Weihnachtsgrüße aus der KI-Fabrik: Herzlichkeit auf Knopfdruck
Alle Jahre wieder füllen sich unsere Postfächer mit guten Wünschen, herzlichen Grüßen und aufrichtiger Dankbarkeit. Unternehmen bedanken sich für das entgegengebrachte Vertrauen, blicken auf ein mehr oder weniger erfolgreiches gemeinsames Jahr zurück und freuen sich auf die Fortsetzung der partnerschaftlichen Zusammenarbeit.
Nur die Jahreszahl ändert sich.
Und da die Formulierung dieser bewährten Herzlichkeiten dennoch Zeit kostet, gibt es inzwischen einen äußerst fleißigen Weihnachtswichtel: die künstliche Intelligenz.
Einmal Herzlichkeit, bitte. Aber professionell!
„Schreibe einen herzlichen, aber professionellen Weihnachtsgruß an unsere geschätzten Geschäftspartner. Der Ton soll persönlich, wertschätzend und nicht zu förmlich sein.“
Ein paar Sekunden später ist die Weihnachtsstimmung fertig.
Die KI bedankt sich für das Vertrauen, würdigt die gute Zusammenarbeit und wünscht ein frohes Fest sowie einen erfolgreichen Start ins neue Jahr. Auf Wunsch wird es noch ein bisschen emotionaler, moderner oder origineller.
Das Erstaunliche daran ist nicht, dass eine Maschine solche Texte schreiben kann. Erstaunlich ist vielmehr, wie leicht sie sich damit tut. Denn geschäftliche Weihnachtsgrüße folgen seit Jahrzehnten einem recht überschaubaren Repertoire an Formulierungen. Die KI kennt sie alle.
Die KI hat diese Floskeln nicht erfunden. Sie hat nur ihre Produktion perfektioniert.
Ein Bild sagt mehr als tausend Floskeln
Zum perfekt formulierten Weihnachtsgruß gehört auch ein passendes Bildchen. Also schnell noch die KI bemühen: eine verschneite Winterlandschaft, ein festlich geschmückter Weihnachtsbaum, ein paar goldene Sterne, vielleicht eine Kerze. Alles bitte stilvoll, hochwertig, emotional und selbstverständlich nicht kitschig. Individuell – nicht was alle anderen machen.
Das Ergebnis: Weihnachten wie aus dem Bilderbuch. Nur dass inzwischen Millionen Menschen im selben Bilderbuch blättern.
Und schon landen die digitalen Kunstwerke in unseren Postfächern. Goldene Kugeln, glitzernde Schneeflocken und stimmungsvolle Kerzen konkurrieren um unsere Aufmerksamkeit. Dazu ein paar Zeilen über Vertrauen, Wertschätzung und gemeinsame Erfolge.
Wir lassen also Maschinen persönliche Grüße formulieren, von Maschinen die passenden Bilder erzeugen und verschicken das Ganze anschließend automatisiert an möglichst viele Menschen.
So viel menschliche Nähe war noch nie mit so wenig menschlichem Zutun möglich.
Die Inflation der guten Wünsche …
In der Wirtschaft spricht man von Inflation, wenn Geld an Kaufkraft verliert. Vielleicht erleben wir gerade eine kleine Inflation der Weihnachtswünsche.
Noch nie war es so einfach, Dankbarkeit und Herzlichkeit in wohlfeile Worte zu fassen. Noch nie ließen sich so viele Weihnachtsbotschaften mit so wenig Aufwand produzieren.
Und wenn alle dieselben herzlichen Wünsche verschicken, dieselben glitzernden Weihnachtsbilder erzeugen und dieselben erfolgreichen gemeinsamen Jahre Revue passieren lassen, dann läuft die Weihnachtsstimmung endgültig vom Fließband.
Immerhin eines mit festlicher Beleuchtung.
Vollautomatisierte Weihnachtsstimmung
Vielleicht sollten wir das Ganze einfach konsequent zu Ende denken. Eigentlich fehlt nur noch der letzte Schritt zur perfekten Weihnachtskommunikation: die Automatisierung des Empfängers.
Die KI des Absenders verfasst einen herzlichen Weihnachtsgruß, generiert dazu ein stimmungsvolles Bild mit Tannenzweigen, Goldstaub und Kerzenschein und verschickt dies pünktlich an sämtliche Geschäftskontakte.
Beim Empfänger liest der KI-Assistent die Nachricht, bedankt sich im Namen seines Chefs für die guten Wünsche und schickt seinerseits ein paar besonders herzliche Grüße zurück. Natürlich mit einem passenden Bildchen.
Die beiden Systeme könnten anschließend noch ein wenig über das erfolgreiche Geschäftsjahr plaudern, sich gegenseitig ihrer Wertschätzung versichern und auf eine weiterhin vertrauensvolle Zusammenarbeit anstoßen. Virtuell versteht sich.
Und wir Menschen?
Wir bekommen von all dem nichts mehr mit. Keine überquellenden Postfächer, keine glitzernden Weihnachtsbäume, keine fünfte Beteuerung, wie außerordentlich wertvoll die Zusammenarbeit doch gewesen sei.
Endlich haben wir unsere Ruhe. Und können tatsächlich besinnliche Weihnachten feiern.
Vielleicht ist das ja der wahre Weihnachtszauber der künstlichen Intelligenz.
Stille Nacht. Endlich!
P.S. Unser Beitragsbild ist natürlich Ki-generiert!

KI-generiert [ChatGPT]
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