalitäten, Geschäftspraktiken und Verbraucherverhalten sind bei aller Globalisierung von Land zu Land verschieden. Dies hat natürlich Einfluss sowohl auf die ungeschriebenen Gesetze in der Selbstdarstellung von Unternehmen, als auch auf die Suchgewohnheiten der Nutzer. Keywords, die im deutschen Sprachraum zum Erfolg führen, können in einem anderen Land wirkungslos bleiben. Dies zu wissen, ist für Ihren internationalen Erfolg unentbehrlich.

Was internationalisierte Gestaltung und SEO bedeuten

Unter Umständen muss die Anpassung Ihrer Website sehr weit gehen, und es kann vorkommen, dass Überschriften und Menus vollständig umstrukturiert und neu erdacht werden müssen. Suchmaschinen und Besucher müssen die Landmarken vorfinden können, die für sie jeweils gebräuchlich sind und somit erwartet werden. Die Arbeit des SEO-Fachübersetzers beschränkt sich nicht auf die sichtbaren Elemente Ihrer Website. Auch die Metadaten, ihr Format und ihre Länge müssen berücksichtigt werden.

Umfangreiche Recherchen

SEO-Erfolg ist neben einer gründlichen Keyword-Analyse auch Ausdruck von Authority und somit von Textqualität, Inhaltsmehrwert und Einzigartigkeit. Was auf Ihrer Original-Website sorgfältig umgesetzt und optimiert wurde, muss auch für Ihre internationalen Auftritte gewährleistet werden. Dies erfordert einen ausführlichen „Background-Check“, der die Entwicklung Ihrer ganz persönlichen Branche bzw. Nische und Ihrer unmittelbaren Konkurrenz im Zielland mit einschließt.

Sprachkulturelle Unterschiede als Bestandteil der SEO-Arbeit

In und an diesem Punkt schließt sich der Kreis zwischen dem traditionellen Hintergrund des Übersetzers und den Erfordernissen der Online-Auffindbarkeit. So ist etwa nicht nur relevant, sondern entscheidend, ob Ihre Zielgruppen im englischen Sprachraum australisches, südafrikanisches, britisches, amerikanisches oder indisches Englisch lesen wollen, ob Ihre französischsprachigen Wunschkunden in Belgien, Frankreich, Kanada, Afrika oder der Schweiz ansässig sind. Dies einzubeziehen, ist auch Teil unserer Arbeit – ein sehr vertrauter Teil sogar, denn daran hat sich in den letzten 100 Jahren nichts geändert.

 

SEO-Übersetzungen sind im B2B und im B2C gleichermaßen ein essentieller Faktor des Erfolgs auf internationaler Ebene. Suchmaschinenoptimierte Internationalisierung ist hier die natürliche Fortführung und dabei eine neue, für uns Übersetzer absolut spannende Dimension der eigentlichen Übersetzungsarbeit, wie sie noch vor einigen Jahren praktiziert wurde. Sie zeigt auch, dass die Tätigkeit des Übersetzens allen Unkenrufen zum Trotz agil und am Puls der Zeit bleibt.

Fotos: www.unsplash.com

Übersetzer und ihre aktiv-wirtschaftliche Rolle des Lokalisierers oder Transcreators.

Es ist ein Gemeinplatz und ein in diesem Blog viel erwähntes Phänomen: Wirtschaft und Unternehmen verändern sich – und somit auch die Arbeitswelt der Übersetzer, die ihnen zur Seite stehen. Dies führt nicht zuletzt zu einer disruptiven Typisierung der Aufgaben, die das Tagesgeschäft der Übersetzung mit sich bringt. Vor allem aber entstehen neue Begrifflichkeiten und Formen des Übersetzens, während andere verschwinden oder längst verschwunden sind.

Zu den Übersetzungswegen, die kaum noch genutzt werden, gehört die sogenannte Informationsübersetzung, die noch vor wenigen Jahren eine Blütezeit erlebte.

Ging es nur darum, den Inhalt eines Textes zur Kenntnis zu nehmen, hatte der Kunde mehrere Möglichkeiten: eine grobe Zusammenfassung des Textes am Telefon, eine schriftliche detaillierte Inhaltsangabe oder eine eher wörtliche Übersetzung ohne stilistische Ansprüche und mit oft vielen Fußnoten, die dazu dienen sollten, den genauen Inhalt und die Textabsicht erfassen zu können.

Die Informationsübersetzung wird heute mehrheitlich durch maschinelle Übersetzungen ersetzt, die der Kunde selbst online anfertigen lassen kann. Die Texte sind nicht zur weiteren Verwendung geeignet, sie sollen lediglich zu einem groben Verständnis verhelfen. Ganz ohne Tücke ist diese Selbstbedienung allerdings nicht: Wichtige interkulturelle Nuancen und diplomatische Zwischentöne, insbesondere in der Korrespondenz, die aus geschäftlicher Sicht wichtig oder sogar entscheidend sein können, und auf die der Sprachmittler beratend aufmerksam machen würde, bleiben dabei unbemerkt.

Mit zunehmender Digitalisierung ist die sogenannte Lokalisierung zu einem zentralen Teil der Übersetzungsaufgaben geworden.

Die sprachliche und kulturelle Anpassung von Software, wie Buchhaltungs-, Warenverwaltungsprogramme, Datenbanken, Shop-Oberflächen und Backends, ist eine ganzheitliche Aufgabe, für die Übersetzer neben präzisen Kenntnissen der Gepflogenheiten des Ziellandes auch stets auf der Höhe der digitalen Neuerungen sein müssen. Auch technische Texte werden heute immer häufiger der Lokalisierung als der Übersetzung unterzogen.

Das eigentliche Übersetzen, das Führen eines Textes und seines Inhalts, aber auch seiner stilistischen Besonderheiten in Form all seiner Fehler und Schönheiten, von dem Ufer eines Landes und einer Kultur zu den Gefilden einer anderen Welt, auf dass sie in ihrer ursprünglichen Form beäugt, entdeckt, verstanden und bewundert werden können, ist auch im Bereich der Literaturübersetzung außer bei einer sehr geringen Zahl Kritischer Ausgaben zu wissenschaftlichen Zwecken nicht mehr erwünscht.

Wie im Marketing auch ist das Ziel Transcreation: Der übersetzte Text soll nicht nur sprachlich (was zu allen Zeiten die selbstverständliche Eigenschaft einer hochwertigen Übersetzung war), sondern auch inhaltlich so gelesen werden, als sei er im Zielland entstanden. Der Übersetzer ist hier also weniger Vermittler denn Werbetexter oder Autor.

Paradoxerweise entfernt sich in unserem sogenannten Informationszeitalter gerade das Übersetzen von allen informativen Aspekten und Aufgaben.

Gewünscht ist nicht mehr die Vermittlung im Sinne eines „verstehen wollen“, „kennenlernen wollen“, „aufzeigen wollen“, sondern die Vermittlung im Sinne eines „sagen wollen“, „verkaufen wollen“, „vermarkten wollen“. Die Rücksicht auf kulturelle Unterschiede soll nicht mehr Selbstzweck und Geisteshaltung sein, sondern wird im Interesse des Geschäftserfolgs bewusst instrumentalisiert und dient in erster Linie dazu, sie zu überwinden. Aus der rezeptiv-kommunikativen Rolle des Übersetzers als Sprachmittler ist nun eine aktiv-wirtschaftliche Rolle des Lokalisierers oder Transcreators geworden.

Foto: Martina Schmid