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Was hatte ich mir nur dabei gedacht?

Nach einem erfolgreich abgeschlossenen Sprachstudium war ich nicht nur aller elterlichen Sorge trotzend und mit der Zuversicht, die allein der Jugend eigen ist, ziemlich ohne Plan B nach Wien gezogen, sondern hielt nun, an jenem kalten verregneten 6. März 1995, nach einer langen Warterei im Vorzimmer des Magistrats, meinen Gewerbeschein in Händen. 700 Schilling in Stempelmarken, das entsprach ca. 100,- DM, hatte er gekostet. Sicher, es war ein gewagtes, vielleicht sogar nicht ganz überlegtes Unterfangen, aber wenn ich heute zurückblicke, sehe ich in dieser Anekdote in erster Linie das, was eurolanguage Fachübersetzungen bis heute auszeichnen sollte und was ich in den jungen Gründern und ihren Start-ups erkenne: bedingungslose Leidenschaft und Enthusiasmus.

Ein wenig Zufall und viel Leichtigkeit

Zugegeben – alles war damals anders.

In der Dienstleistungsbranche herrschte Aufbruchstimmung. Vielmehr noch: Dienstleistung war „das ganz große Ding“ dieser Jahre, regelrecht ein Modewort, und auch wenn es heute sicher lächerlich klingt, Dienstleister zu sein war gewissermaßen „cool“ und hatte eine beinah glamouröse Aura. Es zeigte, dass man die Zeichen der Zeit erkannt hatte, dass man sich bewusst für die neue Richtung entschied, die sich in der Wirtschaft als zukunftsträchtig und gewinnbringend abzeichnete. Service sollte nicht mehr eine leere Worthülse sein, der Kunde sollte endlich wirklich König werden; ihm zu dienen und alles, aber auch alles für ihn tun zu wollen, sich Tag und Nacht für ihn einzusetzen, schien Ehre und Gebot zugleich. Teil an dem Hype zu haben, machte einen so wahnsinnig stolz. Die junge Romanistin, die in der Wiener Linzerstraße ihren ersten Firmensitz haben sollte, dachte da nicht anders. Wie Sie vermutlich gerade, muss auch ich in diesem Augenblick darüber schmunzeln.

Hindernisse gab es kaum, Vorschriften nur wenige. Von DSGVO, Impressumspflicht, UWG, UrhG, Abmahnungen und Co. war nicht die Rede. Diese Aussicht, durch das eigene Geschäft auch das eigene Leben frei gestalten zu können, war allgegenwärtig und fühlte sich leicht und gut an.

Der Bedarf an Übersetzungen war zudem enorm. Die EWG war im Grunde kürzlich erst zur EG geworden, und aus den neuen Bestimmungen, Regelwerken und Verpflichtungen, die sich aus dieser Umgestaltung ergaben, erwuchs für die Übersetzungsbranche ein weit geöffneter Horizont unendlicher Möglichkeiten.

Eine Prise Glück

Die ersten Aufträge ließen nicht lange auf sich warten: Ein guter Studienfreund hatte meine neu gegründete Übersetzungsagentur empfohlen (es hieß noch nicht „Networking“ oder „Empfehlungsmarketing“ …), und so gewann ich schnell erste, erfreulicherweise sehr gute Kunden. Mit einigen von ihnen arbeite ich tatsächlich heute noch zusammen, was mich an diesem Jubiläumstag mit großer Dankbarkeit und ein wenig Rührung erfüllt.

Rasant ging es weiter

Mein Startkapital bestand aus einem bescheidenen Sparbuch, das eigentlich für den Erwerb eines gebrauchten Kleinwagens gedacht war. Aber mit einem Auto kann man nicht übersetzen und auch keine Aufträge verwalten, und nur das hatte ich im Sinn. Ich investierte also kurzerhand den gesamten Betrag in einen „Zauberkasten“, einen gebrauchten Computer mit einem aus heutiger Sicht lächerlich winzigen Speicher.

Nun blickte mir das kleine viereckige Apple-Gesichtchen lächelnd von einem kleinen Bildschirmchen entgegen, und ich konnte tatsächlich anders als mit der Schreibmaschine ganze Zeilen und Textabschnitte korrigieren, komplett löschen, neu formatieren und mehrfach ausdrucken … Der Kleine machte mich so stolz und euphorisch, wie der ursprünglich geplante VW-Käfer es niemals vermocht hätte.

Bald kam das Internet. Wurden unsere Übersetzungsarbeiten bislang per Schneckenpost oder Fax ausgeliefert, so änderte sich auf einmal alles: Es begann die zeitnahe, direkte Kommunikation mit den Kunden. Die Taktung wechselte von SLOW auf ULTRASPEED. Dienstleistung war nunmehr weniger Inhalt als zeitliche Dimension: Die Aufträge wurden nicht mehr „bis Ende dieser Woche, Anfang nächster Woche“ erwartet, sondern „heute um 14:30 Uhr“, auf die Minute genau.

Auf in Richtung Zukunft

Internationalisierung, Globalisierung, Kommunikation ohne Grenzen – dazu haben Übersetzer/innen im zurückliegenden Vierteljahrhundert einen wesentlichen und großartigen Beitrag geleistet.

Und heute?

Die Branche befindet sich (wieder einmal) im Wandel: CAT-Tools haben uns die Arbeit erleichtert, Künstliche Intelligenz und neuronale Übersetzungssoftware werden als das nächste „ganz große Ding“ gehandelt. Solange aber maschinelle Übersetzungen Komik, Ironie und Humor nicht treffend wiedergeben, juristische Texte nicht rechtssicher in eine andere Sprache übertragen können, idiomatische Ausdrücke gar nicht erst verstehen und interkulturelle Kompetenz für sie ein buntes Fragezeichen bleibt, wird es das Übersetzungsbüro eurolanguage geben.

Einige ganz persönliche Zeilen

Zur Schau getragene Emotionalität ist meine Sache nicht. An einem solchen Tag aber, an dem sich doch Nostalgie und private Erinnerungen mit geschäftlicher Bilanz ein wenig vermischen, bitte ich um Nachsicht, wenn ich eine Ausnahme mache.

Ihnen allen gebührt für diesen langen Weg mein Dank: Ihnen, meinen Kunden, natürlich, aber auch den vielen Übersetzern/innen aus und in allen Ecken der Welt. Ohne Ihre Kompetenz, Ihre Zuverlässigkeit und Ihre Loyalität gäbe es eurolanguage nicht. Ich verlange von Ihnen allen sehr viel, und manches Mal mag ich überkritisch sein, aber ich hoffe, Ihnen allen dennoch eine gute Auftraggeberin und Kollegin zu sein.

Nein, ich hatte mir wirklich nicht viel dabei gedacht an jenem 6. März 1995 und mich einfach kopflos in ein Abenteuer gestürzt. Dass es allerdings so spannend und erfüllend werden würde, hätte ich mir niemals träumen lassen. Und ich würde nichts ändern wollen. In diesem Sinne:

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