Beiträge

Internationalisierung, Globalisierung, Relokalisierung.

Modelle für eine Wirtschaft nach Corona: länderübergreifend und mehrsprachig.

Die Welt hat sich in den letzten Monaten merklich verändert. Das betrifft unseren Alltag vom Einkaufen bis zur Urlaubsreise, und noch mehr natürlich die Wirtschaft. Die Pandemie hat nicht nur Gewohnheiten durcheinandergebracht, neue Lebens- und Arbeitsrhythmen geschaffen, sondern uns auch vor neue wirtschaftliche Tatsachen gestellt und viele Fragen aufgeworfen. Wir sind so sehr in den Strudel der Ereignisse geraten, so sehr damit beschäftigt gewesen, Tag für Tag und nach Dringlichkeiten Abläufe und Rentabilität sicherzustellen, dass langfristige Entwicklungen auch rückblickend nicht mehr so einfach einzuschätzen sind. Mit diesem Artikel möchten wir unseren Kunden helfen, zum einen in Ruhe Bilanz zu ziehen, zum anderen Aussichten, Gelegenheiten und Einschätzungen für ihr internationales Geschäft wahrzunehmen und einzuordnen.

Wie die Wirtschaft ausgebremst wurde – und was es bedeutet

Was ist passiert?

Stellen Sie sich vor, Sie reisen mit dem Zug. Ob es sich dabei um eine kleine verträumte Bergbahn, die Sie zu Ihrem Urlaubsort in ein Schweizer Dörfchen bringt, oder um eine Geschäftsreise quer durch Japan mit dem schicken Shinkansen handelt, spielt keine Rolle. Während Sie sich entspannt Ihrer Reiselektüre widmen, Musik hören, Selfies posten, noch einmal Ihre Unterlagen für Ihre Besprechung durchgehen oder einfach den Blick aus dem Fenster genießen, führt der Zugführer seine üblichen Routineaufgaben durch.

In einer schlecht einsehbaren Kurve jedoch liegt unvermittelt ein Baumstamm auf den Gleisen. Vielleicht wurde er von Aktivisten oder Terroristen gefällt, um eine Entgleisung zu verursachen; vielleicht sind Borkenkäfer, Altersschwäche und der Zufall eines ungünstigen Windstoßes verantwortlich. Für das, was nun geschieht, spielt es vorerst tatsächlich keine Rolle. Eine Vollbremsung wird ausgelöst, und die Lage in den Wagons wird ungemütlich: Gepäckstücke fallen von den Ablagen, Menschen werden auf die gegenüberliegenden Sitze geschleudert oder stürzen.

Nach einer ersten Schreckminute gibt es viel zu tun: Die Gleise müssen freigeräumt, verletzte Passagiere versorgt und gegebenenfalls abtransportiert werden. Nachdem klar ist, dass die Situation nicht ganz so schlimm ist wie befürchtet, kann die Fahrt endlich fortgesetzt werden, wenn auch im gemäßigten Tempo, da zuerst geprüft werden muss, ob die Lok die Begegnung mit dem Hindernis wirklich so gut überstanden hat, wie es zunächst scheint, und zudem Rücksicht auf den restlichen Zugverkehr auf dieser Strecke genommen werden muss, der durch den Unfall und die entstandenen Verspätungen erheblich durcheinandergebracht wurde. Schließlich soll auch den Fahrgästen wieder Vertrauen, Sicherheit und Normalität vermittelt werden, und sie sollen, so effizient die Umstände es zulassen, ihr Ziel erreichen, wenn auch über Umwege.

Dies in etwa erlebte die Wirtschaft in den letzten Monaten infolge von Covid-19. Ganz ohne Blessuren und einen gewaltigen Schreck ging diese Zeit nicht an uns vorbei, und ein wenig wackelig auf den Beinen fühlen wir uns noch, aber nun wird wieder Fahrt aufgenommen und, wenn auch auf Sicht und mit vorsichtigem Tempo, dem Ziel entgegengestrebt – für die kleinsten Unternehmen im „Regionalverkehr“ ebenso wie für die Geschäftsreisenden der Großunternehmen und Konzerne auf den „Langstrecken“. Doch in welche Richtung wird die Reise nun gehen?

