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Internationalisierung, Globalisierung, Relokalisierung.

Modelle für eine Wirtschaft nach Corona: länderübergreifend und mehrsprachig.

Die Welt hat sich in den letzten Monaten merklich verändert. Das betrifft unseren Alltag vom Einkaufen bis zur Urlaubsreise, und noch mehr natürlich die Wirtschaft. Die Pandemie hat nicht nur Gewohnheiten durcheinandergebracht, neue Lebens- und Arbeitsrhythmen geschaffen, sondern uns auch vor neue wirtschaftliche Tatsachen gestellt und viele Fragen aufgeworfen. Wir sind so sehr in den Strudel der Ereignisse geraten, so sehr damit beschäftigt gewesen, Tag für Tag und nach Dringlichkeiten Abläufe und Rentabilität sicherzustellen, dass langfristige Entwicklungen auch rückblickend nicht mehr so einfach einzuschätzen sind. Mit diesem Artikel möchten wir unseren Kunden helfen, zum einen in Ruhe Bilanz zu ziehen, zum anderen Aussichten, Gelegenheiten und Einschätzungen für ihr internationales Geschäft wahrzunehmen und einzuordnen.

Wie die Wirtschaft ausgebremst wurde – und was es bedeutet

Was ist passiert?

Stellen Sie sich vor, Sie reisen mit dem Zug. Ob es sich dabei um eine kleine verträumte Bergbahn, die Sie zu Ihrem Urlaubsort in ein Schweizer Dörfchen bringt, oder um eine Geschäftsreise quer durch Japan mit dem schicken Shinkansen handelt, spielt keine Rolle. Während Sie sich entspannt Ihrer Reiselektüre widmen, Musik hören, Selfies posten, noch einmal Ihre Unterlagen für Ihre Besprechung durchgehen oder einfach den Blick aus dem Fenster genießen, führt der Zugführer seine üblichen Routineaufgaben durch.

In einer schlecht einsehbaren Kurve jedoch liegt unvermittelt ein Baumstamm auf den Gleisen. Vielleicht wurde er von Aktivisten oder Terroristen gefällt, um eine Entgleisung zu verursachen; vielleicht sind Borkenkäfer, Altersschwäche und der Zufall eines ungünstigen Windstoßes verantwortlich. Für das, was nun geschieht, spielt es vorerst tatsächlich keine Rolle. Eine Vollbremsung wird ausgelöst, und die Lage in den Wagons wird ungemütlich: Gepäckstücke fallen von den Ablagen, Menschen werden auf die gegenüberliegenden Sitze geschleudert oder stürzen.

Nach einer ersten Schreckminute gibt es viel zu tun: Die Gleise müssen freigeräumt, verletzte Passagiere versorgt und gegebenenfalls abtransportiert werden. Nachdem klar ist, dass die Situation nicht ganz so schlimm ist wie befürchtet, kann die Fahrt endlich fortgesetzt werden, wenn auch im gemäßigten Tempo, da zuerst geprüft werden muss, ob die Lok die Begegnung mit dem Hindernis wirklich so gut überstanden hat, wie es zunächst scheint, und zudem Rücksicht auf den restlichen Zugverkehr auf dieser Strecke genommen werden muss, der durch den Unfall und die entstandenen Verspätungen erheblich durcheinandergebracht wurde. Schließlich soll auch den Fahrgästen wieder Vertrauen, Sicherheit und Normalität vermittelt werden, und sie sollen, so effizient die Umstände es zulassen, ihr Ziel erreichen, wenn auch über Umwege.

Dies in etwa erlebte die Wirtschaft in den letzten Monaten infolge von Covid-19. Ganz ohne Blessuren und einen gewaltigen Schreck ging diese Zeit nicht an uns vorbei, und ein wenig wackelig auf den Beinen fühlen wir uns noch, aber nun wird wieder Fahrt aufgenommen und, wenn auch auf Sicht und mit vorsichtigem Tempo, dem Ziel entgegengestrebt – für die kleinsten Unternehmen im „Regionalverkehr“ ebenso wie für die Geschäftsreisenden der Großunternehmen und Konzerne auf den „Langstrecken“. Doch in welche Richtung wird die Reise nun gehen?

