Von der KI-Begeisterung zum KI-Frust?

Das Jahr 2025 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem der Siegeszug der KI zementiert wurde. Von der Internetrecherche über die Dating-App bis hin zum intelligenten Kühlschrank – KI ist überall in unserem Leben angekommen und aus unserem Alltag nicht mehr weg zu denken. Sie ist praktisch, entlastet uns, macht unser Leben und unsere Arbeit einfacher und schneller, hilft uns nicht zuletzt, Geld und Zeit zu sparen.
Doch ganz ungetrübt ist die anfängliche Begeisterung nicht mehr. Zunehmend sind kritische Stimmen zu hören, und aus dem fröhlichen Hype ist Ernüchterung entstanden. Nutzer zeigen sich zunehmend genervt oder beginnen, den Segen anzuzweifeln.

Der rasante und verständliche Erfolg der KI bis zur Mitte des Jahrzehnts

Wenn der Mensch etwas besonders gerne hat, dann sind es vier Dinge:

  • Dass man ihm Arbeit abnimmt,
  • sein Leben einfacher und bequemer macht,
  • ihm Dinge ermöglicht, die er eigentlich gar nicht kann, und
  • ihm hilft, Geld zu sparen.

Genau das war das Versprechen – und seien wir ehrlich: Es scheint sich erfüllt zu haben.

Gesteigerte Effizienz und Produktivität dank KI – vom Supermarkt bis zur Entscheider-Etage

Ob am Fließband in der Fabrik KI auf Fehler aufmerksam macht, im Supermarkt anhand registrierter Verkäufe und Lagerbestände Ware automatisch bei der Konzernzentrale nachbestellt, Übersetzungen in Sekunden anfertigt, schlüssige und einfach zu lesende Werbetexte und Briefe anhand weniger Stichpunkte generiert, Recherchen auf Knopf … äh, Tastendruck erledigt und mit einer einzigen Frage Hunderte von Antworten liefert, Belege selbstständig einliest und verbucht, Bewerbungsmappen auf die Tauglichkeit der Kandidaten analysiert oder riesige Datenströme zu einer mehrjährigen Geschäftsstrategie ausarbeitet – KI ist schnell, effizient, gründlich, macht keine Tippfehler, vergisst nicht, was man ihr gesagt hat, braucht keinen Urlaub, keine Krankentage, keine Elternzeit, kein Büromaterial, und Befehle muss man ihr nur einmal einbläuen, damit sie ihre Arbeit macht. Dies verlängert erfreulich die entspannten Büroplauschereien unter Kollegen an der Kaffeemaschine oder die kleinen Auszeiten auf dem Golfplatz. Ach ja, diese Kaffeemaschine braucht die KI auch nicht. Wer hätte solches Personal nicht gern?

Dank KI das Privatleben endlich in vollen Zügen genießen

Hausarbeit ade

Kommt man von der Arbeit nach Hause, gehen die lästigen Pflichten oft weiter. Doch dank KI wird das Leben eindeutig bequemer und einfacher.
Wir treten sorgenfrei in ein Heim, das während unserer Abwesenheit gegen Diebstahl und andere Straftaten gesichert und überwacht wurde, und können uns einem Gefühl ungetrübter Geborgenheit hingeben. Dank Programmierung sind die Räume zum genau richtigen Zeitpunkt wohl temperiert und angenehm beleuchtet. Der Saugroboter hat das Putzen erledigt und sich selbst entleert.
Waschmaschinen, die Verschmutzungsgrad und Wäschequalität selbst einschätzen, um Waschmittel zu dosieren und – so die neueste Technologie aus Japan – sogar das Programm und die Anzahl der Spülgänge gezielt auszusuchen, sind da schon fast ein alter Hut.
Heute sind Kühlschränke mit einem elektronischen Auge ausgestattet, das registriert, welche Lebensmittel eingelegt und entnommen werden. Sie sind nicht nur in der Lage, daraus selbsttätig Einkaufszettel zu generieren, sondern schlagen dem Nutzer dank Internet-Verbindung Gerichte, Rezepte und Kochvideos vor, die mit den vorhandenen Zutaten zubereitet werden können. Diese werden direkt an das Tablet auf der Arbeitsfläche geschickt und können ohne großes Suchen und Nachdenken umgesetzt werden. Der nächste Technologiesprung, die Bestellung fehlender Lebensmittel über das Internet, ist schon angekündigt und wird in absehbarer Zeit realisierbar sein.