Wie geht es weiter?

Was uns erwartet, können wir nur bis zu einem gewissen Grad beeinflussen. Wir wissen nicht, wann ein Impfstoff zur Verfügung stehen wird und mit welcher Art von „Normalität“ wir uns auseinandersetzen müssen. Im Moment sind Think Tanks, Ökonomen und Soziologen damit beschäftigt, in die berühmte Kristallkugel zu schauen und Vermutungen über mögliche Entwicklungen anzustellen. Ihre Ergebnisse sind vielfältig, zuweilen widersprüchlich, und spiegeln in dieser Hinsicht die Meinungen und Wünsche wider, die auch in den Sozialen Medien zu lesen sind: Wird es eine Abkehr von den bisherigen Wegen geben? Werden neue Werte an ihre Stelle treten? Werden Umwelt und soziales Denken eine größere Rolle spielen? Wird Home Office endgültig zum Arbeitsumfeld der Zukunft? Wollen wir im Gegenteil so schnell wie möglich zu dem zurückkehren, was wir kennen und bisher funktionierte, den Wohlstand unserer westlichen Gesellschaften sicherte? Hat Just-In-Time ausgedient? Ein Füllhorn voller Fragen steht im Raum, und mit ihm Begriffe, die im Übersetzungsgeschäft längst Alltag sind.

Globalisierung, Internationalisierung, (Re‑)Lokalisierung …

Viele Begriffe, viele Irrtümer

Globalisierung eurolanguage Fachübersetzungen

Globalisierung: Hat sie ausgedient?

Nach dem Zusammenbruch der Logistikketten in diesem Frühjahr wurde Vieles kritisch hinterfragt. Die Globalisierung, die bereits zuvor ohnehin nicht ganz widerspruchslos beäugt wurde, wurde schnell als Teil, ja wichtigste Ursache des Problems an den Pranger gestellt, und manche sahen die Krise als Symptom und Warnung zugleich.

Der Begriff „Globalisierung“ ist an sich keine ursprünglich wirtschaftliche oder sozialwissenschaftliche Größe. Das Wort leitet sich von „Globus“ ab und bezeichnet die gesteuerte und gezielt aufgebaute weltweite Verflechtung von Menschen und all ihren Aktivitäten, ob im privaten, kulturellen, wirtschaftlichen oder politischen Bereich. Kolumbus, Cook, Vasco da Gama gehörten wohl zu den ersten, die sich um solche Vorgänge bemüht haben.

Mit der Intensivierung dieses Bestrebens, die Welt kleiner zu machen, wirtschaftlich überall präsent zu sein und aus jedem Land das Beste „mitzunehmen“, wurden in den letzten Jahren Lieferketten auf alle Kontinente verteilt, Produktionsstätten gewinnorientiert verlegt und Absatzmärkte in weiter Ferne erschlossen. Globalisierung wurde nun von den einen als Heilsbringer der Wirtschaft und des Wachstums gepriesen, von den anderen als sozial fragwürdigste Ausformung eines maßlosen und menschenverachtenden Kapitalismus’ verteufelt.

Unabhängig von diesen gegensätzlichen Meinungen erwies sich diese Strategie nach der pandemiebedingten Schließung der Grenzen als fragileres Konstrukt als bisher angenommen.

Zurück zu nationalen Wirtschaften und Produktionen? Was Relokalisierung bedeutet

Eine Überlegung, die sich aus diesen Beobachtungen entwickelte, war die Rückverlegung wichtiger Produktionsvorgänge ins eigene Land. Nach der Vollbremsung und dem unerfreulichen Kontakt mit dem Baumstamm, der sich auf die Gleise gelegt hatte, war manchem eher danach, das Zugfahren sozusagen ganz zu lassen und auf Wanderwege umzusteigen, die wesentlich weniger riskant schienen. Ob dies tatsächlich eine Option für die Zukunft sein wird, kann zur Zeit niemand voraussagen. Auch wenn die Versuchung groß sein mag und in einigen Branchen durchaus eine größere Differenzierung in solchen Entscheidungen stattfinden könnte, erscheint es objektiv wenig wahrscheinlich, dass – um bei unserem Bild zu bleiben – das ganze Schienennetz, das unsere Wirtschaft seit Jahrzehnten trägt, wegen eines zwar beeindruckenden, aber bisher einmaligen Vorfalls von heute auf morgen komplett abgebaut und vernichtet wird.

