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Wenn wir uns heute umsehen, in unseren E-Mail-Eingang schauen oder telefonieren, ist nichts mehr so, wie es noch vor einigen Wochen war. Die Realität hat sich verändert, eingespielte Mechanismen funktionieren nicht mehr, Selbstverständlichkeiten werden ad absurdum geführt. Es ist schon schwierig genug, privat mit diesen unbekannten und bis dahin kaum vorstellbaren Rahmenbedingungen zurechtzukommen. Geschäftlich und beruflich ist es noch viel entscheidender, sich schnell anzupassen und souverän zu handeln. Für international tätige Unternehmen ist es ein ganz besonderes Wagnis.

Wir möchten Übersetzungskunden helfen, den Überblick zu behalten, die Wirkung ihres Verhaltens auf dem internationalen Parkett richtig einzuschätzen, potentielle Fallstricke zu erkennen und zu umgehen und ihre internationale Kommunikation geschäftserhaltend zu steuern.

Wie die Corona-Krise unseren Umgang mit der Globalisierung beeinflusst

Das Coronavirus zeigt in seiner Ausbreitung und Auswirkungen mehr als jede nüchterne Beschreibung, als jede geschichtswissenschaftliche Theorie des Handels und weit deutlicher als die exemplarisch so viel zitierte Expansion von Fastfoodketten in allen Ländern, wie engmaschig der Austausch von Waren und zwischen Menschen rund um den Globus geworden ist – ja wie eins wir alle geworden sind. Grenzen und Distanzen scheinen in den letzten Wochen für immer aus unserem Verständnis verschwunden zu sein: Es wurde uns allzu überzeugend vor Augen geführt, wie durchlässig und unbedeutend sie sind. Zum ersten Mal vielleicht begreifen wir wirklich, was Globalisierung bedeutet, was sie für jeden Einzelnen, ob im ganz kleinen oder ganz großen Maßstab, menschlich und wirtschaftlich impliziert. Manche nehmen sogar diese Entwicklungen und die so entstandene Einsicht in Prozesse, die den meisten im privaten Alltag eher verborgen geblieben waren, zum Anlass, um eine kritische oder zumindest fragende Stimme zu heben und zu einer Reflexion über unsere ökonomischen Vorstellungen, Wünsche und Pläne anzuregen.

Ob die Corona-Krise unsere Betrachtung einer globalisierten Welt verändern wird, ob wir so schnell wie möglich den eingeschlagenen Kurs fortführen werden, wenn die Situation es wieder zulässt, ob wir einen Mittelweg suchen werden – zum jetzigen Zeitpunkt vermag niemand diese Frage zu beantworten, und es erblühen diesbezüglich die unterschiedlichsten Visionen zwischen Dystopien und Utopien.

Fakt ist: Wir alle können nicht so tun, als sei nichts; wir können nicht arbeiten, als sei alles „normal“. Dies beeinflusst, bewusst oder unbewusst, unsere Art miteinander umzugehen, miteinander zu reden. Auch und vor allem im internationalen Bereich sehen sich Unternehmen daher mit einer Reihe von Problemen konfrontiert, die effiziente und zuverlässige Lösungen erfordern.

Perfekte internationale Kommunikation in Zeiten von Covid-19: unsere Empfehlungen und ihre Vorteile

Empfehlung 1: Kommunizieren Sie immer in der Sprache des Ziellandes

Ob Sie Newsletter an B2C-Kunden oder eMails an Ihre B2B-Partner versenden, eine Mitarbeiterzeitung oder regelmäßige Memos nutzen, um Ihre Tochtergesellschaften zu informieren oder Verhaltensrichtlinien zu übermitteln – Sie sollten sich auf keinen Fall für den einfachen Weg entscheiden und Ihre Texte lediglich in deutscher oder englischer Sprache verfassen, auch wenn Sie es sonst immer tun und es bis heute unproblematisch war.

Lückenlos und bis ins kleinste Detail verstanden werden

Einen Text in der eigenen Muttersprache zu erhalten, entspannt jede schwierige Situation. Ihre Leser benötigen weniger Zeit, um die Inhalte zu erfassen, und können auf diese Weise sicher sein, dass sie Sie einwandfrei verstanden haben. Es bleibt nichts ungesagt, sprachbedingte Zweifel oder Rückfragen bleiben aus, was in der allgemeinen aktuellen Hektik nicht zu vernachlässigen ist. Eine Übersetzung ist zugleich Dienst am Leser und Effizienzfaktor.