Mit KI zu einer besseren Gesundheit

Ring oder Uhr prüfen lückenlos unsere gesundheitlichen Werte, überwachen Schlafmenge und -qualität, sportliche Betätigung und Lebensstil und helfen, ohne aufwändiges Aufschreiben, Nachdenken und Kontrollieren ein gutes und langes Leben zu führen.

Mit KI keine Qual der Wahl mehr

Sinken wir am späten Abend doch noch müde auf die Couch und wollen einfach nur entspannen und uns treiben lassen, schlägt uns der Smartfernseher, der unsere Gewohnheiten und Vorlieben bereits genau kennt, eine Liste von Filmen, Sendungen, Musik oder Hörspielen vor, die uns ganz sicher gefallen werden. Auch beim Bestellen von Kleidung oder Geschenken im Internet schlägt uns KI vor, was zu uns passt, was dem Stil entspricht, den wir schon mal gekauft haben.

Ganz ohne Schloss, Adelstitel und Milliardärseinkommen also findet der ganze normale einfache Arbeitnehmer nach verrichtetem Tagewerk dank KI zu Hause eine vollständige Dienerschaft vor, die seine Wünsche kennt und antizipiert und ihm jede Mühe abnimmt – Unterhaltungsprogramm, medizinische Betreuung und persönlichen Einkäufer inklusive.

Kann das Leben noch besser werden?

Dank KI kann jeder seine Kreativität entfalten

Wir alle hatten doch schon mal diesen Traum. „Ach, könnte ich nur malen wie …!“, „Ich würde so gern schreiben wie …!“, „Songs komponieren wie …, das wäre toll! Dann könnte ich meine eigene Musik machen, die mir wirklich gefällt!“

Künstler werden bewundert und beneidet, es war zu allen Zeiten so. Das Problem mit der Kunst ist, dass es dazu ein paar Dinge bedarf: langjähriges Üben (schlimmstenfalls lernen, man stelle sich vor!), Talent, Ausdauer, Geschmack, Instinkt … Ganz ehrlich? Das ist ein wenig viel verlangt und nicht jeder bringt diese Eigenschaften mit.
Aber dank KI ist es auch gar nicht nötig. KI, so die offizielle Formulierung kundiger Soziologen, demokratisiert die Kunst. Jeder, der in der Lage ist, zu beschreiben, was er gerne können und erreichen würde, wird in wenigen Sätzen zum Illustratoren, Kunstmaler, Fotografen, Komponisten, Filmemacher, Autor, Dichter. Ganz ohne Kurse und Können.

Dank KI endlich, endlich keine überflüssigen Ausgaben mehr!

Wissen Sie eigentlich, was eine Psychotherapie kostet? Oder eine Ehe- oder Familienberatung? Arm kann man darüber werden, wenn sich Woche um Woche über Monate Termine aneinanderreihen! Selbst eine gute Zusatzkrankenversicherung hilft nicht immer weiter, die Genehmigungswege sind lang und der Erfolg nicht immer beschieden.

Das muss sich heute niemand mehr antun. KI-Chatprogramme erfüllen alle Funktionen, die der soziale Mensch braucht. Eingehende Gespräche mit gezielten Rückfragen, Ratschläge und das Gefühl, geschätzt und ernst genommen zu werden, können bei Unschlüssigkeit, Sorgen und Trauer kostenlos und rund um die Uhr in Anspruch genommen werden.

Selbst der einmaligen Rückgriff auf Fachleute anderer Art, wie die Steuererklärung durch einen Steuerberater oder eine eingehende Rechtsberatung können die Finanzen auf sehr lästige Weise belasten – von der Unbequemlichkeit, einen Termin zu bekommen und sich dorthin begeben zu müssen, mal ganz zu schweigen. Heute ist dies nicht mehr nötig: Apps und KI ersetzen in Sekundenschnelle und ohne erhobenen Zeigefinger den Fachmann.

KI im Jahre 2026: Der Hype lässt merklich nach

In persönlichen Gesprächen im Bekanntenkreis, in Internet-Artikeln oder Fachbüchern ist trotz der unbestrittenen Vorteile der KI, die ihre Versprechen durchaus erfüllt hat, eine interessante Tendenz zu beobachten. Für immer mehr Menschen wird „KI“ zum Reizwort, auf das sie mit zunehmender Verärgerung reagieren. Distanzierung, Abkehr oder sogar Ablehnung machen sich in vielen, ja beinahe allen Gesellschaftsschichten breit.