Denkbar ist allerdings, dass einige Märkte und Geschäftsbeziehungen auf kleinere Größen zurückgeführt werden: auf EU-Ebene anstatt auf Weltebene etwa, auf Kontinent-Ebene vielleicht in anderen Teilen der Welt. Relokalisierung würde hier also eine Rückführung auf einen geographisch überschaubareren und beherrschbareren Maßstab bedeuten.

Ein Begriff schafft den Konsens: Digitalisierung

Ein kluges Modell als Chance und Auftrag?

Wer trotz Einbruch der Gesamtwirtschaft in den letzten Monaten dennoch wenig zu beklagen hatte, hatte nicht nur Glück, sondern hatte es vor allem verstanden, sein Angebot und die meisten seiner Geschäftsabläufe, ob im B2B oder im B2C, zu digitalisieren. Selbst in der besonders getroffenen Gastronomie hatten jene Restaurants eine bessere Überlebenschance, die übers Internet einen Lieferservice oder Abholbuchungstermine per App hatten einrichten können. Freiberufliche Lehrer, Personal Coaches, Psychologen, die rechtzeitig ein Online-Angebot hatten aufbauen können, konnten zumindest einen Teil ihres Einkommens über die Krise retten. Die Digitalisierung, die bereits in aller Munde als Zukunftsmodell ohne Wenn und Aber gehandelt wurde, ist seitdem im Mittelpunkt des Interesses und der Investitionsüberlegungen.

Doch welche Konsequenzen hat dies für Unternehmen wirklich?

Digitalisierung im B2C – wirtschaftlich und krisensicher

Digitalisierung ist im B2C ein erster Schritt, um eine Unabhängigkeit vom Ladengeschäft herzustellen – sei es als zweites Standbein oder als komplette Umstellung des Geschäftskonzepts. Neben der Möglichkeit, auch in Zukunft Geschäftsschließungen auf diese Weise umgehen zu können, können Mieten und Verkaufspersonal eingespart werden, was gerade für sehr kleine Geschäfte zu einer deutlicheren Rentabilität führen kann.

Digitalisierung im B2B – Lean Management

Im B2B kann die Digitalisierung vieler Produktions- und administrativen Prozesse zu einer Verschlankung der Abläufe führen, was die betriebliche Flexibilität und Geschwindigkeit erhöht, die Kosten senkt und die Wettbewerbsfähigkeit unterstützt.

Digitalisierung als Rettung?

Was die Abkehr vom Direktgeschäft bedeutet

Sieht man von Unternehmen aus der Stand-Gastronomie ab, denen Lieferdienst-Plattformen ermöglichen, ihr Geschäft weiter lokal zu führen, jedoch parallel neue Vertriebswege zu erschließen, lässt sich das Modell allerdings nicht ohne zusätzliche Überlegungen auf alle Branchen übertragen.

Die Unabhängigkeit vom Ladengeschäft im B2C, vom Unterrichtsraum, oder von der physikalischen Kanzlei oder Praxis und die Verlegung aller Aktivitäten in die virtuelle Welt durch Online-Shops, Online-Sprechstunden, Online-Beratung oder Online-Kurse implizieren aber auch eine größere Vergleichbarkeit der Angebote, und somit eine wesentlich höhere Konkurrenz. Auch im B2B kann der Umstieg auf das Internet der Dinge in der Produktion und auf rein virtuelle Dienstleistungsangebote zu einem Verblassen von Image und Positionierung führen. Die Gefahr, sich zu Dumping-Preisen verführen zu lassen, die zwar den Absatz sichern, aber keinen ausreichenden Umsatz ermöglichen, um langfristig zu überleben, ist groß.