Auf unternehmensinterner Ebene: Texte in der Zielsprache schaffen Nähe und Verbundenheit – mit doppeltem Nutzen

Wirtschaftsbedingte Ängste sind allgegenwärtig. Indem Sie Ihre Mitarbeiter im Ausland in ihrer Muttersprache ansprechen, zeigen Sie, dass sie Ihnen nicht gleichgültig sind. Sie vermitteln dadurch überzeugend, dass Sie Ihr Personal nicht allein mit einer grauen Umsatzzahl gleichsetzen, sondern auch Interesse an den Menschen hinter der Arbeit haben. Dies wiederum positioniert Sie als erstrebenswerten Arbeitgeber und erhöht die Bereitschaft eines jeden Einzelnen, sich in diesen schwierigen Zeiten mit mehr Motivation und zusätzlichem Einsatz für das Wohl des gesamten Unternehmens zu engagieren.

Test der Belastbarkeit einer internationalen Beziehung

Der Schritt zu einer Kommunikation in der Sprache des Ziellandes ist intern und im B2B auch ein Beweis des Wertes, der Ernsthaftigkeit und der Nachhaltigkeit der geschäftlichen oder beruflichen Bande und kann über ihre Zukunftsfähigkeit entscheiden.

Empfehlung 2: Zeigen Sie interkulturelle Kompetenz

Sowohl im B2B als auch unternehmensintern sollten Sie vorübergehend auf eine allzu strenge Umsetzung von Corporate Identity, Corporate Language und Corporate Guidelines verzichten. Es ist nicht die Zeit für Rechthaberei und formelle Steifheit, sondern für eine dezidiert dem Leser zugewandten Kommunikation. Zeigen Sie, dass Sie in der Lage sind, auf die mentalitätsbedingten Bedürfnisse Ihrer ausländischen Ansprechpartner zuzugehen, und dass Sie diese vor Ihre eigenen Prinzipien, Leitsätze und Richtlinien stellen. Damit beweisen Sie nicht nur Menschlichkeit und schaffen eine positive Voreingenommenheit zugunsten Ihres Unternehmens und Ihrer Marke, sondern Sie positionieren sich auch im Unterbewusstsein als flexiblen Partner. Dies steigert Ihren Marktwert – jetzt, da niemand komplizierte, bürokratische oder problematische Beziehungen gebrauchen kann.

Empfehlung 3: Handeln Sie individuell und nicht global

Das Virus hat ein Netz der Ansteckung über den gesamten Planeten ausgebreitet. Keine Region der Erde kann von sich behaupten, sie sei nicht betroffen. Tourismus und Handelswege sind zum Vehikel einer Krankheit geworden, die grenzen- und kulturübergreifend Leben, Alltag und Wirtschaft ins Chaos stürzt. Die Pandemie selbst und erst recht ihre ökonomischen Auswirkungen verschärfen den Eindruck einer tatsächlich restlos globalisierten, einheitlichen Welt, in der Unterschiede nicht mehr relevant sind. Doch ist es ein trügerisches Bild, das für Ihre internationale Kommunikation fatale Folgen haben kann. In Wirklichkeit reagieren Regierungen und Bevölkerungen mit jeweils anderen Maßnahmen und Verhaltensmustern. Dies ist zum einen natürlich strukturell und politisch bedingt, zum anderen aber ebenso mentalitätsbedingt. Jedes der Zielländer, mit denen Sie als Arbeitgeber, als Geschäftspartner, als Kunde, als Zulieferer beruflich zu tun haben, bewahrt auch und gerade jetzt seine Identität, die in unterschiedlichen Rahmenbedingungen ihren Ausdruck findet. Die Vorschriften für Lockdown, Betriebsschließungen oder Hygienemaßnahmen am Arbeitsplatz sind vielfältig und schaffen eine große Bandbreite an kaum vergleichbaren Situationen.

Ihre internationale Kommunikation muss dem Rechnung tragen, dies behutsam und feinfühlig integrieren. Rundschreiben etwa sollten nicht komplett in alle Sprachen übernommen werden: Textbausteine können gegebenenfalls für die einzelnen Länder ausgearbeitet werden. Nur wenn der Dialog mit Ihrem ausländischen Ansprechpartner entsprechend persönlich ist, kann er langfristig zielführend sein.