Wie geht es weiter?

Was uns erwartet, können wir nur bis zu einem gewissen Grad beeinflussen. Wir wissen nicht, wann ein Impfstoff zur Verfügung stehen wird und mit welcher Art von „Normalität“ wir uns auseinandersetzen müssen. Im Moment sind Think Tanks, Ökonomen und Soziologen damit beschäftigt, in die berühmte Kristallkugel zu schauen und Vermutungen über mögliche Entwicklungen anzustellen. Ihre Ergebnisse sind vielfältig, zuweilen widersprüchlich, und spiegeln in dieser Hinsicht die Meinungen und Wünsche wider, die auch in den Sozialen Medien zu lesen sind: Wird es eine Abkehr von den bisherigen Wegen geben? Werden neue Werte an ihre Stelle treten? Werden Umwelt und soziales Denken eine größere Rolle spielen? Wird Home Office endgültig zum Arbeitsumfeld der Zukunft? Wollen wir im Gegenteil so schnell wie möglich zu dem zurückkehren, was wir kennen und bisher funktionierte, den Wohlstand unserer westlichen Gesellschaften sicherte? Hat Just-In-Time ausgedient? Ein Füllhorn voller Fragen steht im Raum, und mit ihm Begriffe, die im Übersetzungsgeschäft längst Alltag sind.

Globalisierung, Internationalisierung, (Re‑)Lokalisierung …

Viele Begriffe, viele Irrtümer

Globalisierung eurolanguage Fachübersetzungen

Globalisierung: Hat sie ausgedient?

Nach dem Zusammenbruch der Logistikketten in diesem Frühjahr wurde Vieles kritisch hinterfragt. Die Globalisierung, die bereits zuvor ohnehin nicht ganz widerspruchslos beäugt wurde, wurde schnell als Teil, ja wichtigste Ursache des Problems an den Pranger gestellt, und manche sahen die Krise als Symptom und Warnung zugleich.

Der Begriff „Globalisierung“ ist an sich keine ursprünglich wirtschaftliche oder sozialwissenschaftliche Größe. Das Wort leitet sich von „Globus“ ab und bezeichnet die gesteuerte und gezielt aufgebaute weltweite Verflechtung von Menschen und all ihren Aktivitäten, ob im privaten, kulturellen, wirtschaftlichen oder politischen Bereich. Kolumbus, Cook, Vasco da Gama gehörten wohl zu den ersten, die sich um solche Vorgänge bemüht haben.

Mit der Intensivierung dieses Bestrebens, die Welt kleiner zu machen, wirtschaftlich überall präsent zu sein und aus jedem Land das Beste „mitzunehmen“, wurden in den letzten Jahren Lieferketten auf alle Kontinente verteilt, Produktionsstätten gewinnorientiert verlegt und Absatzmärkte in weiter Ferne erschlossen. Globalisierung wurde nun von den einen als Heilsbringer der Wirtschaft und des Wachstums gepriesen, von den anderen als sozial fragwürdigste Ausformung eines maßlosen und menschenverachtenden Kapitalismus’ verteufelt.

Unabhängig von diesen gegensätzlichen Meinungen erwies sich diese Strategie nach der pandemiebedingten Schließung der Grenzen als fragileres Konstrukt als bisher angenommen.