Durch den Verlust des persönlich-menschlichen Aspekts muss die Kundenbindung auf anderen Wegen erreicht werden. Es wird eine viel intensivere Branding-Arbeit erforderlich, die wiederum eine hohe Zeitinvestition, aber auch Kapital erfordert – idealerweise beides.

Wie Internationalisierung eine lebensfähige Digitalisierung erst ermöglicht

Eine bessere Möglichkeit besteht darin, die Kundenansprache zu streuen, indem sie internationalisiert wird. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es werden sofort und mit relativ geringem Aufwand mehr potentielle Kunden erreicht. Es ist auch die Gelegenheit, neue Zielgruppen zu integrieren und bestehende Zielgruppen zu verschieben: von der Kundschaft, die Wert auf den persönlichen menschlichen Kontakt legt, auf eine Kundschaft, die gern direkt entscheidet und sich von der Attraktivität der Produkte, ihrer Präsentation, des Brandings und der Qualität des Online-Services leiten lässt.

How to Internationalisieren? Gute Übersetzungen sind der Schlüssel

Internationalisierung bedeutet aber nicht nur, Produkte irgendwie für den Auslandsverkauf anzubieten. Um überzeugen zu können, muss die Qualität der Vorstellung herausragend und perfekt auf die Zielgruppen angepasst sein.

Um dies wiederum zu erreichen, sind stilistisch perfekte Texte und eine konkrete, gezielte Ansprache unerlässlich, die der Mentalität des jeweiligen Ziellandes entspricht und ihr Rechnung trägt. Die bloße sprachliche Übertragung einer Website reicht nicht aus. Hier können erfahrene Übersetzer beratend helfen, die Elemente herauszuarbeiten, die den kleinen, aber wichtigen Unterschied machen. Maschinelle Übersetzungen, die für den privaten Gebrauch als halbzulängliches Hilfsmittel durchaus hilfreich sein können, werden hierfür eine qualifizierte, dezidierte und hochwertige Arbeit nicht ersetzen können.
Ob – in welcher Form auch immer – Globalisierung oder Relokalisierung die Welt von morgen prägen, ob unsere Märkte wieder größer werden oder kontinental-regional zu suchen sein werden: Der internationale Austausch wird an qualitativer Bedeutung gewinnen.

Sie möchten den digitalen Weg gehen und so Ihr Geschäft auf die Welt von morgen vorbereiten? Wir beraten Sie und helfen Ihnen. E-Mail:  office@eurolanguage.net

Wir erklären Ihnen, wie viele Sprachen Ihre Website braucht, welche Texte Sie am dringendsten in der Übersetzung benötigen und welche Sie zurückstellen können, wie Sie Ihre Übersetzungskosten steuern können und vieles mehr.

Globalisierung, Internationalisierung, Relokalisierung, Digitalisierung - nach Corona

Fotos: @canva

Eine professionelle Internationalisierung des Webauftritts ist für eine erfolgreiche Entwicklung des Auslandsgeschäfts unerlässlich – dessen sind sich alle Unternehmen bewusst. Allerdings wird dabei zu oft vergessen, dass eine deutsche Website in den meisten Fällen in erster Linie für deutschsprachige Kunden geschrieben und gestaltet wurde. Inhalte, aber auch die Seitenstruktur, Sprachebene, Claims, optische Gestaltung und relevante Keywords wurden für die deutsche Zielgruppe und ihre Suchgewohnheiten gewählt. Im Ausland „funktionieren“ sie also nur bedingt, mitunter gar nicht, d.h. sie generieren kein Geschäft. Die Lösung sind suchmaschinenoptimierte Übersetzungen.