Fallstricke und Lösungen für Ihre internationale Kommunikation unter Sars-Cov-2

Fallstrick 1: unzureichende oder fehlerhafte Informationen

Wie sieht es in dem Land wirklich aus, in dem sich Ihr Ansprechpartner befindet? Nur wenn Sie dies wissen, können Sie Ihre Kommunikation angemessen gestalten. Vertrauen Sie hier nicht auf Gerüchte oder erste Eindrücke, die Ihnen Medien und Soziale Netzwerke in filtrierter und verkürzter Form vermitteln. Stellen Sie dem Übersetzer entsprechende Fragen, oder machen Sie sie von vornherein zu einem Teilinhalt Ihrer Korrespondenz oder Ihrer Mitteilungen. Aufrichtiges Interesse und Mitgefühl sind ein wichtiges Element, das die spätere Beziehung stärken und unter Umständen grundlegend verbessern kann und Kunden bindet.

Fallstrick 2: Gesten können eine gefährliche Gratwanderung sein

Möglicherweise möchten Sie als Unternehmer anderen Ihre Hilfe anbieten, einen besonderen Beitrag leisten. Gutscheine, Preisnachlässe, Vorschüsse auf Zahlungen, kleine Zuwendungen und Geschenke, Spenden sind nur einige Beispiele dessen, was möglich ist. Bevor Sie dies tun, sollten Sie jedoch – neben dem rechtlichen Aspekt natürlich – sicherstellen, dass dies im Zielland tatsächlich positiv aufgenommen wird. Leicht kann eine großzügige und aufrichtig gemeinte Geste in einem anderen geschäftskulturellen Umfeld als Marketingmaßnahme eines Profiteurs oder als gönnerhaft, als Almosen und Beleidigung aufgefasst werden. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Übersetzer über die diesbezügliche Stimmung in seinem Land. Besprechen Sie mit ihm die Art, wie Sie Ihre Unterstützung semantisch anbieten und erklären können.

Fallstrick 3: Vernachlässigung der unternehmensinternen internationalen Kommunikation

Als Unternehmer haben Sie im Moment Sorgen, und naturgemäß ist die Versuchung groß, in erster Linie die Kundenkontakte und den Erhalt eines lebensfähigen Umsatzes zu sichern. Der Austausch zwischen Ihnen und Ihren Auslandsfilialen kann dadurch aber auf eine harte Probe gestellt werden. Lieferengpässe, Liquiditätsprobleme, Personalausfälle erfordern einen täglichen Dialog, der durch die allgemein herrschende Anspannung und die Dringlichkeit der zu treffenden Entscheidungen schon in der eigenen Sprache nicht immer leicht zu führen ist und vielleicht nicht so ausgeglichen und sachlich verläuft, wie er es sollte. Doch gerade deshalb, gerade jetzt und gerade auf interner Ebene dürfen sich internationale Akteure keinerlei Fehler erlauben. Je nach geschäftskulturellem Kontext und Mentalität kann eine unzulängliche, d. h. den Besonderheiten des Ziellands nicht angepasste Kommunikation zur Verunsicherung der Mitarbeiter führen, schlimmstenfalls zu Misstrauen, und Zweifel an der Qualität der Kooperation oder an der Überlebensfähigkeit der Zusammenarbeit nach der Krise schüren. Die Unterstützung und Beratung durch einen qualifizierten Sprachmittler hilft Ihnen, auch diese Zeit ohne Image- und wirtschaftlichen Schaden zu überstehen.

Beweisen Sie gerade jetzt und noch mehr als sonst interkulturelle Kompetenz. Informieren Sie sich, lassen Sie sich beraten und vertrauen Sie auf die Meinung Ihrer Übersetzer: Als Muttersprachler mit ständigem Kontakt zu ihrem Heimatland haben nur sie einen genauen Einblick in das, was dort wirklich geschieht, in die geschäftlich-emotionale Situation in Ihrem Zielland, und können Ihnen sagen, wie Sie den richtigen Ton treffen, wie Sie Inhalte konkret, aber auch einfühlsam vermitteln können, damit Sie in dieser weichenstellenden Zeit zuverlässig einen nicht nur souveränen, sondern auch sympathischen und positiven Eindruck hinterlassen, der Ihrem Unternehmen nach der Krise weiter zugutekommen wird.