Zurück zu nationalen Wirtschaften und Produktionen? Was Relokalisierung bedeutet

Eine Überlegung, die sich aus diesen Beobachtungen entwickelte, war die Rückverlegung wichtiger Produktionsvorgänge ins eigene Land. Nach der Vollbremsung und dem unerfreulichen Kontakt mit dem Baumstamm, der sich auf die Gleise gelegt hatte, war manchem eher danach, das Zugfahren sozusagen ganz zu lassen und auf Wanderwege umzusteigen, die wesentlich weniger riskant schienen. Ob dies tatsächlich eine Option für die Zukunft sein wird, kann zur Zeit niemand voraussagen. Auch wenn die Versuchung groß sein mag und in einigen Branchen durchaus eine größere Differenzierung in solchen Entscheidungen stattfinden könnte, erscheint es objektiv wenig wahrscheinlich, dass – um bei unserem Bild zu bleiben – das ganze Schienennetz, das unsere Wirtschaft seit Jahrzehnten trägt, wegen eines zwar beeindruckenden, aber bisher einmaligen Vorfalls von heute auf morgen komplett abgebaut und vernichtet wird.

Denkbar ist allerdings, dass einige Märkte und Geschäftsbeziehungen auf kleinere Größen zurückgeführt werden: auf EU-Ebene anstatt auf Weltebene etwa, auf Kontinent-Ebene vielleicht in anderen Teilen der Welt. Relokalisierung würde hier also eine Rückführung auf einen geographisch überschaubareren und beherrschbareren Maßstab bedeuten.

Ein Begriff schafft den Konsens: Digitalisierung

Ein kluges Modell als Chance und Auftrag?

Wer trotz Einbruch der Gesamtwirtschaft in den letzten Monaten dennoch wenig zu beklagen hatte, hatte nicht nur Glück, sondern hatte es vor allem verstanden, sein Angebot und die meisten seiner Geschäftsabläufe, ob im B2B oder im B2C, zu digitalisieren. Selbst in der besonders getroffenen Gastronomie hatten jene Restaurants eine bessere Überlebenschance, die übers Internet einen Lieferservice oder Abholbuchungstermine per App hatten einrichten können. Freiberufliche Lehrer, Personal Coaches, Psychologen, die rechtzeitig ein Online-Angebot hatten aufbauen können, konnten zumindest einen Teil ihres Einkommens über die Krise retten. Die Digitalisierung, die bereits in aller Munde als Zukunftsmodell ohne Wenn und Aber gehandelt wurde, ist seitdem im Mittelpunkt des Interesses und der Investitionsüberlegungen.

Doch welche Konsequenzen hat dies für Unternehmen wirklich?

Digitalisierung im B2C – wirtschaftlich und krisensicher

Digitalisierung ist im B2C ein erster Schritt, um eine Unabhängigkeit vom Ladengeschäft herzustellen – sei es als zweites Standbein oder als komplette Umstellung des Geschäftskonzepts. Neben der Möglichkeit, auch in Zukunft Geschäftsschließungen auf diese Weise umgehen zu können, können Mieten und Verkaufspersonal eingespart werden, was gerade für sehr kleine Geschäfte zu einer deutlicheren Rentabilität führen kann.

Digitalisierung im B2B – Lean Management

Im B2B kann die Digitalisierung vieler Produktions- und administrativen Prozesse zu einer Verschlankung der Abläufe führen, was die betriebliche Flexibilität und Geschwindigkeit erhöht, die Kosten senkt und die Wettbewerbsfähigkeit unterstützt.

Digitalisierung als Rettung?

Was die Abkehr vom Direktgeschäft bedeutet

Sieht man von Unternehmen aus der Stand-Gastronomie ab, denen Lieferdienst-Plattformen ermöglichen, ihr Geschäft weiter lokal zu führen, jedoch parallel neue Vertriebswege zu erschließen, lässt sich das Modell allerdings nicht ohne zusätzliche Überlegungen auf alle Branchen übertragen.