Warum SEO im Übersetzungsbereich ein Thema ist oder sein sollte

Sprachkulturelle Kompetenz ist erst der Anfang

Eine gute Übersetzung Ihrer Website sollte selbstverständlich sprachlich und stilistisch einwandfrei sein. Das bedeutet, dass sie nicht nur in grammatikalischem Sinne fehlerfrei zu sein hat, sondern auch, dass sie sich so lesen muss, als sei sie im Zielland geschrieben worden. Dies wiederum geht über den rein sprachlichen Aspekt weit hinaus: Interkulturelle Kompetenz ist eine ganzheitliche Fähigkeit, die text- und sprachpsychologische Kenntnisse mit landes- und marketingkundlichen Komponenten verbindet. Übersetzer* müssen gerade für die Übersetzung von Websites eine Vielzahl von Fertigkeiten und ein umfassendes Hintergrundwissen aufweisen.

Lokalisierung ohne internationale SEO ist wie ein Bogen ohne Pfeile

Mit dem Jahrtausendwechsel kam in der Übersetzungsbranche der Begriff „Lokalisierung“ auf, der eine weitere Stufe der sprachkulturellen Textarbeit bezeichnen sollte. Multilinguale Websites sollten so auch technisch und in der Struktur mit den Erwartungen in den Zielländern in Einklang gebracht werden. Navigationselementen wie Menus, Formularfeldern, Suchoptionen und automatischen Formularen wurde dabei besondere Aufmerksamkeit geschenkt, auf dass sie den Gesamteindruck des virtuellen Auftritts bis ins letzte Detail abrundeten.
In der heutigen Zeit aber genügt diese optische Perfektion nicht allein: Der Internetauftritt muss im Zielland auch gefunden werden, sonst war der schönste Text und die schönste Website schlichtweg umsonst.

Unterschiedliche Länder – unterschiedliche Suchmaschinen

In Deutschland und auch in Österreich ist die Lage klar: Ein suchmaschinenoptimierter Text bedeutet in erster Linie ein für Google optimierter Text. Auch wenn Google als weltweiter Marktführer angesehen wird und diese Tendenz in der Tat europaweit zu beobachten ist, sind auch hier feine Unterschiede zu berücksichtigen. In der Schweiz zum Beispiel wird auch via Hulbee gesucht, in den romanischen Ländern und in Japan etwa wird Yahoo nach wie vor häufig genutzt, und in Frankreich zum Beispiel bieten die zwei größten Provider ein eigenes System. Im angelsächsischen Raum ist Bing eine beliebte Alternative. In Russland sucht man mit Yandex, in China mit Baidu, in anderen Teilen Asiens mit Naver. Nur wenn der Sprachdienstleister*, der sich mit der Internationalisierung Ihrer Website befasst, mit den entsprechenden Algorithmen vertraut ist und permanent und systematisch den neuesten Entwicklungen folgt, kann Ihr Internetauftritt in den Zielländern den gewünschten Erfolg erzielen.

Überprüfen Sie einfach, wie/ob Ihre Website in den oben erwähnten Suchmaschinen gelistet ist.

SEO-Übersetzungen in der Praxis

Mit dem richtigen Übersetzer* fängt es an

Übersetzer*, die mit der suchmaschinenoptimierten Übertragung Ihrer Website betraut werden, sind mehr als Fachübersetzer* mit einschlägiger Erfahrung im Marketing. Sie müssen sich für SEO interessieren, den strategischen Wandel in den verschiedenen Branchen genauestens verfolgen und unaufhörlich lesen, um Kunden- und Suchverhalten in Echtzeit wahrzunehmen. Sie sind mit dieser Problematik (auf)gewachsen und betrachten sie als Teil ihrer Übersetzungstätigkeit, nicht als Fremdkörper und Zusatzaufgabe. Sie leben idealerweise im Zielland, und für sie gehört dieser Themenbereich zu den selbstverständlichen Aspekten einer Website-Übersetzung.

Beratung als essentieller Teil eines SEO-Übersetzungsauftrags

Ihre Zielgruppe im Ausland wird nicht notwendigerweise mit Ihren Kunden im Inland vergleichbar sein. Es kann sein, dass sie sich nur durch geschäftskulturelle Eigenschaften unterscheiden. Es kann aber auch sein, dass Sie selbst für Ihr Geschäft in einem bestimmten Land präzise Vorstellungen und Ziele haben. Eine Projektabwicklung im Dialog zwischen Übersetzungsagentur und Kunden ist hier unerlässlich, um konkrete Rahmenbedingungen und Vorgaben abstecken zu können.