Sprechen Sie mit uns – wir beraten Sie gerne:

Übersetzungen unterliegen einem Wandel

Im Laufe der Jahrhunderte hat es immer wieder Wandel in der Auffassung dessen gegeben, was eine Übersetzung sein soll und welche Kriterien sie zu erfüllen hat. Man könnte und dürfte durchaus sagen, dass auch die Arbeit des Übersetzers Moden und Zyklen unterworfen ist. Dies bleibt für sein Selbstbild, seine Prinzipien und die Nutzbarkeit der Übersetzung nicht ohne Folgen.

Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts musste alles der Vorstellungswelt des Ziellandes angepasst werden. Es wurde davon ausgegangen, dass landestypische Begrifflichkeiten nicht verstanden werden würden, und so wurde Sandwiches munter zu Butterbroten und Croissants zu süßen Brötchen umdeklariert.

Lokalkolorit

In den folgenden Jahrzehnten wiederum wurde immer mehr Lokalkolorit zugelassen. Nicht nur in literarischen Werken, sondern auch in geschäftlichen Dokumenten wurde Wert darauf gelegt, die Tonalität und die Vorstellungswelt des Ursprungslands sorgfältig und detailreich und -getreu zu erhalten und so anschaulich wie möglich wiederzugeben. Dem Übersetzen kam eine exklärende und beratende Funktion zu.
Heute wird in erster Linie verlangt, dass eine Übersetzung so gelesen werden kann, als sei sie ein im Zielland entstandener Originaltext.

Berufsethos im Wandel

Der Hintergrund dieser Forderung ist verständlich und legitim und ist Ausdruck des Wunsches, einen flüssigen, syntaktisch, semantisch, stilistisch und grammatikalisch fehlerfreien Text zu erhalten, der einwandfrei und schnell verständlich ist – sozusagen „barrierefrei“, wie es sich für eine grenzüberschreitende Tätigkeit nun einmal gehört.
Dieser durchaus nachvollziehbare und berechtigte Anspruch ist jedoch nicht ohne Tücke, und dies berührt nicht zuletzt ebenso das Berufsethos des Übersetzers wie die Qualität der internationalen Kommunikation.
Wird dieser Grundsatz allerdings zu Ende gedacht und gelebt, stellt sich die Frage nach der Vollständigkeit der Textübertragung und ihren Konsequenzen. Der Ausgangstext wird bei dieser Vorgehensweise von allem „bereinigt“, was im Zielland als nicht „natürlich“ und selbstverständlich empfunden wird. Dies bedeutet nichts anderes, als dass er auf die Aspekte seines Inhalts reduziert wird, die länder- und kulturübergreifend sind. Was übrig bleibt, ist die reine Information: Daten und austauschbare Allgemeinplätze, ohne Zwischentöne, ohne ländertypische Kommunikationsmerkmale und folglich ohne Verständnis oder Interesse für das Gegenüber – ein Desaster im Marketing und auf geschäftlicher und diplomatischer Verhandlungsebene. Eine Übersetzung, die wie ein in der Zielsprache verfasster Text anmutet, ist Vieles, nur keine Übersetzung: Sie ist entweder eine Exzerption rein faktischer Inhalte, oder sie ist ein ganz neu geschriebener Text, bei dem das Original nur vage als Materialkiste dient.

Linguisten, Soziologen und Neurobiologen wissen längst, dass unterschiedliche Sprachen Bereiche unterschiedlicher Denkart und -struktur, unterschiedlicher Kultur und unterschiedlicher Wertvorstellungen kennzeichnen. Wird vom Übersetzer ein Text verlangt, der genau diese Besonderheiten weglässt, sagt dies nichts anderes aus, als dass die Begrifflichkeiten des Über-Setzens und des Sprachmittlers keinen Bestand mehr haben.

Globalisierung

Auch in Zeiten der Globalisierung und der Informationsgesellschaft ist unsere Kommunikation nicht grenzfrei geworden. Und so schillernd und vielfältig wie die Kulturen, die Menschen und ihre Texte sollten auch die Übersetzungen sein und bleiben, die sie uns zugänglich machen. Sie sollten die Unterschiede nicht zerstören, nicht „wegglätten“. Sie sollten vermitteln, wie faszinierend diese sind und wie wertvoll es ist, sie zu erspüren und zu verstehen. Nur so kann die berufliche, geschäftliche, kulturelle und politische Zusammenarbeit für alle Seiten frei von Frust, Hintergedanken und Missverständnissen und somit langfristig erfolgreich funktionieren.

Rufen Sie uns an, wir beraten Sie gerne.