Die Unabhängigkeit vom Ladengeschäft im B2C, vom Unterrichtsraum, oder von der physikalischen Kanzlei oder Praxis und die Verlegung aller Aktivitäten in die virtuelle Welt durch Online-Shops, Online-Sprechstunden, Online-Beratung oder Online-Kurse implizieren aber auch eine größere Vergleichbarkeit der Angebote, und somit eine wesentlich höhere Konkurrenz. Auch im B2B kann der Umstieg auf das Internet der Dinge in der Produktion und auf rein virtuelle Dienstleistungsangebote zu einem Verblassen von Image und Positionierung führen. Die Gefahr, sich zu Dumping-Preisen verführen zu lassen, die zwar den Absatz sichern, aber keinen ausreichenden Umsatz ermöglichen, um langfristig zu überleben, ist groß.

Durch den Verlust des persönlich-menschlichen Aspekts muss die Kundenbindung auf anderen Wegen erreicht werden. Es wird eine viel intensivere Branding-Arbeit erforderlich, die wiederum eine hohe Zeitinvestition, aber auch Kapital erfordert – idealerweise beides.

Wie Internationalisierung eine lebensfähige Digitalisierung erst ermöglicht

Eine bessere Möglichkeit besteht darin, die Kundenansprache zu streuen, indem sie internationalisiert wird. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es werden sofort und mit relativ geringem Aufwand mehr potentielle Kunden erreicht. Es ist auch die Gelegenheit, neue Zielgruppen zu integrieren und bestehende Zielgruppen zu verschieben: von der Kundschaft, die Wert auf den persönlichen menschlichen Kontakt legt, auf eine Kundschaft, die gern direkt entscheidet und sich von der Attraktivität der Produkte, ihrer Präsentation, des Brandings und der Qualität des Online-Services leiten lässt.

How to Internationalisieren? Gute Übersetzungen sind der Schlüssel

Internationalisierung bedeutet aber nicht nur, Produkte irgendwie für den Auslandsverkauf anzubieten. Um überzeugen zu können, muss die Qualität der Vorstellung herausragend und perfekt auf die Zielgruppen angepasst sein.

Um dies wiederum zu erreichen, sind stilistisch perfekte Texte und eine konkrete, gezielte Ansprache unerlässlich, die der Mentalität des jeweiligen Ziellandes entspricht und ihr Rechnung trägt. Die bloße sprachliche Übertragung einer Website reicht nicht aus. Hier können erfahrene Übersetzer beratend helfen, die Elemente herauszuarbeiten, die den kleinen, aber wichtigen Unterschied machen. Maschinelle Übersetzungen, die für den privaten Gebrauch als halbzulängliches Hilfsmittel durchaus hilfreich sein können, werden hierfür eine qualifizierte, dezidierte und hochwertige Arbeit nicht ersetzen können.
Ob – in welcher Form auch immer – Globalisierung oder Relokalisierung die Welt von morgen prägen, ob unsere Märkte wieder größer werden oder kontinental-regional zu suchen sein werden: Der internationale Austausch wird an qualitativer Bedeutung gewinnen.

Sie möchten den digitalen Weg gehen und so Ihr Geschäft auf die Welt von morgen vorbereiten? Wir beraten Sie und helfen Ihnen. E-Mail:  office@eurolanguage.net

Wir erklären Ihnen, wie viele Sprachen Ihre Website braucht, welche Texte Sie am dringendsten in der Übersetzung benötigen und welche Sie zurückstellen können, wie Sie Ihre Übersetzungskosten steuern können und vieles mehr.

Globalisierung, Internationalisierung, Relokalisierung, Digitalisierung - nach Corona

Fotos: @canva

Sprache im Allgemeinen und speziell die Interaktion von Sprechern verschiedener Sprachen war von Beginn an ein Gebiet, auf das die, damals schlicht als „Informatik“ bezeichnete Wissenschaft, ein ganz besonderes Augenmerk legte. Die unglaublich verlockende Vorstellung, eine Maschine könnte irgendwann einmal das menschliche Denken perfekt imitieren und sich autonom verständigen, faszinierte die Denker vom ersten Tag an. Sie war Utopie und Ansporn zugleich. Und ja, heute ist der Traum in vielen Bereichen Wirklichkeit geworden, der Begriff „Künstliche Intelligenz“ ist das Zauberwort der Neuzeit. Was bedeutet er für das internationale Business? Schwer zu überblicken? Mit diesem kleinen Abriss möchten wir unseren Kunden helfen, Tatsachen von Vermutungen und Gerüchten –Pardon: Fake News natürlich! – zu unterscheiden.