Wie die allgemeine KI-Ernüchterung zu erklären ist

Die Gründe dafür sind vielfältig und wären eigentlich vorhersehbar gewesen.

„AI fatigue“, „Automation Fatigue“ – KI ist allgegenwärtig

Diese Begriffe, die immer häufiger zu lesen sind, zu Hashtags in den Social Media wurden und Gegenstand vieler Publikationen sind, fassen einen Aspekt der Trendwende deutlich zusammen: Müdigkeit durch Übersättigung.
Das Phänomen ist nicht neu. Wer versucht, sich zwei Jahre lang ausschließlich von Bananen zu ernähren, sich zum Höhepunkt seiner Bananen-Begeisterung auch noch bananenförmige Möbel anschafft und seine Wohnung mit Tapeten mit Bananenmustern verziert, wird über kurz oder lang keine Bananen mehr sehen können und schon bei dem Wort „Banane“ die Flucht ergreifen. Der Hype um KI war schnell und quantitativ reichlich, das Wort ist jeden Tag in aller Munde und in allen Medien – zu viel ist zu viel.

Gewöhnung: Bei KI ist der Reiz des Neuen weg

Neue Technologien haben ohnehin grundsätzlich ein Problem und es war in der Menschheitsgeschichte immer so: Werden sie „normal“, Teil des Alltags, verlieren sie ihre Attraktivität. Der Reiz der Entdeckungs- und Erkundungszeit ist verflogen. Wir haben viele Funktionen ausprobiert, haben mit ihnen gespielt und uns dann das heraus genommen, was für uns nützlich ist. KI überrascht nicht mehr, wir kennen sie in- und auswändig. Der Rest ist uninteressant geworden.

KI produziert einen Einheitsbrei – insbesondere bei Illustrationen und Text

Wir leben in einer Zeit, in der Diversität wichtig ist. Unsere Epoche legt Wert darauf, die Unterschiede zwischen Menschen, Persönlichkeiten, Sexualpräferenzen, Gefühlswelten zuzulassen und das Ausleben dieser Individualitäten zu ermöglichen.
Seien wir erneut ehrlich: Wer einmal eine KI-generierte Abbildung gesehen hat, hat sie alle gesehen. Und erkennt sie auch langsam als solche. Sie sind perfekt, austauschbar, Massenware – und ganz sicher kein Alleinstellungsmerkmal. Umfragen zeigen, dass sie in den Medien als langweilig bis unangenehm wahrgenommen werden. Als Werbemittel empfinden sie viele Verbraucher als zu einheitlich, unoriginell und stellen die Seriosität und den Mehrwert des Unternehmens in Frage.

Sehnsüchte und Hoffnungen, die KI nicht erfüllen kann

Die digitale Welt ist ein praktisches Instrument, aber eben ein Instrument kann dem Menschen nicht alles bringen, was er braucht.
Wer längere Zeit versucht hat, einen Dialog mit einer KI zu führen, weiß: zu echter Verständigung, zu Gefühlen und echter Anteilnahme ist sie nicht fähig. Sie gibt ungeachtet der besonderen Situation allgemeingültige Standardratschläge und -aufmunterungen, was recht frustrierend sein kann. Ihr linguistisches Vermögen ist je nach Programmierung begrenzt. Bis zu einem gewissen Grad ist die Simulation menschlicher Regungen und Überlegungen gelungen, doch je mehr und je intensiver wir KI nutzen, umso deutlicher merken wir, dass es eben nur das ist: eine Simulation, ein Surrogat. Die Einsamkeit, die der Dialog brechen soll, wird durch die Frustration über die Unzulänglichkeiten der Maschine eher verstärkt als gemildert. Eine Lösung für alle ist keine Antwort für jeden einzelnen.

Ist diese Abkühlung der Begeisterung für KI nur eine vorübergehende Erscheinung? Und was sind die wichtigsten Kritikpunkte, denen sich KI 2026 stellen muss?
Im zweiten Teil unseres Artikels gehen wir ausführlich darauf ein und erklären, wie diese unerwartete Distanzierung sich auf Märkte, Arbeit und Alltag auswirkt.

Das Beitragsbild wurde übrigens von @ChatGPT erstellt :-)