Die richtigen Keywords im Zielland

Mentalitäten, Geschäftspraktiken und Verbraucherverhalten sind bei aller Globalisierung von Land zu Land verschieden. Dies hat natürlich Einfluss sowohl auf die ungeschriebenen Gesetze in der Selbstdarstellung von Unternehmen, als auch auf die Suchgewohnheiten der Nutzer. Keywords, die im deutschen Sprachraum zum Erfolg führen, können in einem anderen Land vollkommen wirkungslos bleiben. Dies zu berücksichtigen ist für Ihren internationalen Erfolg unentbehrlich.

Was internationalisierte Gestaltung und SEO bedeuten

Unter Umständen muss die Anpassung Ihrer Website sehr weit gehen, und es kann vorkommen, dass Überschriften und Menus vollständig umstrukturiert und neu erdacht werden müssen. Suchmaschinen und Besucher müssen die Landmarken vorfinden können, die für sie jeweils gebräuchlich sind und hier erwartet werden. Die Arbeit des SEO-Fachübersetzers* beschränkt sich dabei nicht auf die sichtbaren Elemente Ihrer Website. Auch die Metadaten, die Snippets, ihr Format und ihre Länge müssen berücksichtigt werden.

Umfangreiche Recherchen

SEO-Erfolg ist neben einer gründlichen Keyword-Analyse auch Ausdruck von Authority und somit von Textqualität, Inhaltsmehrwert und Einzigartigkeit. Was auf Ihrer Original-Website sorgfältig umgesetzt und optimiert wurde, muss auch für Ihre internationalen Auftritte gewährleistet werden. Dies erfordert einen ausführlichen „Background-Check“, der die Entwicklung Ihrer ganz persönlichen Branche bzw. Nische und Ihrer unmittelbaren Konkurrenz im Zielland mit einschließt.

Sprachkulturelle Unterschiede als Bestandteil der SEO-Arbeit

In und an diesem Punkt schließt sich der Kreis zwischen dem traditionellen Hintergrund des Übersetzers* und den Erfordernissen der Online-Auffindbarkeit. So ist etwa nicht nur relevant, sondern entscheidend, ob Ihre Zielgruppen im englischen Sprachraum australisches, südafrikanisches, britisches, amerikanisches oder indisches Englisch lesen wollen, ob Ihre französischsprachigen Wunschkunden in Belgien, Frankreich, Kanada, Afrika oder der Schweiz ansässig sind. Dies einzubeziehen, ist auch Teil unserer Arbeit – ein sehr vertrauter Teil sogar, denn daran hat sich in den letzten 100 Jahren nichts geändert.

SEO-Übersetzungen sind im B2B und im B2C gleichermaßen ein essentieller Faktor des Erfolgs auf internationaler Ebene. Suchmaschinenoptimierte Internationalisierung ist hier die natürliche Fortführung und dabei eine neue, für uns Übersetzer* absolut spannende Dimension der eigentlichen Übersetzungsarbeit, wie sie noch vor einigen Jahren praktiziert wurde. Sie zeigt auch, dass die Tätigkeit des Übersetzens allen Unkenrufen zum Trotz agil und am Puls der Zeit bleibt.

Sprechen Sie mit uns – wir beraten Sie gerne:

Fotos: www.unsplash.com

*Aus Gründen den besseren Lesbarkeit wurde in diesem Artikel das generische Maskulinum verwendet. Selbstverständlich sind alle Geschlechter eingeschlossen.

Übersetzer und ihre aktiv-wirtschaftliche Rolle des Lokalisierers oder Transcreators.

Es ist ein Gemeinplatz und ein in diesem Blog viel erwähntes Phänomen: Wirtschaft und Unternehmen verändern sich – und somit auch die Arbeitswelt der Übersetzer, die ihnen zur Seite stehen. Dies führt nicht zuletzt zu einer disruptiven Typisierung der Aufgaben, die das Tagesgeschäft der Übersetzung mit sich bringt. Vor allem aber entstehen neue Begrifflichkeiten und Formen des Übersetzens, während andere verschwinden oder längst verschwunden sind.