Künstliche Intelligenz und Übersetzung – von gestern bis heute

Sprachen als Spiel- und Übungsplatz der 60er und 70er Jahre

Als in Japan das erste sprechende „Elektronengehirn“, das brav grüßen und auf ein paar Grundfragen scheinbar selbständig antworten konnte, enthüllt wurde, keimte in der Presse bereits die Überlegung auf, ob in absehbarer Zeit Roboter als Dolmetscher fungieren könnten, und die Antwort der Ingenieure war ein klares optimistisches „Ja“. Gerade Übersetzer vermochten dies nicht zu glauben, zu komplex seien Sprachstrukturen und -nuancen, zu wichtig die interkulturelle Kompetenz, als dass eine Maschine sie beherrschen könne. Auch das Versprechen, mit immer größeren Computern immer mehr Daten und somit Wortschatz und Grammatik implementieren zu können, wusste die Skepsis nicht ganz zu vertreiben. Zumindest herrschte in unserer Branche darüber Konsens, dass es, wenn überhaupt jemals, nicht ganz so bald sein könne.

Von den netten Spielzeugen der 80er Jahre zu den Übersetzungshilfen der 90er

Angesichts der freundlichen kleinen weißen zweibeinigen Blechfreunde mit den lustigen blauen Augen, die auf Industriemessen mit hölzernen Sätzen und erheblicher Sprechverzögerung eher durch ihre Niedlichkeit punkteten, schien das Thema jedoch nicht im engen Sinne vorrangig.
Mitte der 90er Jahre allerdings kamen erste Programme auf, die für die Übersetzer zunächst eine große Arbeitserleichterung darstellen sollten. „CAT-Tools“ in Form von Translation Memory-Software schienen das Gebot der Stunde.

Wie das Übersetzungswerkzeug im neuen Jahrtausend zum double-edged tool wurde

Ein zweischneidiges Schwert spaltete von nun an nach und nach die Übersetzergemeinde – demographisch und kaufmännisch. Während die Mehrheit der Übersetzer darüber erfreut war, sich nicht mehr nur auf das eigene Gedächtnis verlassen zu müssen und dadurch Zeit zu gewinnen, die sie bisher für die Suche in ihrem Archiv nach bestimmten Textabschnitten, internen Firmenfachterminologien oder Formulierungen aufgewendet hatten, blickten einige mit Zurückhaltung und Misstrauen auf die neuen Arbeitshelfer. Tatsächlich sind die Pflege der Datenbanken oder die Vorbereitung von Dateiformaten auf den zweiten Blick nicht viel weniger zeitraubend als die bisherigen Prozesse; bereits übertragene Sätze können je nach Kontext nicht blind übernommen werden, wie die Werbung es versprach, sondern müssen ohnehin per Hand angepasst und redigiert werden; die benötigten materiellen und finanziellen Ressourcen sind erheblich. Erfahrene Übersetzer vor allem monierten, dass dadurch die Qualität von Übersetzungen zu sinken drohe, wenn nicht eine sehr beachtliche Mehrarbeit investiert würde, für die kein geldwerter Ausgleich angeboten würde.

Licht und Schatten: CAT-Tools im Dienste der Internationalisierung und Globalisierung

Wie immer im Leben haben Medaillen und Werkzeuge immer zwei Seiten.

CAT-Tools sind ein Segen für den Übersetzungskunden im B2B

Für Geschäftskunden sind CAT-Tools ein Segen: Sie bekommen ihre Übersetzungen schneller; sie können sicher sein, dass ihre Fachterminologie in allen Texten beachtet und systematisch verwendet wurde; sie sparen Geld, denn zu einem früheren Zeitpunkt bereits bearbeitete Textteile werden rechnungsmindernd berücksichtigt; sie können ihre Übersetzungsbudgets besser steuern, da die Berechnung oft nach der Wortzahl des Ausgangstextes erfolgt und Kostenvoranschläge in vielen Fällen überflüssig macht. Es ist Dienstleistung in Vollendung.

Es ist nicht alles Gold …

Vereinfacht ausgedrückt: Die Vorstellung auf der Bühne der Übersetzung wirkt müheloser und ist sehr viel kundenorientierter, effizienter und perfekter geworden. Dies ist nicht zu bestreiten, und Künstliche Intelligenz hat daran einen großen Anteil.
Wie im Theater oder im Ballett auch steckt hinter dieser Leichtigkeit allerdings eine große Menge sehr harter Arbeit … die hinter den Kulissen geschieht, sie wird nicht gesehen, und somit auch nicht (mehr) entlohnt wird. Es ist kein Geheimnis, dass sich die Übersetzungshonorare im deutschen Sprachraum in den letzten zehn Jahren halbiert haben. Die Übersetzer müssen also, um ihre Existenz zu sichern, mehr Kunden finden und Aufträge annehmen, während ihre Leistung immer kleiner geredet wird.
Diese brancheninterne Situation bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass der Kunde mehr denn je wirklich sicher sein muss, dass er es mit einem zuverlässigen, kompromisslos seriösen Übersetzungspartner zu tun hat, der bereit ist, trotz nicht mehr uneingeschränkt blühender Arbeitslandschaft höchste Qualität zu liefern. Ein Übersetzer, der nicht die Meinung vertritt, er müsse nur das tun, wofür er tatsächlich bezahlt würde, sondern von sich aus willens ist, zusammen mit dem Kunden die sogenannte Extrameile zu gehen, der sich dem Erfolg des Kunden verpflichtet fühlt.

In unserem nächsten Blogartikel im Februar werden wir Ihnen daher genau erklären, woran Sie eine gute Übersetzungsagentur und ein seriöses Geschäftsgebaren in der Übersetzungsbranche erkennen können.

Bei allen Vor- und Nachteilen: Natürlich tragen CAT-Tools auf sehr wirksame Weise zur Internationalisierung und zur Globalisierung bei, denn sie unterstützen einen in Corporate Language und Corporate Wording einheitlichen internationalen Auftritt. Damit sind sie allerdings nicht mehr allein.

Internationalisierung auf Knopfdruck – ein Traum der 2010er Jahre?

Automatische Übersetzung und neuronale automatische Übersetzung sind die neuen Stichwörter der letzten Jahre und lassen das Thema CAT-Tools beinahe obsolet erscheinen: Ist es möglich, ganz ohne Übersetzer auszukommen? Auf allgemein (sogar mitunter kostenfrei) verfügbare Software zurückzugreifen und Texte ganz ohne den Menschen zu übersetzen? Kann KI Sprachstrukturen mittlerweile so gut erkennen und in eine andere Sprache übertragen, dass MI entbehrlich ist?
Eine Antwort auf diese Frage kann nur seriös sein, wenn sie absolut objektiv ist – und wir haben sie an anderer Stelle in diesem Blog gegeben.

Grenzen der KI im internationalen Geschäft: Suchmaschinen verweigern die Globalisierung

Alle Kontinente sind einen Tastenklick entfernt

Das Internet als Netzwerk verbindet uns mit der ganzen Welt. Die Grenzen unserer Mikrokosmen und Universen scheinen verschwunden. Europa feiert nicht nur Thanksgiving und Halloween, sondern auch Black Friday und Cyberweek. Unsere Geschäftspartner müssen sich nicht mehr zu uns bemühen, Videokonferenzen ermöglichen die simultane Unterzeichnung von Verträgen über Tausende von Kilometern hinweg. Ob dies eher kritisch oder als beispielloser Fortschritt zu betrachten ist, spielt keine Rolle: Es ist die Realität, in der wir leben.
Doch wie international ist diese Realität wirklich? Wie nah sind unsere Geschäftspartner wirklich?