Zu den Übersetzungswegen, die kaum noch genutzt werden, gehört die sogenannte Informationsübersetzung, die noch vor wenigen Jahren eine Blütezeit erlebte.

Ging es nur darum, den Inhalt eines Textes zur Kenntnis zu nehmen, hatte der Kunde mehrere Möglichkeiten: eine grobe Zusammenfassung des Textes am Telefon, eine schriftliche detaillierte Inhaltsangabe oder eine eher wörtliche Übersetzung ohne stilistische Ansprüche und mit oft vielen Fußnoten, die dazu dienen sollten, den genauen Inhalt und die Textabsicht erfassen zu können.

Die Informationsübersetzung wird heute mehrheitlich durch maschinelle Übersetzungen ersetzt, die der Kunde selbst online anfertigen lassen kann. Die Texte sind nicht zur weiteren Verwendung geeignet, sie sollen lediglich zu einem groben Verständnis verhelfen. Ganz ohne Tücke ist diese Selbstbedienung allerdings nicht: Wichtige interkulturelle Nuancen und diplomatische Zwischentöne, insbesondere in der Korrespondenz, die aus geschäftlicher Sicht wichtig oder sogar entscheidend sein können, und auf die der Sprachmittler beratend aufmerksam machen würde, bleiben dabei unbemerkt.

Mit zunehmender Digitalisierung ist die sogenannte Lokalisierung zu einem zentralen Teil der Übersetzungsaufgaben geworden.

Die sprachliche und kulturelle Anpassung von Software, wie Buchhaltungs-, Warenverwaltungsprogramme, Datenbanken, Shop-Oberflächen und Backends, ist eine ganzheitliche Aufgabe, für die Übersetzer neben präzisen Kenntnissen der Gepflogenheiten des Ziellandes auch stets auf der Höhe der digitalen Neuerungen sein müssen. Auch technische Texte werden heute immer häufiger der Lokalisierung als der Übersetzung unterzogen.

Das eigentliche Übersetzen, das Führen eines Textes und seines Inhalts, aber auch seiner stilistischen Besonderheiten in Form all seiner Fehler und Schönheiten, von dem Ufer eines Landes und einer Kultur zu den Gefilden einer anderen Welt, auf dass sie in ihrer ursprünglichen Form beäugt, entdeckt, verstanden und bewundert werden können, ist auch im Bereich der Literaturübersetzung außer bei einer sehr geringen Zahl Kritischer Ausgaben zu wissenschaftlichen Zwecken nicht mehr erwünscht.

Wie im Marketing auch ist das Ziel Transcreation: Der übersetzte Text soll nicht nur sprachlich (was zu allen Zeiten die selbstverständliche Eigenschaft einer hochwertigen Übersetzung war), sondern auch inhaltlich so gelesen werden, als sei er im Zielland entstanden. Der Übersetzer ist hier also weniger Vermittler denn Werbetexter oder Autor.

Paradoxerweise entfernt sich in unserem sogenannten Informationszeitalter gerade das Übersetzen von allen informativen Aspekten und Aufgaben.

Gewünscht ist nicht mehr die Vermittlung im Sinne eines „verstehen wollen“, „kennenlernen wollen“, „aufzeigen wollen“, sondern die Vermittlung im Sinne eines „sagen wollen“, „verkaufen wollen“, „vermarkten wollen“. Die Rücksicht auf kulturelle Unterschiede soll nicht mehr Selbstzweck und Geisteshaltung sein, sondern wird im Interesse des Geschäftserfolgs bewusst instrumentalisiert und dient in erster Linie dazu, sie zu überwinden. Aus der rezeptiv-kommunikativen Rolle des Übersetzers als Sprachmittler ist nun eine aktiv-wirtschaftliche Rolle des Lokalisierers oder Transcreators geworden.

Foto: Martina Schmid