Ernüchternde Erkenntnis: KI versteht die Globalisierung nicht

Im internationalen Geschäft – und dies betrifft gleichermaßen das B2B und das B2C – zeigt sich, dass wir nicht annähernd so weit gekommen sind, wie wir es glauben möchten. Einige Fakten machen deutlich, dass KI Internationalisierung und Globalisierung weniger fördert als behindert.

Regionale Werkzeuge täuschen die große weite Welt vor

Suchmaschinen etwa sind entgegen der geläufigen Meinung keineswegs global ausgerichtet. Die in Europa bekannteste von ihnen ist in Asien oder Russland kein Wirtschaftsfaktor, was die Automatisierung von SEO-Arbeit zunichtemachen kann.

Des Weiteren zeigen die sogenannten „Filterblasen“, wie regelrecht provinziell Künstliche Intelligenz sein kann: Grundsätzlich werden bei der organischen Suche nur Ergebnisse aus der eigenen geografischen Zone angezeigt, auch wenn die Frage in einer Fremdsprache formuliert und in Anführungsstriche gesetzt wird. Um dies zu umgehen, müssen sowohl die Zielsprache als auch das Zielland unter „Einstellungen“ speziell angekreuzt werden.
Bei diesem Schritt wiederum sind die Optionen begrenzt. Es ist nicht möglich, nach Zulieferern in allen französischsprachigen Ländern oder im gesamten hispanischen Bereich zu suchen oder mehrere Länder gleichzeitig auszuwählen. Diese Parameter müssen außerdem nach einem Sitzungsabbruch (also Schließen der Suchmaschine) neu eingegeben werden. Suchmaschinen gehen davon aus, dass der Nutzer etwas in seiner Nähe finden möchte. Die Welt da draußen bleibt für sie offenbar fern und fremd.

Social Media – liken und versinken

Gleiches ist beispielsweise auf Twitter zu beobachten. Wurde zwei oder drei Konten etwa von englischen Kulturinstitutionen gefolgt, schlägt Twitter in der Spalte „Wem folgen?“ konsequent ausschließlich Nutzer aus Großbritannien vor. Auf die Idee, dass das Interesse vielleicht dem Thema in aller Welt und nicht dem geographischen Bereich gilt, kommt das System keine Sekunde – Internationalisierung und Globalisierung … Fehlanzeige.

Andere Denkmuster sind nicht vorgesehen, und hier enthüllt KI genau die Unflexibilität und den Gespürmangel, die sie zum heutigen Stand der Technik je nach Textkategorie und Anspruch noch immer zum Übersetzer dritter, vierter und fünfter Klasse degradiert.

Künstliche Intelligenz spielt in der Globalisierung dahingehend eine Rolle, dass sie den Business-Akteuren mitunter eine schnellere, effizientere und stimmigere Umsetzung der Internationalisierungsstrategie eröffnen kann. Sie bleibt allerdings ein Werkzeug, das die Menschenhand noch braucht, und ist noch sehr weit davon entfernt, uns die Welt objektiv und kulturell angemessen zu Füßen zu legen oder Internationalität selbst und autonom zu gestalten.
Ob Chancen oder Grenzen überwiegen, könnte Gegenstand langer Diskussionen sein.

Gerne laden wir Sie dazu ein, uns Ihre Meinung zu diesem Artikel und zu den zwei Seiten der KI im internationalen Geschäft zukommen zu lassen, die wir gern unter Einhaltung eines strengen und nach Ihren Vorstellungen steuerbaren Datenschutzes in diesem Blog veröffentlichen, wenn Sie es wünschen.

Foto: @canva